"Es gibt Unternehmer, die werden unruhig, wenn zu wenige Anrufe kommen. Und andere werden unruhig, wenn zu viele kommen." Dieter Brendt ist Diplompsychologe und Coach. Stress, so zeigt sein Beispiel, kann ganz unterschiedliche Ursachen haben. Was man als Stress empfinde, hänge weitgehend davon ab, wie man Druck, der von außen kommt, im Kopf verarbeitet.

Wer wirklich etwas ändern will, muss ironischerweise zunächst eines mitbringen: Zeit. Die kostet es, wenn man herausfinden will, wo die Zeitfresser sitzen und welche Prioritäten man hat. Am Anfang steht die Frage: Was will ich morgen, in den nächsten 14 Tagen, Monaten, Jahren erreichen?
Dieter Brendt hilft seinen Seminarteilnehmern bei der Prioritätensuche gerne mit einem morbiden Gedankenspiel: "Was wäre wichtig, wenn ich nur noch wenige Jahre, Monate oder Wochen zu leben hätte?" Da verschieben sich die Werte schnell von ausschließlich beruflichen hin zu wesentlich mehr privaten Zielen. "Unternehmer müssen lernen, dass das, was gut für sie sel bst ist, auch gut fürs Geschäft ist", betont Brendt. Gerade das Vernachlässigen der eigenen Person, der sozialen Kontakte, der Freude führe zu Stress.
Nicht zu eng planen
Sind die Ziele definiert – und wichtig: schriftlich fixiert –, folgt die Planung der einzelnen Schritte. Stehen die Schritte fest, kommt die Frage nach der Effizienz, was viel mit Zeitplanung zu tun hat: "Die meisten Menschen planen zu eng, sehen keine Pausen vor, haben keine Zeit fürs Essen, schätzen die Zeit, die sie für Wege brauchen, zu kurz ein. Das alles trägt zu einer massiven Überforderung bei, weswegen schon so alltägliche Dinge wie die Parkplatzsuche zum puren Stress werden." Höchstens 70 Prozent des Arbeitstages solle man verplanen, die restlichen 30 Prozent sind der Puffer für Unerwartetes.
Basis der Zeitplanung ist eine Ordnung nach dem ABC-Prinzip: Wichtige und dringliche Aufgaben, also solche, mit denen etwa viel Umsatz erzielt wird, sind A-Aufgaben. Sie müssen vom Chef persönlich und sofort erledigt werden. Weniger wichtige oder zumindest nicht dringliche Aufgaben gehören in die Rubrik B, die übrigen in die Rubrik C.
Aufgaben delegieren
Viele Aufgaben kann man delegieren – und das geht auch im Einmannbetrieb, so Brendt. "Wenn ich die Büroarbeit, die zu den A-Aufgaben zählt, als lästige Pflicht empfinde, dann muss ich sehen, welche Möglichkeiten mir die Technik bietet. Natürlich muss ich dafür erst wieder Zeit investieren, ein Programm beschaffen und es erlernen. Aber im Endeffekt gewinne ich damit Zeit."
Der meiste Stress entstehe durch die eigenen Verhaltensweisen. "Aufschieberitis" nennt der Psychologe das Phänomen, wenn unangenehme Aufgaben geschoben werden. Im Handwerk ist das meist die Büroarbeit. Dass diese Aufgabe, durch die erst Geld ins Unternehmen fließt, so ungeliebt ist, liegt laut Brendt auch an einer falschen Zeiteinteilung: "Wenn jemand die Büroarbeit schiebt, bis der Berg immer größer wird, und wenn er diesen Berg erst am Ende eines langen Arbeitstags anpackt, ist klar, dass er das nicht gerne macht." bst
Dieter Brendt: Zeitmanagement für Handwerker: Anleitung zum Sel bstcoaching und zur optimalen Zeitgestaltung, Expert Verlag, 39,80 Euro