Zwar verbessert sich die Lage in den konsumnahen Gewerken durch den Rückgang der Inflation – die Erholung wird aber durch die Baukrise überschattet.

Insbesondere der schwache Wohnungsbau und die geringe Nachfrage aus der Industrie belasten auch dieses Jahr die wirtschaftliche Entwicklung im Handwerk. "Nach einem gedämpften Jahresstart ist auch über den Sommer 2024 keine deutliche Konjunkturbelebung im Handwerk absehbar", heißt es in der jüngsten Konjunkturumfrage des Handwerksverbandes. Positive Impulse kämen dagegen aus dem konsumnahen Handwerk. Aufgrund des großen Gewichtes der Bau- und Ausbauhandwerke am gesamten Handwerk sei insgesamt im Handwerk 2024 mit einem realen Umsatzminus zu rechnen.
Handwerkspräsident fordert Wachstumspaket
Angesichts solcher Prognosen fordert Handwerkspräsident Jörg Dittrich erneut ein Wachstumspaket, das auch den Mittelstand im Blick hat. "Der Handlungsdruck für die Politik hat in keinster Weise nachgelassen", sagte er gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Die Politik müsse endlich für bessere Standortbedingungen, für weniger Belastungen durch Bürokratie und für niedrigere Steuern und Abgaben sorgen. Dies müsse auch in den anstehenden Haushaltsverhandlungen beachtet werden.
Geschäftsklima im Gesamthandwerk im ersten Quartal gesunken
Wie der aktuelle Konjunkturbericht zeigt, berichten im ersten Quartal 2024 nur noch 43 Prozent der befragten Handwerksbetriebe von einer guten Geschäftslage. Vor Jahresfrist waren es noch 48 Prozent. Gleichzeitig hat die Zahl derjenigen, die ihre Situation als schlecht bezeichnen, auf 16 Prozent (Vorjahr: 13) zugenommen. Auch die Geschäftserwartungen deuten allenfalls auf eine "verhaltene Erholung im laufenden Quartal hin", heißt es beim ZDH. Entsprechend schwach bleibt laut auch die Investitionstätigkeit der Betriebe.
Konsumenten haben wieder mehr Geld in der Tasche
Schaut man die Entwicklungen in den einzelnen Gewerken an, ist die Entwicklung allerdings sehr unterschiedlich: Vor allem im Lebensmittelhandwerk hat sich das Geschäftsklima – als Indikator für die aktuelle Lage und die Erwartungen – deutlich verbessert. Grund dafür ist vor allem der Rückgang der Inflation und die Zunahme des verfügbaren Einkommens bei den Konsumenten. Dies gilt auch für die personenbezogenen Dienstleistungen.
Kfz-Gewerbe schaut optimistischer ins Jahr
Ein besseres Geschäftsklima verzeichnen auch die Gesundheitshandwerke und das Kfz-Gewerbe. Positiv gestimmt sind trotz Baukrise auch die E-Handwerke. Sie profitieren etwa von der starken Nachfrage nach PV-Anlagen und Speichern. Im Baugewerbe ist das Geschäftsklima weiter rückläufig, was sich hier auch auf die Beschäftigung auswirkt.
Weniger Beschäftigte im Handwerk erwartet
Insgesamt rechnet der ZDH mit Blick auf die Beschäftigung im Gesamthandwerk mit einem Rückgang von rund 1,5 Prozent im Jahr 2024. Als Grund nennt der Verband zum einen den allgemeinen Fachkräftemangel aufgrund der demografischen Entwicklung. Darüber hinaus seien zunehmende Betriebsschließungen in Folge der schwachen Wohnungsbauaktivitäten nicht auszuschließen.