Die deutschen Stromnetz-Betreiber warnen infolge des Atom-Moratoriums vor einem Zusammenbruch der Elektrizitätsversorgung im Winter. Im Sommer werde die Situation angespannt, aber vermutlich beherrschbar sein, teilten die vier großen Übertragungsnetzbetreiber 50 Hertz, Amprion, EnBW Transportnetze und Tennet am Sonntag mit.
Stromnetz-Betreiber warnen vor Ausfällen im Winter
Berlin (dapd). Die deutschen Stromnetz-Betreiber warnen infolge des Atom-Moratoriums vor einem Zusammenbruch der Elektrizitätsversorgung im Winter. Im Sommer werde die Situation angespannt, aber vermutlich beherrschbar sein, teilten die vier großen Übertragungsnetzbetreiber 50 Hertz, Amprion, EnBW Transportnetze und Tennet am Sonntag mit. Doch im Winterhalbjahr werden demnach der notwendige Handlungsspielraum und die verfügbaren Maßnahmen zur Erhaltung der Systemstabilität weitgehend erschöpft sein.
Das deutsche Stromnetz ist derzeit stärker belastet, weil die Erzeugungskapazität der Mehrzahl der Atomreaktoren fehlt. Acht der Meiler sind wegen des Atom-Moratoriums der Bundesregierung vom Netz, das diese nach der Katastrophe von Japan verhängte. Weitere fünf Reaktoren sind wegen Wartungsarbeiten und aus anderen technischen Gründen derzeit außer Betrieb. Das Stromnetz muss nun größere Schwankungen aushalten, weil der Strom aus Wind- und Sonnenkraft nur schwer kalkulierbar ist. Viel Strom muss von Norden nach Süden transportiert werden.
Durch das Moratorium fehlt derzeit 8.000 Megawatt an gesicherter Erzeugungskapazität. Sollte es dabei bleiben, wird es den Netzbetreibern zufolge im kommenden Winter, insbesondere am Abend kaum noch gesicherte freie Erzeugungsleistung geben. Außerdem habe Deutschland dann typischerweise geringere Importmöglichkeiten.
"In Folge dessen sind großflächige Versorgungsausfälle im Falle von Mehrfachfehlern wahrscheinlicher als jemals zuvor", heißt es in der Mitteilung. Das elektrische System werde "fernab von jedem operativen Normalbetrieb" zeitweise "angespannter denn je betrieben". Es werde dann nur mit erheblichen operativen Eingriffen gerade noch gemäß europäischen Mindest-Sicherheitsstandards zu betreiben sein. Trotz aller Maßnahmen steige aber das Risiko für Netzstörungen, da die Reserven und Eingriffsmöglichkeiten der Netzbetreiber nahezu aufgezehrt seien.
dapd
