Der Stopp des TV-Spots der Imagekampagne löst unterschiedliche Reaktionen im Handwerk aus. Das meinen die Leser der Deutschen Handwerks Zeitung.
Stopp des Imagefilms: Das sagen die DHZ-Leser
- Monika Bonath, Holzbau: "Ich finde den Werbefilm zum Handwerk einfach nur spitze! Es ist dringend nötig, das Image des Handwerks in der Öffentlichkeit aufzuwerten und ich finde der Werbefilm macht eindrucksvoll deutlich, was die Menschen ohne Handwerk wären! Man sollte sich nicht gleich nach ein bisschen Kritik ins Bockshorn jagen lassen und die Kampagne abbrechen. Der Werbefilm ist gut gemacht, macht den Zuschauer aufmerksam und lässt ihn nachdenken. Deshalb: Unbedingt weitermachen mit dem Film!"
- Roland Saupp, Lackierbetrieb: "Der Film ist sehr gut; von der Idee her und von der Umsetzung. Allerdings hinterlässt er beim Zuschauer einen 'Schock' und somit ein Negativerlebnis. Unser Verbesserungsvorschlag wäre zum Schluß der Film wieder ganz schnell rückwärts laufen lassen, also wieder in den 'angenehmen Jetztzustand' und dann die Kernaussage 'wie gut , daß es Handwerk gibt'. Damit wäre beim Zuschauer der Schockzustand wieder aufgehoben und der Film würde eine 'positive Wirkung' hinterlassen."
- Hans-Peter Fischer, Energietechnik: "Schlechter kann man das Handwerk nicht darstellen. Einziger Lichtblick ist der Slogan am Ende des Spots."
- Manuela Hoppmann, Elektrotechnik: "Wenn man das Lied 'Die perfekte Welle' mit dem Tsunami in Verbindung bringt – ok! Aber diesen Spot mit Haiti – nein! Ich finde den Spot toll gemacht, auf witzige Art und Weise verdeutlicht, was wir ohne Handwerk wären. Das Einzige – das viele schöne Geld. Alle Handwerker arbeiten, schauen, wie sie über die Runden kommen, müssen sich und ihre Leistungen unter Wert verkaufen. Doch manche Stelle hat da eben mal ein paar Mille übrig, um einen Werbespot für das Handwerk zu basteln. Das ist zwar sehr ritterlich, nur denke ich, geholfen ist und wird dem Handwerk hierdurch nicht."
- Thomas Eickert, Malerbetrieb: Das ist ja mal wieder typisch! Wenn Mercedes-Benz, Siemens, Google, Microsoft usw. eine solche Werbung machen würden, wäre sie genial. Handwerk hat in Deutschland keine Lobby und braucht deshalb dringend diese Kampagne. Wir finden den Film klasse und genau auf den Punkt gebracht. Wahrscheinlich passt es unserer Gesellschaft aus Bankern, Managern, Designern nicht, denn Handwerker will ja keiner mehr werden, da wird man ja schmutzig, muss sich anstrengen und auch noch früh aufstehen. Wer den Spot mit dem 11. September oder Haiti in Verbindung bringt, sucht Gründe zum Maulen, und findet man keine, werden welche produziert. Haiti ist unbestreitbar ein schlimmes Unglück und auch wir haben gespendet."
- Wolfgang Schallmey, Sassenberg: "Der Stopp des Films war richtig, ansonsten ist der Film ein Horror und wirbt nicht, sondern schreckt ab, diese Zenarien finden wir überall auf der Welt, was hat unser Handwerk damit zu tun? Der Film ist grundsätzlich abzulehen."
- Jürgen Reitz, Gladenbach: "Wer das Filmchen des Handwerks verbieten will, muss auch alle entsprechenden Kino- und Fernsehfilme wie Donald Duck, Micky Mouse etc. stoppen. Was ein Schwachsinn!"
- Karl Teig, Friseur: "Die Kampange sollte die Jugend ansprechen. Nur welcher Jugendliche liest die Bild am Sonntag (Anzeige Kostenpunk ca 75000 Euro). Der Spot geht an der Zielgruppe vorbei, nicht nur wegen dem Erdbeben."
- Stephan Ortey, Gebäudeservice: "Der Film ist interessant, anschaulich und verdeutlicht, wo die Menschheit ohne Handwerk, Beigerstung usw. wäre. Ein Bezug zu Haiti ist nicht zu erkennen, es sei denn, man fängt an zu interpretieren bis man nicht mehr weiß, um was es geht. Aber, diese 50-Millionen-Kampagne – das hätte man günstiger umsetzen können. Wo kommen die 50 Millionen her?"
- Metallbau Dölz, Kraftsdorf: "Ich kann den Stopp des Werbefilms nur begrüßen. Man hat ja schon länger davon gehört, ich war ganz gespannt darauf und war sehr, sehr enttäuscht! Mir geht es hierbei nicht um den 11. September oder Erdbeben, obwohl dies auch ein Argument ist, mir bzw. unserem Team fehlt ganz einfach das 'Handwerk'! Ein Aufbau bzw. ein Entstehen eines Produktes/Dienstleistung hätte uns auch besser gefallen. Wir kleinen Handwerker finden uns in dem Film nicht berücksichtigt, Reklame wieder für die Autoindustrie und die 'Großen'. Was ist mit dem Friseur, dem Schuhmacher, dem kleinen Uhrmacher, dem kleinen Fleischerladen usw.? Wenn ich die Summe von 50 Millionen Werbeetat höre, bin ich mehr als empört. Das Geld wäre woanders wirklich besser angebracht, aber unsere Regierung macht es ja vor. Das Alltagsleben eines Handwerkers kennt wahrscheinlich keiner mehr."
- Christina Zügn, Schneidermeisterin: "Meiner Meinung nach konnte der Film nicht treffender gemacht werden! Dass er an eine Katastrophe erinnert, daran wollen die Menschen, welche den Film stoppen wollen, eben nicht erinnert werden. Letztlich ist es so, dass unsere Zivilisation durch das handwerkliche Geschick der Menschen damals entstand, sonst würden wir wohl heute noch so leben wie die Beiden im Schlussbild. Ich frage mich nur, ob es wirklich 50 Millionen Euro sein müssen. Geht es nicht ein wenig günstiger?"
- Markus Nagel: "Ich fand den Werbespot sehr gut, denn durch die überspitzten Bilderdarstellungen wird in kurzer Zeit sehr deutlich gemacht, was Handwerker alles zu machen vermögen. Wer den Zerfall von täglichen Gegenständen in Zeitraffer mit Terror und Naturgewalten in Verbindung bringt, hat meiner Meinung nach eine verzerrte Wahrnehmung. Ich finde den Spot genial ansprechend."
- Anni Schmölz, Zimmerei Schmölz: "Als ich zufällig den Werbefilm des Handwerks sah, dachte ich: Fällt denen nichts besseres ein, sicher kostspielige Aufnahmen, nur Zerstörung, erst am Ende des Sports erfährt man für was und für wen geworben werden soll."
- Günter Geng, Waiblingen: "Dumm gelaufen. Der Spot gehört sicher zur Spitzenklasse der Deutschen Werbung. Ist zwar nicht mit Hammer und Meissel oder anderen Handwerkszeug gefertigt, aber mit allerbesten industriell gefertigten Produkten der Filmwirtschaft hergestellt. Ohne diese 'neumodischen' Erfindungen wie Computer wäre auch der beste Handwerkter ein Steinzeitmensch geblieben. Der Zeitpunkt des Starts der Kampagne war sicher lange geplant. Das Erdbeben in Haiti war unvorhergesehen, aber durch nix und keinen Handwerker aufzuhalten. Aber dass die Entscheider des ZDH solange gebraucht haben, um nach dem Haiti-Desaster diesen Spot, der nun genau die gleichen Bilder von Verwüstung und Zerstörung zu Grunde legte, zu stoppen – das zeigt wie unbeweglich und verkrustet die Strukturen des deutschen Handwerks sind. Ein Anruf bei der Mediaagentur oder den Sendern direkt und der Spot wäre noch am selben Tag gestoppt gewesen. Aber so hat man sich nun den Spott für den Spot und die Häme zurechnen zu lassen. Dass der ganze Spass dann aber auch noch 50 Millionen Euro kosten soll – das ist das eigentliche Desaster."
- Bernhard Wächter, München: "Ich finde den Film wirklich gut ... super Idee ... auf diese Weise einmal (mit Witz) zu vermitteln, welche wichtige Rolle das Handwerk spielt. Andererseits sollte man die 'Gebäude-Einstürze' verkürzen, da diese Bilder in der Tat an Erdbeben etc. zu sehr erinnern."
- Thomas Müller, Friseur: Einfach nur spitze. Glückwunsch zur tollen Aktion. Weiter so.
- Andreas Ludewig, Hawangen: "Einige der Leute die schon ihre Meinung abgegeben haben, haben wohl weder den Film genau angesehen oder auch angehört. Ich finde es ist sehr genau zu erkennen um was es geht. Insgesamt finde ich den Film mal erfrischend anders, ein bisschen Provokation schadet nicht. Die Wahrnehmung beim Sehenden wird so besser erreicht als mit irgendeinem Wischi-waschi-Filmchen aus der Spülmittelkategorie. So etwas hat das Handwerk schon lange gebraucht. Die Anregung, den Film am Ende schnell rücklaufen zu lassen, um ein "positives" Ende zu bewirken, finde ich aber überlegenswert."
- Kurt Schlumpberger, Ulm: "Dieser Werbespot zeigt den Weg des Handwerks, wohin der noch führen kann! Unglaublich, für so einen Schwachsinn so viel Geld auszugeben. Sofort die Werbekampagne absetzen und die Mittel an Stellen bringen, wo sie dringend gebraucht werden – z.B. nach Haiti."
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dhz