Aufgabenverteilung im Betrieb Stellvertreter: Vor- und Nachteile für den Co-Chef

An zweiter Stelle in einer Firma zu stehen, klingt nicht für jeden positiv. Doch die Position des Stellvertreters lässt sich nutzen. Statt nur die berufliche Ersatzbank zu sehen, gilt es die Chancen zu ergreifen.

Stellvertreter haben nicht immer eine einfache Position im Betrieb. Doch sie können sie selbst gestalten und für sich nutzen. - © contrastwerkstatt

In Firmen mit mehreren Hierarchieebenen müssen sich Mitarbeiter oft Stück für Stück nach oben vorarbeiten, wenn sie die Karriereleiter nach oben klettern wollen. Wer es einmal zum Stellvertreter geschafft hat, ist in einer scheinbar schwierigen Zwischenposition: nicht Chef, aber nahe dran; viel Verantwortung, aber trotzdem abhängig. Dabei lässt sich aus der Position des Stellvertreters viel machen.

Wichtige Voraussetzung: eine klare Rollenverteilung zwischen dem Chef und seinem Stellvertreter und klare Absprachen. Dazu rät Torsten Groth, Organisationsberater und Dozent am Wittener Institut für Familienunternehmen der Universität Witten/Herdecke. „Man muss seine Rolle zunächst für sich selbst klären, dann mit dem Vorgesetzten und mit dem Team“, sagt Groth. Seiner Ansicht nach müssen Chef und Stellvertreter nicht befreundet sein, dennoch sei ein offenes Arbeitsverhältnis sehr wichtig.

Stellvertreter: Rückversicherung, wenn der Chef ausfällt

Im besten Fall ergänzen sich die Talente der beiden, denn so wird auch einer Konkurrenzsituation vorgebeugt. „Das Original gibt es ja schon“, beschreibt Thomas Studer von der Unternehmensberatung Kienbaum, warum der Stellvertreter die Fähigkeiten des Chefs eher ergänzen soll statt ihnen eins zu eins zu entsprechen. Gut sei deshalb auch, wenn der Stellvertreter vom Persönlichkeitstypus ganz anders ist als der Vorgesetzte.

Dennoch sollte man als Stellvertreter darauf achten, dass man nicht die Rolle des ewigen Dauer-Assistenten bekommt. „Dieser Zustand ist sehr unbefriedigend“, sagt Torsten Groth. Auch aus Sicht von Christian Sauer stecken Stellvertreter manchmal in einem Dilemma: „Man wird nicht in alle Prozesse und Entscheidungen eingebunden, denn man ist eben nur der Zweite.“ Dafür bekomme man aber auch die Kritik nicht so direkt ab wie der Chef. Sauer ist Führungscoach in Hamburg und Autor eines Ratgebers zum Thema und sieht auch einige Chancen in der Rolle des Stellvertreters: „Man kann auch aus der zweiten Reihe eine starke Figur abgeben. Das hängt von der Person ab, wie sie sich verhält und wie sie die Rolle interpretiert.“ In der Regel sind Stellvertreter viel mehr als die Rückversicherung, wenn der Chef ausfällt.

Um im Fall einer Abwesenheit des Chefs bei allen wichtigen Fragen auf dem Laufenden zu sein, muss es regelmäßige Besprechungen des Führungsduos über die wichtigsten Anliegen geben. Beide müssen sich aber auch immer wieder die Zeit nehmen, um über ihre eigene Arbeit und ihr Zusammenwirken zu sprechen: So kann etwa der eine für die Repräsentation nach außen zuständig sein, während der andere im Betrieb die Fäden zieht. Oder einer ist für das Personal zuständig, während sich der andere um die Zahlen kümmert.

Stellvertreter: „Nicht jeder will Chef werden“

Doch die Experten warnen auch vor einer unangenehmen Sandwich-Position zwischen Team und Vorgesetztem, in die der Stellvertreter gelangen kann. Das ist dann der Fall, wenn ein Mitarbeiter lange in einer Firma ist, die Kollegen gut kennt und dann zum Stellvertreter aufsteigt. Er wird dann nicht selten zum ständigen Vermittler zwischen dem Chef und dem Team. Doch es koste zu viel Kraft, ständig und mit allen Seiten zu verhandeln.

Thomas Studer warnt zudem vor Schwierigkeiten, wenn jemand den Vize-Posten nur als Sprungbrett sieht, um selbst Chef zu werden. Das könne kontraproduktiv sein – für alle Beteiligten. „Man muss auch in der zweiten Reihe einen guten Job machen“, sagt Studer.

Doch wer als Stellvertreter erfolgreich ist, qualifiziert sich mitunter für die erste Reihe – wenn er denn will. „Nicht jeder will an die Spitze“, sagt Sauer und weist auch darauf hin, dass das auch die Unternehmen selbst so einplanen müssen. dpa/dhz