RWE-Chef Großmann fordert längere Laufzeit für Gundremmingen B Stromriesen gehen gegen Ausstiegsplan auf die Barrikaden

Die deutschen Kernkraftwerksbetreiber gehen gegen die Pläne der Bundesregierung für den Atomausstieg auf die Barrikaden. RWE-Chef Jürgen Großmann forderte in einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) deutlich längere Laufzeiten für das Kernkraftwerk Gundremmingen B. Nach seinen Vorstellungen soll der bayerische Reaktor nicht schon 2017, sondern erst Ende 2021 vom Netz gehen.

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Stromriesen gehen gegen Ausstiegsplan auf die Barrikaden

Düsseldorf (dapd). Die deutschen Kernkraftwerksbetreiber gehen gegen die Pläne der Bundesregierung für den Atomausstieg auf die Barrikaden. RWE-Chef Jürgen Großmann forderte in einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) deutlich längere Laufzeiten für das Kernkraftwerk Gundremmingen B. Nach seinen Vorstellungen soll der bayerische Reaktor nicht schon 2017, sondern erst Ende 2021 vom Netz gehen. Vattenfall-Chef Øystein Løseth verlangte unterdessen eine "faire Entschädigung" seines Konzerns.

Großmann sieht RWE als größten deutschen Stromproduzenten durch die Pläne zur stufenweisen Abschaltung der Reaktoren benachteiligt. Im Gegensatz zu den Wettbewerbern E.ON und EnBW könne der Konzern dabei seine vorhandenen Reststrommengen wegen der frühen Abschaltung von Gundremmingen B nicht annähernd verbrauchen.

"Dass die Bundesregierung das Aus der Kernenergie beschlossen hat, müssen und werden wir selbstverständlich akzeptieren", schrieb Großmann. Es sei aber unverständlich, warum Gundremmingen B vier Jahre früher abgeschaltet werden solle als der baugleiche und nur wenige Monate später in Betrieb gegangene Schwesterreaktor Gundremmingen C. Beide Kernkraftwerke "sollten den gleichen Abschalttermin erhalten, also Ende 2021", bat Großmann die Kanzlerin. Nur so könne sichergestellt werden, dass RWE nicht große Restrommengen unter Wert veräußern müsse oder gar verliere. RWE brauche das Geld für Investitionen in erneuerbare Energien.

Der schwedische Stromkonzern Vattenfall forderte unterdessen eine angemessene Entschädigung für den Atomausstieg. "Vattenfalls Kernkraftwerke in Deutschland stellen große Vermögenswerte dar. Wir erwarten eine faire Behandlung und eine faire Entschädigung für unsere Verluste aufgrund der Regierungsentscheidung", sagte Unternehmenschef Øystein Løseth.

Das Unternehmen habe rund 700 Millionen Euro in die beiden Kernkraftwerke Krümmel und Brunsbüttel in den letzten Jahren investiert. Dies müsse berücksichtigt werden, wenn es zu Entschädigungsfragen wie der Übertragung von Reststrommengen komme. Das Unternehmen hoffe auf eine Einigung, halte sich aber weitere Optionen offen, hieß es weiter.

Deutschlands größter Energieversorger E.ON war bereits in der vergangenen Woche auf Konfrontationskurs zur Bundesregierung gegangen. Er kündigte eine Klage gegen die Brennelementesteuer an und forderte daneben einen Ausgleich für die durch die Energiewende entstehenden Vermögensschäden in Milliardenhöhe.

Zurückhaltender agiert dagegen bislang der überwiegend im öffentlichen Besitz befindliche baden-württembergische Stromkonzern EnBW. Ein Unternehmenssprecher sagte, der Konzern wolle vor einer Entscheidung über das weitere Vorgehen zunächst das weitere Gesetzgebungsverfahren beobachten. "Wir kommentieren das erst dann, wenn es eine gesicherte Basis gibt."

Bei Atomkraftgegner sorgte das Vorgehen der Konzern für Empörung. Der Sprecher der Anti-Atom-Organisation "ausgestrahlt", Jochen Stay, sagte in Hamburg, es sei unglaublich, dass E.ON und RWE klagen wollten und Vattenfall Schadenersatz verlange. "Da setzen uns diese Stromkonzerne jahrelang einem gigantischen Risiko aus und machen damit Milliarden - und wollen dann noch einmal kassieren, wenn Atomkraftwerke endlich stillgelegt werden."

dapd