Das Ende der Zettelwirtschaft: Steuererklärungen sollen künftig auch ohne Belege möglich sein und nur noch elektronisch übermittelt werden. Das sieht ein Maßnahmenpaket vor, das die Bundesregierung nun beschlossen hat.

Die Bürger brauchen künftig bei einer elektronischen Steuererklärung dem Finanzamt in der Regel keine Belege mehr vorzulegen. Nachweise zu Spenden oder Kapitalerträgen sollen von den Sachbearbeitern nur noch in Einzelfällen angefordert werden. Das zumindest sieht ein Gesetzentwurf vor, den die Bundesregierung nun beschlossen hat. Ziel ist es, das Besteuerungsverfahren in Deutschland zu vereinfachen und fit für das digitale Zeitalter zu machen.
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte 18 Monate mit den Ländern über die Reform verhandelt. Wenn Bundestag und Bundesrat im ersten Halbjahr des kommenden Jahres grünes Licht geben, sollen die neuen Regeln zum 1. Januar 2017 in Kraft treten. Komplett umgesetzt sein soll das Maßnahmenpaket aber erst im Jahr 2022.
Identität per elektronischem Personalausweis nachweisen
Die Masse der privaten Steuerzahler soll künftig zudem automatisch über das Internet ihren jährlichen Steuerbescheid erhalten, hieß es aus Kreisen des Bundesfinanzministeriums in Berlin. Das soll die überlasteten Steuerprüfer in den Finanzämtern entlasten. Sie sollen sich auf größere und komplizierte Fälle konzentrieren.
Ihre fertige Steuererklärung sollen die Bürger aus dem Elster-Portal der Finanzverwaltung im Internet herunterladen. Seine Identität kann der Steuerpflichtige per elektronischem Personalausweis oder über eine geplante Elster-App nachweisen.
Neue Abgabefristen für Steuerberater
Ein Pflicht für die elektronische Abwicklung der Steuerangelegenheiten wird es aber nicht geben. Wer dem Computersystem des Fiskus nicht traut, kann jederzeit mit einem Klick eine Prüfung durch einen Sachbearbeiter beantragen. Auch wird es Stichproben geben. Dazu wird ein Risikofilter entwickelt, der nach noch festzulegenden Kriterien anschlägt - dann greift sich ein Finanzbeamter die verdächtige Steuererklärung heraus.
Neu geregelt werden die Abgabefristen für Steuerberater. Die Profis bekommen zwei Monate mehr Zeit zur Bearbeitung der Erklärungen ihrer Mandanten - müssen aber ein Verspätungsgeld zahlen, wenn sie die Frist versäumen.
Der Gesetzesentwurf ist laut Bundesregierung ein Baustein auf dem Weg, das gesamte Besteuerungsverfahren weitgehend elektronisch abzuwickeln. dhz/ dpa