Gastkommentar Strompreis: Wohlstand und sozialer Friede gefährdet

Die aktuellen politischen Entscheidungen belasten einseitig die deutsche Wirtschaft. Der europäische Ansatz zur Begrenzung des CO₂-Verbrauchs erweist sich aus mehreren Gründen als verheerend.

Strompreisanalyse vom BDEW: Im Dezember lag der durchschnittliche Haushaltsstrompreis bei 40,92 Cent pro Kilowattstunde. - © Stockfotos-MG - stock.adobe.com

Die neue Strompreisanalyse des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) vom Dezember 2024 macht wenig Hoffnung: Sie weist einen durchschnittlichen Haushaltsstrompreis von 40,92 Cent pro Kilowattstunde auf. Dies sind zwar elf Prozent weniger als der Rekordwert von 45,73 Cent pro Kilowattstunde im Jahre 2023, jedoch muss man bedenken, dass die EEG-Subventionen für Wind- und Solarstromanlagen in diesem Jahr auf circa 20 Milliarden Euro ansteigen. Der Steuerzahler legt folglich nochmals circa fünf Cent pro Kilowattstunde obendrauf.

Preistreiber sind vor allem die Netzentgelte, die gegenüber 2023 um 21 Prozent auf 11,53 Cent pro Kilowattstunde angestiegen sind. Dies ist aber nur der Anfang. Experten von McKinsey prognostizieren für 2035 einen preisindizierten Anstieg der Netzentgelte auf 23 bis 25 Cent pro Kilowattstunde, was dann Strompreise von knapp 50 Cent pro Kilowattstunde in heutigen Preisen bedingen wird.

Strompreis: Faktoren für den Anstieg

Verantwortlich für diesen Anstieg sind verschiedene Faktoren: Die im Ausland mit Fassungslosigkeit betrachtete Abschaltung der Kern- und Kohlekraftwerke lässt uns vor allem in Dunkelflauten ohne Solar- und Windstrom, mit sehr hohen Strompreisen zurück. Die steigenden Netzentgelte tragen dem Umstand Rechnung, dass die Netzbetreiber immer häufiger in das Netz eingreifen müssen und der Ausbau der Erneuerbaren hohe Infrastrukturkosten nach sich zieht. Eine Studie des EWI der Universität Köln errechnet die Summe von 732 Milliarden Euro, die bis 2045 auf die Verbraucher zukommen werden.

Ein Faktor wird jedoch zu wenig in der Öffentlichkeit diskutiert und dies sind die steigenden CO₂-Kosten. Hier werden die deutschen Verbraucher direkt von zwei Effekten getroffen: Die Strompreise haben sich durch die stark gestiegenen Kosten des Emissionshandels "EU-ETS1", die fossile Kraftwerksbetreiber zu zahlen haben, erhöht. Betrugen die Kosten für die Emission einer Tonne CO₂ vor 2018 zwischen fünf und zehn Euro, so schoss dieser Preis bis 90 Euro im Jahre 2023 nach oben und beträgt aktuell circa 68 Euro pro Tonne, was sehr unmittelbar auf den Strompreis durchschlug. Zusätzlich werden die Verbraucher durch den Anstieg der CO₂-Steuer auf Erdgas und Treibstoffe belastet. Diese steigt 2025 auf 55 Euro pro Tonne – gegenüber 30 Euro im Jahr 2023 Jahr fast eine Verdoppelung – und durch die Einführung eines zweiten Emissionshandelssystems für diese Energieträger ab 2027 sind auch hier noch weiter steigende Preise zu befürchten.

Einschränkung des CO₂-Verbrauchs: Die Folgen

Nun gibt es sicherlich gute Argumente, den Verbrauch von CO₂ einzuschränken. Die europäische Vorgehensweise erweist sich jedoch aus mehreren Gründen als verheerend:

  1. Der deutsche Anteil an den globalen CO₂-Emissionen ist mit 1,6 Prozent verschwindend gering und allein China erhöht seinen CO₂-Ausstoß jährlich um die gesamte in Deutschland emittierte CO₂-Menge. Selbst eine vollständige Dekarbonisierung unseres Landes wäre also allein durch China in einem Jahr kompensiert.
  2. Die einseitige Belastung eines Wirtschaftsraums mit CO₂-Abgaben, während in anderen Regionen wesentlich geringere oder gar keine Belastungen anfallen, führt zu der jetzt beobachtbaren Deindustrialisierung des Landes.
  3. Ein einseitiger Verzicht eines Landes auf fossile Rohstoffe wie Erdgas und Rohöl hat einen kontraproduktiven Markteffekt auf der globalen Ebene. Dieser Verzicht führt ceteris paribus auf dem Weltmarkt zu geringeren Preisen, welche dann die Nachfrage in anderen Ländern steigern. Als Ergebnis wird der geringere Verbrauch in Deutschland durch einen steigenden Verbrauch in anderen Ländern kompensiert, möglicherweise sogar noch mit weniger effizienten Verbrennungstechnologien.
Dr. Christoph Canne

Als Ergebnis bleibt festzuhalten, dass die derzeitige Politik der steigenden Belastung von Wirtschaft und Verbrauchern mit CO₂-Abgaben zu einseitigen Wohlstandsverlusten unseres Landes führt, ohne dass die globalen Emissionen verringert werden. Die Folgen sind bereits erkennbar: So belegt Deutschland in den aktuellen Wachstumsstatistiken des IWF und der OECD in der Reihe der großen Industrieländer den letzten Platz, ohne dass eine Aussicht auf Besserung erkennbar ist.

Eine Lösung aus diesem Teufelskreis kann allein gefunden werden, wenn unter den großen Industrieländern eine Systematik der CO₂-Bepreisung entwickelt wird, die für die Wirtschaft aller Länder vergleichbare Auswirkungen hat – dies muss auch geschehen um den Preis, dass ein hieraus entwickelter CO₂-Preis geringer als der derzeitige ETS-Preis in der EU wäre.

Eine Politik, die diese Notwendigkeit nicht beachtet und stattdessen lieber einseitig die Belastung für Wirtschaft und Verbraucher in Deutschland weiter erhöht, wird die Probleme unseres Landes eskalieren und auf diese Weise Wohlstand und sozialen Frieden in unserem Land gefährden.

Dr. Christoph Canne ist Diplom-Chemiker und Diplom-Kaufmann mit Promotion in Biophysik. Er ist seit 2022 Pressesprecher der "Bundesinitiative Vernunftkraft". Canne gehört dem Fachbereich Volkswirtschaftslehre von "Vernunftkraft" an und widmet sich in seinen Beiträgen vorrangig der Analyse und Darstellung ökonomischer Zusammenhänge in der Energiepolitik. Er lebt in Saarlouis.