Der Bund der Vertriebenen wirft der polnischen Regierung mangelnden Willen zur Versöhnung vor. In Erinnerung an den vor 20 Jahren geschlossenen deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrag sagte Vertriebenenpräsidentin Erika Steinbach am Dienstag in Berlin, bei allen positiven Effekten, die dieser Vertrag bewirkt habe, dürften die Defizite nicht verschwiegen werden.
Steinbach beklagt mangelnden Versöhnungswillen in Warschau
Berlin (dapd). Der Bund der Vertriebenen wirft der polnischen Regierung mangelnden Willen zur Versöhnung vor. In Erinnerung an den vor 20 Jahren geschlossenen deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrag sagte Vertriebenenpräsidentin Erika Steinbach am Dienstag in Berlin, bei allen positiven Effekten, die dieser Vertrag bewirkt habe, dürften die Defizite nicht verschwiegen werden.
So sei es den Regierungen nahezu aller Länder, aus denen Deutsche nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges vertrieben wurden, inzwischen ein Anliegen, "gute Kontakte zu den Vertriebenen zu pflegen und das Unrecht, das ihnen zugefügt wurde, zu bedauern". Von einer solchen Haltung "und solchen tröstlichen Gesten" sei das offizielle Polen leider weit entfernt, beklagte Steinbach und fügte hinzu: "Es ist längst überfällig, dass auch aus Warschau den Vertriebenen Mitgefühl entgegengebracht wird und die Hände zur Versöhnung ausgestreckt werden."
Der deutsch-polnische Nachbarschaftsvertrag wurde am 17. Juni 1991 geschlossen, um die historische Versöhnung der Nachbarstaaten in einem friedlichen Europa zu befördern. Steinbach betonte, "der kleinen verbliebenen deutschen Volksgruppe im heutigen Polen und den vertriebenen Ost- und Westpreußen, Danzigern, Pommern, Ostbrandenburgern und Schlesiern sowie den deutschen Vertriebenen aus dem Polen der Zwischenkriegszeit" komme hierbei eine wichtige und unverzichtbare Aufgabe zu. Die insgesamt mehr als sechs Millionen Vertriebenen aus dem heute polnischen Bereich seien "die ganz natürliche Brücke zwischen Deutschland und Polen".
Sie hätten in den zurückliegenden 20 Jahren den Dialog mit den Menschen gesucht, die heute an ihrer Stelle in der Heimat lebten. Daraus seien dauerhafte Partnerschaften und Freundschaften erwachsen. So arbeiteten die landsmannschaftlichen Museen der Heimatvertriebenen in Deutschland eng mit polnischen Museen zusammen. Auf kulturellem Gebiet herrsche ein lebendiger und fruchtbarer Austausch. Auch auf kommunaler Ebene förderten immer häufiger polnische Stadtverwaltungen ganz selbstverständlich das Miteinander von Mensch zu Mensch und zeigten Mitgefühl. Ihnen allen ist sehr zu danken, sagte Steinbach und fügte an, es sollte gemeinsames Anliegen sein, den Weg zueinander auch auf Regierungsebene zu finden.
dapd
