Ifo-Index Stimmung in der deutschen Wirtschaft sinkt weiter

Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im November stärker als erwartet eingetrübt und ist auf den tiefsten Stand seit Februar 1993 gefallen.

Stimmung in der deutschen Wirtschaft sinkt weiter

Der Ifo-Geschäftsklimaindex sank von 90,2 Punkten im Oktober auf 85,8 Punkte, wie das Ifo-Institut mitteilte. Experten waren durchschnittlich lediglich von einem Rückgang auf 88,6 Punkte ausgegangen. Es ist die sechste Eintrübung in Folge.

Im Februar 1993 war ein Indexniveau von 84,9 Punkten verzeichnet worden. Deutschland steht angesichts des schlechten Ifo-Geschäftsklimaindex nach Einschätzung von Experten am Beginn einer scharfen Rezession. "Die Unternehmen sind erheblich unzufriedener mit ihrer momentanen Geschäftslage und rechnen zudem mit einer nochmals deutlich ungünstigeren Geschäftsentwicklung im kommenden halben Jahr", sagte Präsident des Ifo-Instituts, Hans-Werner Sinn. Insgesamt habe sich der konjunkturelle Abschwung verschärft und werde nun auch den Arbeitsmarkt erfassen.

Der Indikator zur Beurteilung der aktuellen Lage fiel nach Institutsangaben deutlich auf 94,8 Punkte, im Oktober hatte er bei 99,9 gelegen. Die Erwartungskomponente sank von 81,4 Punkten auf 77,6. Das war das niedrigste Niveau seit Beginn der Ifo-Erhebungen Anfang der 1990er Jahre.

IW-Prognose: Wirtschaft schrumpft 2009 um fast 0,5 Prozent

Nach Einschätzung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) wird sich die Wirtschaftsleistung im kommenden Jahr um fast 0,5 Prozent verringern. Die von dem Institut veröffentlichte Konjunkturumfrage habe gezeigt, "dass sich die Export- und auch die Investitionserwartungen merklich eingetrübt haben", erklärte IW-Direktor Michael Hüther. Anfang Oktober hatte das arbeitgebernahe Institut für 2009 noch ein Wachstum von 0,6 Prozent erwartet. Für das laufende Jahr erwartet das IW weiterhin ein Wachstum von 1,7 Prozent.

Nach IW-Angaben werden die Exporte 2009 ihren Vorjahreswert nicht erreichen. Die Unternehmen kürzten zudem im kommenden Jahr spürbar ihre Investitionsausgaben. Auf Basis der erwarteten Arbeitsmarktentwicklung werde auch der private Konsum in Mitleidenschaft gezogen. Dagegen stabilisierten die Einkommensentwicklung und die Entlastung durch eine deutlich niedrigere Inflationsrate als im Jahr 2008 die Entwicklung des Konsums.

Laut der Konjunkturprognose des IW blickten die Unternehmen in Deutschland "angesichts der Finanzmarktkrise und ihrer realwirtschaftlichen Folgen überwiegend pessimistisch in das Jahr 2009". Danach gingen fast 37 Prozent der Befragten von mehr als 1.800 Unternehmen von einem Produktionsrückgang im kommenden Jahr aus, während gut 24 Prozent mit besseren Geschäften rechneten.

Hüther forderte, konjunkturstabilisierende Maßnahmen müssten sich "an der allgemeinen Einkommensentwicklung ausrichten". Das Institut empfehle "eine spürbare, dauerhafte und zugleich schnell wirksame Senkung der Steuerlast". Dazu sollte zum Ersten der Solidaritätszuschlag sofort abgeschafft werden. Die Entlastung könne auf rund 12,5 Milliarden Euro beziffert werden. Zum Zweiten schlage das IW eine Minderung der hohen Grenzbelastung im unteren und mittleren Bereich der Einkommensteuer vor. Dies würde laut dem Institut einen Entlastungseffekt von weiteren zwölf Milliarden Euro mit sich bringen.

ddp