SPD-Generalsekretärin Nahles rügt "Selbstausrufung" - Steinmeier nimmt Steinbrück in Schutz Steinbrück bringt sich als Kanzlerkandidat ins Gespräch

Zweieinhalb Jahre vor der nächsten Bundestagswahl hat der frühere Bundesfinanzminister Peer Steinbrück öffentlich seine Bereitschaft zur Kanzlerkandidatur für die Sozialdemokraten signalisiert. "Der Zeitpunkt wird kommen, wo ich mich in Absprache mit zwei oder drei Führungspersönlichkeiten der SPD darüber zusammensetze", sagte er im Hessischen Rundfunk.

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Steinbrück bringt sich als Kanzlerkandidat ins Gespräch

Berlin (dapd). Zweieinhalb Jahre vor der nächsten Bundestagswahl hat der frühere Bundesfinanzminister Peer Steinbrück öffentlich seine Bereitschaft zur Kanzlerkandidatur für die Sozialdemokraten signalisiert. "Der Zeitpunkt wird kommen, wo ich mich in Absprache mit zwei oder drei Führungspersönlichkeiten der SPD darüber zusammensetze", sagte er im Hessischen Rundfunk. Die Äußerung löste prompt Kritik von Generalsekretärin Andrea Nahles aus. Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier verteidigte Steinbrück dagegen.

In der SPD wird bereits länger über mögliche Kanzlerkandidaten spekuliert. Neben Parteichef Sigmar Gabriel, Steinbrück und Steinmeier steht auch NRW-Regierungschefin Hannelore Kraft zur Diskussion. Eine Entscheidung in der K-Frage wird erst Ende 2012 oder Anfang 2013 erwartet. Die nächste Bundestagswahl ist regulär für Herbst 2013 angesetzt.

"Mit voller Kraft und mehr als 100 Prozent"

Steinbrück kündigte im "hr1-Talk" bei einer möglichen Kandidatur vollen Einsatz an. "Wenn Sie sich entscheiden, für so etwas zu kandidieren, dann mit voller Kraft und mehr als 100 Prozent. Wenn, dann wollen Sie gewinnen und zwar mit jeder Faser Ihres Körpers." Er hoffe im Übrigen, auch "ein guter Verlierer" sein zu können. Das könne er gut zu Hause üben, wo er seiner Frau regelmäßig beim Scrabble unterliege.

SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles rügte Steinbrück dafür, dass er öffentlich seine Bereitschaft zur Kanzlerkandidatur erklärte. "Selbstausrufungen sind in einer modernen demokratischen Partei wie der SPD aus der Mode gekommen", sagte Nahles dem "Tagesspiegel". Von Björn Böhning, Sprecher der SPD-Linken, kam ebenfalls Kritik. "Debatten um Kanzlerkandidaten bewegen nur die Zeitungen, aber sie bewegen die Menschen nicht", sagte er dem Blatt.

Der schleswig-holsteinische Landesvorsitzende Ralf Stegner nannte in der "Bild am Sonntag" Parteichef Gabriel, Steinmeier und Kraft als geeignete Kanzlerkandidaten. "Es ist jetzt überhaupt nicht die Zeit, sich selbst ins Gespräch zu bringen. Das entscheidet die SPD später", kritisierte der Partei-Linke.

"In beidem hat er Recht"

SPD-Fraktionschef Steinmeier nahm Steinbrück in der Zeitung im Schutz. "Ich habe zufällig genau hingehört, was Peer Steinbrück gesagt hat. Erstens: Irgendwann Ende 2012, Anfang 2013 werden wir uns zusammensetzen und einen Vorschlag machen. Zweitens: Der Vorgeschlagene muss es mit jeder Faser seines Körpers wollen. Und in beidem hat er Recht."

Gleichzeitig definierte Steinmeier, welche Eigenschaften der nächste Kanzlerkandidat haben muss. "Wer Kanzlerkandidat werden will, muss vor allem Politik können. Gute Persönlichkeitswerte sind kein Schaden, aber nicht die entscheidende Voraussetzung", sagte der SPD-Mann, der in Politiker-Rankings regelmäßig den Spitzenplatz belegt.

Hamburgs Erster Bürgermeister Olaf Scholz plädierte dafür, die K-Frage nicht zu früh zu entscheiden. Es gehe "um den richtigen Zeitpunkt", sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Es gebe "eine stattliche Anzahl von Personen mit SPD-Parteibuch", die für das Amt des Bundeskanzlers infrage kämen.

Scholz ruft SPD zu Seriosität auf

Scholz rief seine Partei zu Seriosität, Pragmatismus und einem wirtschaftsfreundlichen Kurs auf. Nur mit diesen klassischen Stärken, mit denen die Partei in Hamburg Erfolg gehabt habe, werde die SPD auch im Bund wieder für mehr Bürger wählbar werden.

Der stellvertretende Parteivorsitzende fügte hinzu: "Wenn die SPD sich zum Konzept der Volkspartei bekennt, bedeutet das, dass sie politische Vorstellungen entwickelt, die für die Mehrheit der Bürger richtig sind." Die Partei müsse sich zudem dazu bekennen, die wirtschaftliche Infrastruktur weiterzuentwickeln.

dapd