Gefährliche Online-Schnäppchen Stiftung Warentest warnt vor Fake-Shops bei Amazon

Wer bei Amazon auf einen sogenannten Fake-Shop mit fiktiven Waren hereinfällt, sieht sein Geld in der Regel nicht wieder. Doch der Internethändler bekommt das Problem nicht in den Griff. Kriminelle sollen täglich sogar Waren im Wert von 500 Millionen Euro hochladen.

Wer bei Amazon auf einen sogenannten Fake-Shop hereinfällt, sieht sein Geld in der Regel nicht wieder, ganz zu Schweigen von der bestellten Ware. - © picture alliance/dpa-Zentralbild

Bei Amazon brummt das Geschäft. Rund 44 Millionen deutsche kaufen dort regelmäßig ein. Das entspricht fast drei Viertel der 60 Millionen deutschen Internet-Nutzer. Dabei bietet Amazon sowohl eigene Produkte an, als auch Artikel von fremden Verkäufern. Auf letzterer Plattform, dem Marketplace, gibt es jedoch nicht nur seriöse Angebote. Inzwischen findet man dort auch reichlich schwarze Schafe, wie die Stiftung Warentest und das Portal "heise online" nun herausgefunden haben. Fällt der Kunde auf die Masche herein, sieht er weder sein Geld noch die Ware .

Polizei ermittelt gegen die Täter

Die Polizei spricht inzwischen von einem "Massenphänomen". Nach "heise online" laden Kriminelle täglich fiktive Waren im Wert von 500 Millionen Euro hoch. Doch die Ermittlungen gegen die Täter erweisen sich als schwierig, denn d ie Polizei kann die Verbrecher kaum zurückverfolgen. Manche Shops bestehen nur wenige Stunden, andere mehrere Wochen. "Bei Amazon sieht man gerade eine Schwemme von Fake-Shops, die versuchen die Kunden abzuzocken", sagt Christian van de Sand von der Stiftung Warentest in der Fernsehsendung Stern TV vom 30. November. Zwar wurden bei einer großangelegten Durchsuchungsaktion Mitte November in Rumänien 74 Verdächtige festgenommen, die mit den Fake-Shops bei Amazon in Verbindung gebracht werden könnten. Gestoppt wurde die Masche dadurch allerdings nicht.

Bei einem Einkauf über einen Fake-Shop ist das Geld weg

Ein Testeinkauf von Stiftung Warentest zeigt: Der bestellte Kaffeevollautomat Melitta E970-205 für 317 Euro statt für mehr als 600 Euro kommt nie an, das Geld ist aber weg. Dabei wenden die Verkäufer einen ganz speziellen Trick an: "Die Kunden werden mit sehr günstigen Preisen angelockt, sollen dann aber nicht über den Amazon Warenkorb bestellen, sondern per Email und per Vorkasse bezahlen", erläutert van de Sand. Das funktioniert insofern, da sich der Onlinehändler für alle Verkäufe, die nicht über amazon.de erfolgen, nicht zuständig fühlt. Der Verkäuferschutz gilt nur für "offizielle Verkäufe" über den Amazon-Warenkorb. Opfer sollen sich stattdessen an die Polizei wenden.

Betrüger arbeiten mit Pishing-Mails

Normalerweise gelangen die Betrüger mit gut gemachten Phishing-Mails an die Zugangsdaten etablierter Händler. Anschließend laden sie in deren Namen Tausende Lock-Angebote hoch, die unbedarfte Käufer zu Zahlungen abseits der Amazon-Plattform verleiten sollen. "Manchmal laden die Betrüger 60.000 Artikel hoch, manchmal 120.000, manchmal über 200.000", berichtet ein "heise online"-Leser auf der Website. Der Durchschnittspreis der Lock-Angebote liegt laut dem Internetportal bei rund 500 Euro, der durchschnittliche Gesamtwert der Angebote pro gekapertem Shop bei 40 Millionen Euro. Im Schnitt sind nach "heise online" zwölf Fake-Shops pro Tag auf Amazon aktiv.

Auf was muss man beim Online-Einkauf achten?

Stiftung Wartentest appelliert vor allem an die eigene Vernunft: Wenn Artikel zu besonders günstigen Preisen angeboten werden, ist Skepsis gefragt. Ist es wirklich möglich, das Produkt zu diesem Preis zu verkaufen? Außerdem sollten Kunden niemals per Vorkasse bezahlen. Ein seriöser Shop bietet auch verschiedene Zahlungsmittel wie Lastschrift, Kreditkarte oder Paypal an. Verdächtig ist es immer, wenn der Händler verlangt, ihn per E-Mail zu kontaktieren und den Kauf nicht über den Amazon-Warenkorb abzuwickeln. Positive Bewertungen des Verkäufers sollen zwar Sicherheit geben, die Beiträge können aber auch gefälscht sein. Am besten googelt man den Shop. Gibt es Warnungen von anderen Nutzern, zum Beispiel in Online-Foren, heißt es: Finger weg. Überprüfen Sie auch das Impressum auf den Namen des Shop-Betreibers. Gegebenenfalls gibt auch die Verbraucherzentrale Auskunft, ob es mit einem Online-Shop schon einmal Probleme gab. aro

Was tun, wenn man bereits Opfer geworden ist?

  • Sollten Sie bereits Geld für Ihren Kauf überwiesen haben, informieren Sie sich umgehend bei Ihrer Bank, ob Sie die Zahlung rückgängig machen können. Dies ist innerhalb eines bestimmten Zeitraums in der Regel noch möglich. Bei anderen Zahlungsarten , wie zum Beispiel Bargeldtransfer, kontaktieren Sie sofort den Dienstleister und lassen ihn die Transaktion stoppen.
  • Sichern Sie alle Beweise für Ihren Online-Kauf: Ob Kaufvertrag, Bestellbestätigung oder E-Mails, bewahren Sie alle Belege für Ihren Kauf auf. Drucken Sie diese aus.
  • Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei: Mit den gesicherten Unterlagen sollten Sie sich möglichst sofort an die Polizei wenden und Strafanzeige erstatten. Auch wenn die strafrechtliche Verfolgung von derartigen Tätern schwierig ist, weil diese aus dem Ausland agieren, sollten Sie sich nicht von einer Anzeige abbringen lassen. Nur dann können Löschungen von Fake-Shops konsequent vorangetrieben werden. (Quelle: Stern TV )