Ifo-Index Stimmung in der Wirtschaft hellt sich auf

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Juni zum dritten Mal in Folge verbessert. Das wichtigste Stimmungsbarometer, der Ifo-Geschäftsklimaindex, erhöhte sich stärker als von Beobachtern erwartet.

Stimmung in der Wirtschaft hellt sich auf

Die Wirtschaft stabilisiere sich allmählich, erklärte das Ifo-Institut in München. Der Pessimismus der Unternehmen nehme ab. Konjunkturexperten hoffen jetzt darauf, dass die gute Stimmung möglichst bald durch harte Fakten untermauert wird. Der Ifo-Geschäftsklimaindex, für den monatlich rund 7.000 Unternehmen befragt werden, stieg im Juni den Angaben zufolge von 84,2 Punkten im Mai auf 85,9 Punkte. Experten hatten lediglich einen Anstieg auf 85,3 Punkte erwartet. Damit stieg der Index auf den höchsten Stand seit November vergangenen Jahres, als er ebenfalls bei 85,9 Punkten notierte.

Der Teilindex zur Beurteilung der aktuellen Lage fiel allerdings weiter auf 82,4 Punkte, womit ein neues Allzeittief erreicht wurde. Im Mai hatte dieser Indikator bei 82,5 Zählern gelegen. Die Erwartungskomponente wurde auf 89,5 nach 86,0 Punkte im Mai beziffert. Nach dem sechsten Anstieg in Folge war dies der höchste Stand seit Juli 2008.

Jens-Oliver Niklasch, Ökonom der Landesbank Baden-Württemberg, warnte vor einer möglichen Erwartungsblase. "Die Gefahr, dass es sich beim Anstieg des Geschäftsklimas ähnlich wie 2002 um einen rein erwartungsgetriebenen Anstieg handelt, dem keine entsprechende Verbesserung der realwirtschaftlichen Lage folgt, ist noch recht groß", sagte er.

Der deutsche Aktienmarkt reagierte kaum auf die neuesten Ifo-Zahlen. "Lediglich ein weiterer Frühindikator, der für eine Erholung spricht", sagte ein Beobachter. "Was der Markt jetzt aber braucht, sind sich verbessernde realwirtschaftliche Kennzahlen, also harte Fakten", fügte er hinzu. Die weitere Aufhellung sei bereits "eingepreist".

Anzeichen für eine konjunkturelle Bodenbildung sieht auch das Bundesfinanzministerium. Die Schwächephase werde jedoch zunächst anhalten, heißt es in dem aktuellen Monatsbericht. Sowohl Unternehmen als auch private Haushalte beurteilten die wirtschaftlichen Perspektiven zunehmend weniger pessimistisch. Im zweiten Quartal setze sich der Abwärtstrend noch fort, wenn auch mit vermindertem Tempo. Vor allem die Industrie dürfte laut Ministerium im zweiten Quartal weiter schwächeln. Vorlaufende Indikatoren deuteten aber auf eine Stabilisierung der industriellen Aktivität im weiteren Jahresverlauf.

Ralf Beunink/ddp