Expertentipps Teil 1 Steuerstrategien zum Jahresende

Handwerker haben noch knapp zwei Monate Zeit, um im Steuerjahr 2011 ihre Steuerlast kräftig zu senken, um steuerliche Vergünstigungen einzufahren und um ihren Verpflichtungen betriebsprüfungssicher nachzukommen. Hier die 15 besten Steuerstrategien zum Jahresende für den betrieblichen und den privaten Bereich.

Bernhard Köstler

Steuerstrategien zum Jahresende

1. Rürup-Rentenvertrag: Frühere Auszahlung sichern
Handwerker, die Anfang nächsten Jahres einen Rürup-Vertrag abschließen wollen, sollten umdenken und den Vertragsabschluss noch 2011 unter Dach und Fach bringen. Denn bei Neuverträgen ab 1. Januar 2012 wird der frühestmögliche Auszahlungszeitpunkt vom derzeit 60. auf das 62. Lebensjahr angehoben.

DHZ-T ipp: Wer 2011 noch in einen Rürup-Vertrag abschließt und 3.000 Euro einbezahlt, darf sich nicht nur über die Auszahlung zum 60. Geburtstag, sondern zudem über einen Sonderausgabenabzug von 2.160 Euro freuen (3.000 Euro x 72 Prozent).

2. Antrag auf Stromsteuerentlastung
Bäckereien oder andere Handwerksbetriebe, die im Jahr 2010 einen sehr hohen Energie- und Stromverbrauch hatten, bekommen möglicherweise einen Teil der bezahlen Energie- und Stromsteuer zurück. Die Antragsformulare und Infoblätter gibt es unter zoll.de .

DHZ- T ipp: Der Antrag auf Stromsteuerentlastung für 2010 muss bis spätestens 31. Dezember 2011 bei dem zuständigen Hauptzollamt gestellt werden.

3. Verbindliche Auskunft: Abwarten bis 2012
Bei steuerlich komplizierten Sachverhalten bringt nur eine verbindliche Auskunft des Finanzamts Rechtssicherheit. Dumm nur, dass das Finanzamt für seine Mühen üppige Gebühren verlangt. Doch es gibt einen Ausweg.

DHZ-T ipp: Berechnet sich die Gebühr nach dem Gegenstandswert, gibt es eine gute Nachricht. Ab 2012 fällt für eine verbindliche Auskunft keine Gebühr mehr an, wenn der Gegenstandwert unter 10.000 Euro liegt. Dasselbe gilt, wenn eine Zeit-Gebühr fällig wird und das Finanzamt nicht länger als zwei Stunden für die Beantwortung benötigt. Abwarten lohnt sich also.

4. Verlustbescheinigung bei Bank beantragen
Hat ein Selbständiger aus privaten Kapitalanlagen Gewinne und Verluste bei einer Bank erzielt, saldiert die Bank diese und zahlt zu viel einbehaltene Abgeltungssteuer zurück.
Wurden Gewinn und Verlust bei verschiedenen Banken erzielt, kann nur das Finanzamt im Steuerbescheid die steuersparende Verrechnung vornehmen.

DHZ- T ipp: Damit das Finanzamt aber überhaupt eine Verlustverrechnung vornimmt, muss bei der Bank mit der Verlustkapitalanlage eine Verlustbescheinigung beantragt werden. Letzter Tag für die Beantragung ist der 15. Dezember 2011.

5. Einkaufstour: Clever planen
Selbständige, die für 2011 dringend noch Betriebsausgaben benötigen, sollten Gegenstände einkaufen, die höchstens 410 Euro netto kosten und selbständig – ohne andere Gegenstände – nutzungsfähig sind.

DHZ-T ipp: In diesem Fall winkt beim Betriebsausgabenabzug für Käufe 2011 der Sofortabzug für geringwertige Wirtschaftsgüter.

6. Freistellungsbescheinigung prüfen
Handwerker sollte ihre eigenen und die von Subunternehmern erhaltenen Freistellungsbescheinigungen zur Bauabzugssteuer prüfen. Denn viele dieser Bescheinigungen verlieren zum Jahreswechsel ihre Gültigkeit.

DHZ- T ipp: Verlieren Freistellungsaufträge ihre Gültigkeit, sollten bereits mehrere Wochen vor dem Jahreswechsel neue Bescheinigungen angefordert werden. Denn wer zu spät aktiv wird, riskiert, dass er wegen Urlaubszeit oder Arbeitsüberlastung in den Finanzämtern Anfang Januar mit einer ungültigen Freistellungsbescheinigung dasteht und schlimmstenfalls den Einbehalt der 15-prozentigen Bauabzugssteuer durch den Auftraggeber hinnehmen muss.

7. Mietverträge mit Verwandten anpassen
Ab 2012 erkennt das Finanzamt die Werbungskosten aus einer an Verwandte vermieteten Privatimmobilie nur dann in voller Höhe an, wenn die vereinbarte Miete mindestens 66 Prozent der ortsüblichen Miete beträgt.

DHZ- T ipp: Da die Grenze bisher bei 56 Prozent lag, müssen Mietverträge spätestens ab 1. Januar 2012 auf die 66-Prozent-Grenze angehoben werden, um keine Probleme beim Werbungskostenabzug zu bekommen.

8. Kindergeld für volljährige Kinder
Für volljährige Kinder, die sich noch in Ausbildung befinden oder studieren, erhalten Eltern bis zum 25. Lebensjahr Kindergeld, wenn die Einkünfte und Bezüge des Kindes nicht mehr als 8.004 Euro im Jahr betragen.

DHZ- T ipp: Ab 2012 interessieren die Einkünfte und Bezüge nicht mehr. Das Kindergeld wird dann unabhängig vom Verdienst des volljährigen Kindes ausbezahlt. Da im Jahr 2012 keine Ausgaben mehr benötigt werden, sollten alle Investitionen für das Kind noch 2011 getätigt werden, um unter die 8.004-Euro-Grenze zu rutschen und sich so auch das Kindergeld für 2011 zu sichern.

9. Umsatzhöhe beeinflussen
Liegt der Umsatz eines Handwerksbetriebs kurz vor Jahresende knapp unter 500.000 Euro, sollten neue Aufträge wenn möglich erst wieder im Jahr 2012 ausgeführt werden.

DHZ- T ipp: Bleibt der Umsatz bei maximal 500.000 Euro, profitiert das Unternehmen im Jahr 2012 bei der Umsatzsteuer von der Ist-Versteuerung. Die Umsatzsteuer wird erst dann fällig, wenn der Kunde seine Rechnung bezahlt hat und nicht bereits im Zeitpunkt der Zahlung.

10. Gutscheine anbieten
Viele Betriebe steigern ihren Umsatz im Weihnachtsgeschäft, in dem sie ihren Kunden auch Geschenkgutscheine anbieten. Der Trend, Gutscheine zu schenken, wird immer beliebter.

DHZ- T ipp: Für den Verkauf des Gutscheins wird übrigens keine Umsatzsteuer fällig, wenn sich der Inhaber des Gutscheins im gesamtem Waren- und Leistungssortiment bedienen kann. Die Umsatzsteuer wird dann erst bei Einlösung des Gutscheins fällig.

11. Schenken Sie mehrere tausend Euro – auf Kosten des Finanzamts
Geschenke an Geschäftspartner dürfen eigentlich nur bis zur Höhe von 35 Euro netto als Betriebsausgaben abgezogen werden. Doch die Deutsche Handwerks Zeitung hat ein Geschenk im Wert von mehreren tausend Euro, dass steuerlich anerkannt ist: Die Broschüre "Steuer-1x1 für Handwerksbetriebe: Vorsteuer und Umsatzsteuer". Ein Weihnachtsgeschenk, mit dem möglicherweise mehrere tausend Euro Steuernachzahlungen vermieden werden können.

Die Broschüre gibt es bei Holzmann Medien für 19,90 Euro unter holzmann-medienshop.de, ISBN: 978-3-7783-0790-8, Bestellnummer 1525.01

12. Ja-Wort
Wer bis 31. Dezember 2011 standesamtlich heiratet, sichert sich den günstigen Ehegattentarif und kann mehrere tausend Euro im Jahr Steuern sparen.

13. Kreditkarte
Ein Selbständiger, der seinen Gewinn nach der Einnahmen-Überschussrechnung ermittelt, kann bei Bezahlung betrieblicher Ausgaben mit Kreditkarte bis 31. Dezember 2011 die Aufwendungen noch als Betriebsausgaben für 2011 verbuchen, selbst wenn die Abbuchung erst im Januar 2012 erfolgt.

14. Vorauszahlungen
Unternehmer sollten ihren Gewinn schon heute bis zum Jahresende kalkulieren. Fällt das Ergebnis schlechter aus als erwartet, sollte bereits zum 10. Dezember 2011 die Herabsetzung der laufenden Einkommen- bzw. Körperschaftsteuervorauszahlungen beantragt werden.

15. Riester-Vertrag
Ist der Ehegatte eines Betriebsinhabers rentenversicherungspflichtig und schließt einen Riester-Vertrag ab, erhält der Selbständige einen abgeleisteten Zulagenanspruch. Schließt er 2011 einen Riester-Vertrag ab, erhält er die Grundzulage von 154 Euro und die Kinderzulagen von 185 Euro (bei Geburt ab 2008: 300 Euro).

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