Duale Ausbildung für Ex-Akademiker Studienabbrecher willkommen - keine Extrabehandlung

Jedes Jahr brechen zehntausende junge Leute ihr Studium ab. Ausbildungsbetriebe heißen die Studieabbrecher willkommen - einen roten Teppich wollen sie ihnen aber nicht ausrollen.

Hörsaal ade: Studienabbrecher sollen möglichst schnell den Einstieg ins Handwerk schaffen. - © Foto: davis/Fotolia

Immer mehr Unternehmer stehen der Ausbildung von Studienabbrechern aufgeschlossen gegenüber - gerade angesichts der Probleme, Ausbildungsplätze zu besetzen. Allerdings sind kleine Betriebe mit weniger als 20 Mitarbeitern deutlich zurückhaltender als andere, zeigt eine Betriebsbefragung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB), an der sich rund 570 Ausbildungsbetriebe beteiligt haben.

Studienabbrecher sollen in Berufsschule

Einig sind sich die Unternehmer darin, dass die Studienabbrecher keine besonderen Ausbildungsregelungen und -modelle bekommen sollen. Über 80 Prozent der Befragten lehnen es ab, die ehemaligen Studenten generell vom Berufsschulunterricht freizustellen. Mehr als die Hälfte äußerte sich gegen separate Berufsschulklassen. Dem gegenüber stehen rund 30 Prozent, die diesen Ansatz für gut halten. Sie halten diese Maßnahmen für ein geeignetes Instrument, um die Attraktivität der dualen Berufsausbildung für Studienabbreche zu erhöhen.

Tatsächlich scheint die Berufsschule aber kaum von Belang für die jungen Leute zu sein. Das zeigt eine weitere Befragung des BIBB in Kooperation mit der Universität Maastricht. Im Falle eines Wechsels von der Hochschule in die duale Berufsausbildung trügen für sie veränderte Berufsschulzeiten nicht dazu bei, die Attraktivität einer dualen Berufsausbildung zu steigern.

In der Frage, ob die Ausbildungszeit für Studienabbrecher über das derzeit geltende Maß weiter verkürzt werden solle, gingen die Meinungen auseinander. Rund die Hälfte der befragten Betriebe spricht sich dagegen aus; rund ein Drittel würde eine solche Sonderregelung begrüßen.

Das Berufsbildungsgesetz eröffnet bereits jetzt die Möglichkeit, dass Jugendliche mit Fachhochschulreife oder Abitur ihre Ausbildungszeit um zwölf Monate verkürzen können.

Weitere Informationen zu den Ergebnissen der Betriebsbefragung stehen unter www.bibb.de/bibbreport, zu den Ergebnissen der Studierendenbefragung unter www.bibb.de/de/37652.php .

Studienabbrecher in Pilotprojekten

Um Studienabbrechern möglichst schnell eine neue Perspektive aufzuzeigen, unterstützt das Bundesbildungsministerium 18 regionale Projekte, beispielsweise bei der Handwerkskammer Frankfurt Rhein-Main. Die Kammer hatte das Projekt "Perspektiven im Handwerk für Studienabbrecher" beantragt und im Rahmen der Jobstarter Plus-Initiative bewilligt bekommen. Ziel der Projekte ist es, Studienabbrecher, Kammern, Betriebe und Hochschulen zusammenzubringen.

Auf Bundesebene gibt es jetzt das Onlineportal www.studienabbruch-und-dann.de. Das Portal informiert nicht nur über Wege, um das Hochschulstudium doch noch erfolgreich abzuschließen, sondern auch über Alternativen beispielsweise im Handwerk für diejenigen, die sich tatsächlich für den Studienabbruch entscheiden.

"Auch Leistungsstarke junge Erwachsene benötigen häufig eine Orientierung, ob der eingeschlagene Weg eines Studiums der richtige ist. Sie benötigen Beratung über die bestehenden Möglichkeiten innerhalb wie außerhalb einer Hochschule. Denn oftmals wissen sie nur wenig über die Vielfalt der Ausbildungsberufe. Dabei bietet ihnen der Wechsel in die berufliche Bildung spannende Berufsaussichten. Durch den technologischen Wandel steigen die Anforderungen in vielen Berufsbildern. Aufgrund des zu erwartenden Fachkräftebedarfs bieten sich für diese jungen Menschen daher attraktive Karrierechancen insbesondere in kleinen und mittleren Unternehmen", sagte Bundesbildungsministerin Johanna Wanka.

Rund 60.000 bis 100.000 junge Leute pro Absolventenjahrgang brechen ihr Studium ab. Die Bundesbildungsministerin will ihnen vermitteln, dass sie woanders durchaus gebraucht würden. Kleinere und mittlere Betriebe bekämen so weitere Möglichkeiten, ihren Fachkräftebedarf auch durch leistungsstarke Bewerber zu decken. Die Ministerin machte aber auch unmissverständlich klar, dass sie die Zahl der Studienabbrecher auch durch eine bessere Studien- und Berufsberatung – auch an Gymnasien – verringern wolle.

Gründe für Studienabbrüche

Derzeit liegt die durchschnittliche Abbruchquote in Bachelorstudiengängen bei 28 Prozent, meldet das Bundesinstitut für Berufsbildung (BiBB) in seinem BiBB-Report 2/2016. Ein Studienabbruch liegt dann vor, wenn an einer deutschen Hochschule ein Erststudium aufgenommen, dann aber die Hochschule ohne (ersten) akademischen Abschluss wieder verlassen wurde. Die Gründe für einen Studieabbruch sind vielfältig:

  • individuelle Eingangsvoraussetzungen (z.B. kognitive Fähigkeiten, Studieninteresse)
  • Studienbedingungen (z.B. Qualität des Studienangebotes, Praxisbezug)
  • Kontextbedingungen (z.B. Erwerbstätigkeit, Familiensituation)

Welcher dieser Gründe die Hauptursache vorzeitiger Exmatrikulationen ist, hängt unter anderem vom Zeitpunkt des Studienabbruchs ab. Wer in den ersten Fachsemestern abbricht, tut dies meist aufgrund seiner individuellen Eingangsvoraussetzungen oder den Studienbedingungen. Späte Studienabbrüche hängen demnach meist mit dem Kontext zusammen.

bst/bir

Dieser Artikel wurde am 10. Juli 2016 aktualisiert.