Trotz der weltweiten Finanzmarktkrise und der Angst vor den Auswirkungen einer möglichen Rezession in den USA ist die Stimmung in der deutschen Wirtschaft besser als erwartet. Das wichtigste Stimmungsbarometer – der Ifo-Geschäftsklimaindex – ist im Februar den zweiten Monat in Folge entgegen den Erwartungen überraschend gestiegen.
Stimmung in der Wirtschaft besser als erwartet
Grund sei vor allem der starke Einzelhandel, der von einem anziehenden privaten Konsum profitiert. Insgesamt sei die deutsche Wirtschaft weiter in einer robusten Verfassung. Der Ifo-Geschäftsklimaindex erhöhte sich den Angaben zufolge von 103,4 im Januar auf nun 104,1 Punkte und damit zum zweiten Mal in Folge. Experten hatten hingegen im Durchschnitt einen Rückgang auf 102,8 Punkte erwartet. Von einer Trendwende wollten die Forscher dennoch nicht sprechen. "Nach unseren Regeln braucht es drei Anstiege, damit der Trend bestätigt wird", sagte Konjunkturexperte Gernot Nerb dem Sender Bloomberg TV. Bisher werde der Anstieg nur als eine vorübergehende Stabilisierung betrachtet.
Darauf deuten auch die einzelnen Komponenten des monatlich unter rund 7.000 Unternehmen erhobenen Indikators hin. Der Teilindex zur Beurteilung der aktuellen Geschäftslage erhöhte sich den Angaben zufolge deutlich auf 110,3 Punkte, im Januar hatte er bei 107,9 gelegen. Die Erwartungskomponente sei hingegen auf 98,2 Punkte gefallen, nachdem sie im Januar noch bei 99,0 Punkten gelegen hatte. Dies deute auf eine konjunkturelle Abkühlung im kommenden halben Jahr hin.
Nerb verwies darauf, dass der unerwartete Anstieg des Stimmungsbarometers vor allem auf dem starken Einzelhandel beruht habe. "Der Konsum scheint langsam auf Touren zu kommen", sagte er. Zudem laufe die Investitionsgüterbranche weiter rund, und die deutschen Exporte würden auch von den robust wachsenden Schwellenländern gestützt. Auswirkungen aus der weltweiten Kreditkrise seien bisher nicht festzustellen.
Bankvolkswirte zeigten sich äußerst überrascht von der abermaligen Aufhellung des Geschäftsklimas, zumal der Index der ZEW-Erwartungen zuletzt weiter gefallen war. Der abermalige Anstieg des Geschäftsklimas sei "überaus beachtlich", sagte Fabienne Riefer von Postbank Research. Sie verwies diesbezüglich vor allem auf das schwierige Umfeld wie die Rezessionssorgen in den USA, den starken Euro und den hohen Ölpreis. Dirk Schumacher von Goldman Sachs zeigte sich vor allem vom deutlichen Anstieg der Lagebeurteilung beeindruckt.
Skeptischer bewertete Jörg Angele von der BayernLB die Ifo-Zahlen. Er betonte, dass der Anstieg allein auf die "erdrutschartige" Stimmungsverbesserung im Einzelhandel zurückzuführen sei. Angesichts der sehr schwachen Entwicklung des privaten Konsums im vierten Quartal 2007 sei dies aber kurios. "Möglicherweise hofft der Einzelhandel, die sich in diesem Jahr abzeichnenden deutlichen Lohn- und Gehaltssteigerungen würden die Menschen zurück in die Geschäfte treiben", sagte Angele. Ob der private Konsum wirklich anzieht, darüber könnte der sogenannte Konsumklimaindex Aufschluss geben, den das Nürnberger Marktforschungsinstitut GfK am Mittwoch veröffentlicht.
ddp