Das EU-Parlament stimmt gegen die zu simple Kennzeichnung von Lebensmitteln. Kommentar von Rudolf Baier
Stoppschild für die Ampel
Rote Ampel für die Ampel: Das EU-Parlament hat sich mit großer Mehrheit gegen die Einführung eines "Ampel-Systems" zur Kennzeichnung von Lebensmitteln ausgesprochen. Auf verpackten Lebensmitteln müssen künftig Schlüsselinformationen zum Nährwert, wie der Energiegehalt, Fette, gesättigte Fettsäuren, Zucker und Salz im "Hauptblickfeld der Verpackung" angegeben werden. Beim nunmehr von den EU-Parlamentariern verworfenen "Ampel-System" war vorgesehen, rote, gelbe und grüne Farben zu verwenden, um einen hohen, mittleren und geringen Gehalt von Salz, Zucker und Fett in verarbeiteten Lebensmitteln anzuzeigen. Darin sah das EU-Parlament mit Recht eine viel zu starke Vereinfachung. Eine ausgewogene Ernährung, die rund 40 Nährstoffe benötigt, ist viel zu komplex für drei simple Farben. Außerdem hätten nach den willkürlichen, wissenschaftlich nicht fundierten Schwellenwerten der Ampel hochwertige Nahrungsmittel wie Orangensaft, Nüsse, Olivenöl, Sauerkraut oder Apfelmus mit rot gekennzeichnet werden müssen. Und rot bedeutet für den schnellen Kunden nun mal "no go".
Handwerklich hergestellte Lebensmittel und nicht-vorverpackte Lebensmittel, wie Fleisch vom Metzger, werden von den Regeln der Nährwertkennzeichnung ausgenommen. Mit dieser praxisnahen Lösung sind die EU-Abgeordneten weitgehend den Argumenten des Handwerks gefolgt, das stets betonte, aufgrund der in den Fachgeschäften des Handwerks vorhandenen Beratungsintensität sei eine Kennzeichnung wie bei Fertigpackungen überflüssig. Der Verbraucher hat schließlich in den Verkaufsgeschäften des Lebensmittelhandwerks jederzeit die Möglichkeit, die Informationen, die ihm wichtig sind, zu erfragen. Das kann er auch und dies sollte auch tun, wenn es um bestimmte Allergien geht. Daher ist die verpflichtende Allergenkennzeichnung ein dicker Wermutstropfen für die Handwerksbetriebe. Ebenso unbefriedigend ist auch, dass die Kommission auch weiterhin sog. Nährwertprofile entwickeln soll, die nährwertbezogene Werbeaussagen an die Einhaltung von Grenzwerten für Fett, Zucker und Salz binden soll. Die unsägliche Diskussion um das Salz im deutschen Brot hat gezeigt, wie willkürlich und hanebüchen die bislang diskutierten Grenzwerte sind. Die EU-Kommission muss die völlig überdenken und Ausnahmen für Grundnahrungsmittel wie unser Brot erlassen.