Für Selbstständige und Arbeitnehmer Steuer kompakt: 15 neue Steuertipps zu Corona

Zinslose Stundung wegen der Pandemie, ein Nein zur E-Bilanz und Erleichterungen beim Investitionsabzugsbetrag für Firmenwagen – es gibt einige Informationen, die Unternehmer und Arbeitnehmer kennen sollten. 

Praktische Tipps, wichtige Neuerungen und nützliches Know-how rund um das Thema Steuern in der Corona-Krise. - © chrupka - stock.adobe.com

1. Zinslose Stundung

Wegen des Corona-Lockdowns hat das Bundesfinanzministerium die Erleichterungen zur zinslosen Stundung für fällige Steuern verlängert. Die zinslose Stundung soll für Steuern, die eigentlich bis zum 30. Juni 2021 fällig werden würden, bis Ende September gewährt werden.

Voraussetzung: Der Steuerzahler kann plausibel nachweisen, dass er von der Corona-Krise finanziell negativ betroffen ist. Werden Ratenzahlungen vereinbart, kann die zinslose Stundung sogar bis Ende Dezember 2021 gewährt werden (BMF- Schreiben v. 18.03.2021).

2. E-Bilanz – nein danke

Sind Sie steuerlich nicht beraten und ermitteln den Gewinn mittels einer Bilanz? Dann dürften Sie wissen, wie kompliziert es ist, die elektronisch ans Finanzamt zu übermittelnde E-Bilanz zu erstellen. Das kann schon einige Zeit in Anspruch nehmen. In einem Urteilsfall wurde nun klargestellt, dass es die Möglichkeit gibt, sich von der Verpflichtung zur Übermittlung der E-Bilanz befreien zu lassen. Das funktioniert immer dann, wenn ein Handwerksbetrieb beim Finanzamt als Kleinstbetrieb erfasst ist und die Erstellung und Übermittlung der E-Bilanz einen unangemessenen zeitlichen und finanziellen Aufwand bedeuten würde. Für die Befreiung muss ein Antrag nach § 150 Abs. 8 Abgabenordnung gestellt werden (Finanzgericht Münster, Urteil v. 28.01.2021, Az. 5 K 436/20 AO).

3. Investitionsabzugsbetrag für Pkw

Planen Sie in den Jahren 2022 bis 2024 den Kauf eines neuen Firmenwagens für Ihren betrieblichen Fuhrpark? Dann profitieren Sie vielleicht vom Investitionsabzugsbetrag nach § 7g Abs. 1 Einkommensteuergesetz (EStG). Hier dürfen bereits im Jahr der Planung 50 Prozent der voraussichtlichen Netto-Investitionskosten als Betriebsausgabe abgezogen werden. Voraussetzung: Der Gewinn 2021 darf vor Abzug des Investitionsabzugsbetrags nicht mehr als 200.000 Euro betragen. Eine weitere Voraussetzung ist, dass der Pkw im Jahr des Kaufs und im Folgejahr mindestens zu 90 Prozent betrieblich genutzt wird. Manko bisher: Das Finanzamt forderte als Nachweis bislang ein Fahrtenbuch. Der Bundesfinanzhof kippte jedoch diese strenge Voraussetzung. Der Nachweis der mindestens 90-prozentigen betrieblichen Nutzung des Firmenwagens kann auch ohne Fahrtenbuch anhand aussagekräftiger Aufzeichnungen erbracht werden (BFH, Urteil v. 15.07.2020, Az. III R 62/19).

4. Sonderabschreibung für Pkw

Das unter Punkt 3 vorgestellte Urteil des Bundesfinanzfinanzhofs greift übrigens auch bei der Sonderabschreibung nach § 7g Abs. 5 EStG. Das bedeutet im Klartext: Erfüllen Sie die Voraussetzungen, können Sie neben der regulären Pkw-Abschreibung zusätzlich die 20-prozentige Sonderabschreibung bei Kauf eines Firmenwagens als Betriebsausgabe verbuchen. Sitzen Sie gerade an der Gewinnermittlung für 2020? Dann profitieren Sie, wenn der Gewinn im Vorjahr (also im Jahr 2019) nicht über 200.000 Euro lag und wenn Sie durch irgendwelche Aufzeichnungen nachweisen können, dass der Pkw im Kaufjahr 2020 und 2021 mindestens zu 90 Prozent betrieblich genutzt wird beziehungsweise wurde. Ein Fahrtenbuch ist auch hier nicht mehr notwendig.

5. Neuregelung beim Kauf von Computerhardware und Software

Kaufen Sie für Ihren Betrieb oder für Ihre Mitarbeiter im Homeoffice neue Computer, Laptops, Drucker oder Monitore und neue Software, profitieren Sie seit 1. Januar 2021 von einer neuen Steuervergünstigung. Für Computerhardware und Software kann eine einjährige Nutzungsdauer angenommen werden. Das bedeutet: Die Ausgaben sind im Jahr 2021 unabhängig von ihrer Höhe komplett als Betriebsausgaben abziehbar. Damit soll die Digitalisierung in Betrieben erleichtert werden. Es soll jedoch auch die Ausstattung der Mitarbeiter, die wegen Corona im Homeoffice arbeiten müssen, steuerlich erleichtert werden. Was genau als Computerhardware und Software begünstigt ist, verrät ein Schreiben des Bundesfinanzministeriums (BMF-Schreiben v. 26.02.2021, IV C 3 -S 2190/21/10002 :013).

6. Computerhardware und Software bei bereits getätigten Käufen im Jahr 2020

Haben Sie Computerhardware und Software bereits im Jahr 2020 gekauft, gilt die unter Punkt 5 vorgestellte Neuregelung leider noch nicht. Sie müssen für 2020 die Abschreibung mit einer Nutzungsdauer von drei Jahren ermitteln. Doch ärgern Sie sich nicht. Denn der im Jahr 2020 noch nicht abgeschriebene Restbuchwert kann im Jahr 2021 in voller Höhe den Betriebsausgaben 2021 zugeschlagen werden.

Beispiel: Sie haben im Dezember 2020 Computerhardware und Software für 9.000 Euro gekauft und davon im vergangenen Jahr nur einen Abschreibungsbetrag von 250 Euro als Betriebsausgaben abziehen dürfen (Kaufpreis 9.000 Euro: Nutzungsdauer
3 Jahre = 3.000 Euro x 1/12, weil der Kauf im Dezember 2020 stattfand). Die restlichen 8.750 Euro dürfen aufgrund der Neuregelung zur einjährigen Nutzungsdauer für Computerhardware und Software im Jahr 2021 als Betriebsausgaben von den Einnahmen 2021 abgezogen werden.

7. Aufrüstung elektronischer Kassen

Am 31. März 2021 ist eine wichtige Nichtbeanstandungsregelung ausgelaufen. Und zwar hätten Unternehmer, bei denen elektronische Kassensysteme zum Einsatz kommen, ihre Kassen bis zu diesem Zeitpunkt um eine zertifizierte technische Sicherheitseinrichtung (TSE) aufrüsten lassen müssen. Ist das bis zum 31.März 2021 nicht erfolgt, könnte das Finanzamt bei einer Kassen- beziehungsweise Betriebsprüfung die steuerliche Kassenführung als „nicht ordnungsmäßig“ einstufen. Fatale Folge: Zuschätzungen zum Umsatz und Gewinn und damit Steuernachzahlungen. Doch in einigen Bundesländern wurde wegen der speziellen Corona-Situation und wegen Problemen bei der technischen Umsetzung von cloud-basierten TSE-Lösungen die Nichtbeanstandungsregelung bis zum 30. September 2021 verlängert.

Betroffene Unternehmer müssen dazu aber einen Antrag stellen und ausführlich darlegen, warum es mit der Aufrüstung der Kassen in ihrem Unternehmen bis heute nicht geklappt hat.

8. Werklieferung neu definiert

Erbringen Sie im Rahmen von Bauleistungen Werklieferungen, kann das bei der Umsatzsteuer zu Besonderheiten führen (unter anderem Steuerschuldnerschaft nach § 13b Umsatzsteuer (USt), Zeitpunkt der Entstehung der Umsatzsteuer).

Doch aufgepasst: Die Definition zur Werklieferung aus umsatzsteuerlicher Sicht hat sich geändert (BMF-Schreiben v. 01.10.2020, III C 2 -S 7112/19/10001 :001, Abschnitt 3.8 Abs. 1 Umsatzsteuer-Anwendungserlass).

Eine Werklieferung liegt danach nur vor, wenn der Hersteller für das Werk „einen fremden“ Gegenstand bearbeitet und verarbeitet und dafür selbst beschaffte Stoffe verwendet, die nicht nur Zutaten oder sonstige Nebensachen sind. In einem neuen BMF-Schreiben wurde nun klargestellt, dass es nicht beanstandet wird, wenn bei Entstehung der Umsatzsteuer bis zum 30. Juni 2021 noch die alte Fassung des Abschnitts 3.8 Abs. 1 Satz 1 UStAE angewandt wird (BMF-Schreiben v. 11.03.2021, III C 2 -S 7112/19/10001 :001). Mit anderen Worten: Klären Sie vor dem 1. Juli 2021 zusammen mit Ihrem Steuerberater, ob die von Ihnen erbrachten Bauleistungen nun Werklieferungen oder sonstige Leistungen darstellen und passen Sie dementsprechend Ihre Rechnungsstellung an.

9. Homeoffice wegen Corona

Gute Nachricht für Ihre Mitarbeiter. Haben sich diese im Jahr 2020 eine Jahreskarte für öffentliche Verkehrsmittel gekauft, um damit 2020 in die Arbeit fahren zu können? Dann dürfen diese tatsächlichen Kosten für das Jahresticket in der Steuererklärung 2020 als Werbungskosten geltend gemacht werden, wenn die tatsächlichen Ticketkosten über der für 2020 ermittelten Entfernungspauschale liegen. Das ist meist der Fall, wenn die Mitarbeiter in 2020 die meiste Zeit im Homeoffice arbeiten mussten und kaum zur Arbeit gefahren sind (BMF, FAQ Corona Steuern). Das Finanzamt darf den Werbungskostenabzug für die Ticketkosten nicht mit dem Hinweis verweigern oder anteilig kürzen, dass es wohl ausschließlich für private Fahrten genutzt wurde.

Beispiel: Ein Arbeitnehmer hat im Januar 2020 für ein Jahres-Zugticket 1.300 Euro bezahlt. Aufgrund der Corona-Krise ist er 2020 nur an
50 Tagen zur Arbeit gefahren (Entfernung zwischen Wohnung und Arbeit einfach 60 Kilometer). Da die Entfernungspauschale nur 900 Euro betragen würde (50 Tage x 60 km x 0,30 Euro/km), dürfen 2020 die tatsächlichen Ticketkosten von 1.300 Euro als steuersparende Werbungskosten berücksichtigt werden.

10. Investitionsabzugsbetrag für Werkzeugformen

Stellen Sie Produkte für einen Kunden her und planen dafür die Herstellung von Spritzgussformen, winkt Ihnen hierfür möglicherweise der Investitionsabzugsbetrag nach § 7g Abs. 1 EStG. Sie können 50 Prozent der voraussichtlichen Kosten für die Herstellung der Spritzgussformen als Betriebsausgaben abziehen, wenn der Gewinn im Jahr der Planung vor Abzug des Investitionsabzugsbetrags nicht mehr als 200.000 Euro beträgt. Voraussetzung ist eigentlich auch, dass die Formen im Jahr des Kaufs und im Folgejahr in einer „inländischen Betriebsstätte“ Ihres Handwerksbetriebs zum Einsatz kommen. Doch was passiert, wenn die Spritzgussformen im Ausland bei einem Unternehmen gelagert und eingesetzt werden, das die Produkte für Sie herstellt? Erfreuliche Antwort des Bundesfinanzhofs: Es ist für den Abzug des Investitionsabzugsbetrags unschädlich, wenn die Formen im Ausland zum Einsatz kommen (BFH, Urteil v. 03.12.2020, Az. IV R 16/18).

11. Grunderwerbsteuer sparen

Kaufen Sie privat oder betrieblich eine Immobilie, müssen Sie als Nebenkosten die Grunderwerbsteuer einplanen. Bisher galt hier, dass vom Kaufpreis eine vorhandene Instandhaltungsrückstellung abgezogen werden darf und die Grunderwerbsteuer nur für den Restbetrag fällig wird, wenn die Instandhaltungsrückstellung laut einem Hinweis im Notarvertrag bei der Kaufpreisfindung eine Rolle gespielt hat. Beim Abzugsbetrag handelt es sich um Zahlungen, die der Eigentümer für spätere Reparaturen an den Hausverwalter bezahlt hat (Zahlungen in Instandhaltungsrücklage) und die noch nicht aufgebraucht sind. Der Bundesfinanzhof hat diese steuerzahlerfreundliche Regelung mit Urteil vom 16. September 2020 leider gekippt (Az. II R 49/17). Doch diese strengere Sichtweise des Bundesfinanzhofs gilt frühestens für Notarverträge, die einen Tag nach Veröffentlichung dieses Urteils im Bundessteuerblatt unterzeichnet werden (koordinierte Ländererlasse v. 19.03.2021).

12. Corona und Betriebsprüfung

Lehnt ein Prüfer des Finanzamts nach Abschluss seiner Prüfungshandlungen wegen der Corona-Kontaktbeschränkungen eine Schlussbesprechung im Rahmen eines persönlichen Zusammentreffens ab? Und bietet er dafür eine telefonische Schlussbesprechung an? Wenn ja, sollte die Chance auf diese telefonische Besprechung wahrgenommen werden. Denn wird die telefonische Schlussbesprechung abgelehnt, kann das Finanzamt von einem Verzicht auf eine Schlussbesprechung ausgehen und die Änderungsbescheide ohne vorherige Anhörung des Unternehmers verschicken (Finanzgericht Düsseldorf, Urteil v. 11.05.2020, Az. 3 V 1087/20 AE(AO)).

13. Ehegatten-Arbeitsverhältnis

Haben Sie Ihren Ehegatten im Handwerksbetrieb als Minijobber angestellt, wird das Finanzamt im Rahmen einer Betriebsprüfung ganz genau hinschauen, ob das Arbeitsverhältnis tatsächlich durchgeführt wird oder ob es nur auf dem Papier besteht, um damit Betriebsausgaben für Minijobgehalt und Pauschalabgaben zu sparen. Dabei verlangen die Prüfer des Finanzamts oftmals Stundenzettel. Doch der Bundesfinanzhof hat klargestellt, dass die Mitarbeit des angestellten Ehegatten auch ohne Stundenzettel nachgewiesen werden kann (BFH, Urteil v. 18.11.2020, Az. VI R 28/18).

14. Steuerfreie Corona-Prämie

Noch haben Arbeitgeber bis Ende Juni 2021 Zeit, die steuerfreie Corona-Prämie nach
§ 3 Nr. 11a EStG in Höhe von bis zu 1.500 Euro an ihre Mitarbeiter auszuzahlen. Eine wichtige Voraussetzung für die Steuerfreiheit ist, dass die Corona-Prämie zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn geleistet wird.

In der Praxis tauchte nun folgende Frage auf: Gilt die Corona-Prämie als zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn geleistet, wenn im Gegenzug durch den Arbeitnehmer in der Vergangenheit geleistete Überstunden gekürzt werden? Die Antwort auf die Frage lautet: Es kommt darauf an. Die Steuerfreiheit ist zu bejahen, wenn vor dem 1. März 2020 kein Anspruch auf eine Vergütung von Überstunden bestand (also lediglich die Möglichkeit des Freizeitausgleichs gegeben war). Verzichtet der Arbeitnehmer zugunsten einer Corona-Prämie auf einen Freizeitausgleich und werden die Überstunden gekürzt, steht der Steuerfreiheit nichts im Weg (BMF, FAQ Corona Steuern).

15. Entschädigung für Dienstausfall

Durfte ein Arbeitnehmer wegen einer angeordneten Corona-Quarantäne 2020 nicht zur Arbeit erscheinen und Sie haben Lohnsteuer ans Finanzamt abgeführt, kann es sein, dass die Lohnversteuerung zu Unrecht erfolgte. Und zwar dann, wenn Sie im Jahr 2021 hierfür eine Erstattung nach dem Infektionsschutzgesetz bekommen haben. In diesem Fall lag 2020 kein Arbeitslohn vor, sondern eine steuerfreie Entschädigung nach § 3 Nr. 25 EStG. Ist die Jahreslohnsteuerbescheinigung bereits ausgestellt, scheidet eine Änderung aus (§ 41c Abs. 3 EStG). Hier ist ein formloser Antrag ans Betriebsstätten-Finanzamt zu stellen. Die Änderungen (unter anderem Reduzierung des steuerpflichtigen Arbeitslohns) für 2020 teilt das Betriebsstätten-Finanzamt dann dem für den Mitarbeiter zuständigen Finanzamt mit. Gibt der Arbeitnehmer für 2020 eine Steuererklärung ab, muss er also nur einen geminderten Arbeitslohn versteuern und erhält gegebenenfalls die zu viel bezahlte Steuer erstattet.

Denkbar ist auch der umgekehrte Fall: Haben Sie 2020 die Lohnzahlung während einer Corona-Quarantäne steuerfrei behandelt und erhalten nun den Hinweis, dass es keine Erstattung nach dem Infektionsschutzgesetz gibt, müssen Sie diesen Sachverhalt auch dem Betriebsstätten-Finanzamt mitteilen. Das Finanzamt entscheidet dann, ob es sich die Steuern von Ihnen holt oder von Ihrem Arbeitnehmer.

Kammerbeiträge als Fixkosten förderfähig

Im Rahmen der „Überbrückungshilfe III“ sind Kammerbeiträge als betriebliche Fixkosten förderfähig. Allerdings nur unter ­bestimmten Voraussetzungen. So muss der Kammerbeitrag ­innerhalb des Förderzeitraums November 2020 bis Juni 2021 ­fällig werden. Ist das nicht der Fall, ist er komplett nicht förder­fähig – auch nicht anteilig. Gestundete Kammerbeiträge, die nun im Förderzeitraum fällig werden, können hingegen wiederum bezuschusst werden. 

Weitere Informationen dazu in den FAQ „Corona-Überbrückungshilfe III“ unter Punkt 2.4 „Welche Kosten sind förderfähig“ unter www.ueberbrueckungshilfe-unternehmen.de. dan