2023 ist das Jahr der Zinswende. Das spürt auch der Mittelstand – noch stärker als in den Krisen der vergangenen Jahre. Das aktuelle KfW-Mittelstandspanel zeigt, wie robust der deutsche Mittelstand bislang war und dass die Investitionen bald sinken könnten.
"Die Zinswende hinterlässt Spuren", bestätigte die Chefvolkswirtin der KfW Bankengruppe, Fritzi Köhler-Geib, mit Blick auf die steigenden Kredithürden für kleine und mittlere Unternehmen. Diese empfinden die angebotenen Kreditzinsen zunehmend als sehr hoch und die Banken als sehr restriktiv in den Kreditverhandlungen. Diese verschlechterte Finanzierungssituation dürfte sich auch auf die Investitionstätigkeit der Unternehmen auswirken.
Zwar hat der Mittelstand die vergangenen Krisen bisher sehr gut gemeistert und ist nach Angaben der KfW mit nur wenigen Blessuren durch die wirtschaftlich sehr schwierigen Jahre gekommen. Doch das könnte sich jetzt ändern, wie eine repräsentative Befragung von Unternehmen aller Wirtschaftszweige mit einem Jahresumsatz von bis zu 500 Millionen Euro zeigt. Laut KfW-Mittelstandspanel hat die Energiekrise die Stimmung der Unternehmen zunächst weniger getrübt hat als die nun schlechteren Finanzierungsmöglichkeiten.
KfW-Mittelstandspanel: Zinswende dämpft die Stimmung
Fritzi Köhler-Geib erläuterte bei der Vorstellung der aktuellen Auswertung, dass der Mittelstand – vor allem das verarbeitende Gewerbe – im Jahr 2022 sogar noch investitionsfreudiger war als in den Vorjahren, obwohl die Aussichten wegen der hohen Energiekosten nicht gerade rosig waren. So stiegen 2022 die Umsätze der KMU um 16 Prozent und die Investitionen um 15 Prozent. Vor allem größere Unternehmen konnten die gestiegenen Kosten an ihre Kunden weitergeben.
Doch im Laufe des Jahres 2023 trübten die insgesamt steigenden Kosten dann auch die Stimmung der Firmen. So haben diese laut KfW im ersten Halbjahr zwar noch investiert, doch der Ertrag ist gesunken – und damit auch die Umsatzerwartungen. "Da die Zinsen nun so stark steigen, steht es in Frage, was mit den Investitionen geschieht", erklärte die Chefvolkswirtin. So weist das Mittelstandspanel darauf hin, dass die Kreditablehnungsquote der Banken im Jahr 2022 auf einen historischen Tiefstand gesunken ist. So sei der Zugang zu Kreditfinanzierungen spürbar schwieriger geworden und das hohe Zinsniveau mache den mittelständischen Unternehmen zu schaffen. "Für das Jahr 2023 ist allerdings eine Trendwende absehbar", heißt es in der Zusammenfassung der aktuellen Panel-Ergebnisse.
Trotz der trüben Aussichten lobte die KfW die kleinen und vor allem mittleren Unternehmen für ihre noch immer gute Eigenkapitalversorgung. jtw
>>> Detaillierte Ergebnisse des KfW-Mittelstandspanels gibt es hier zum Nachlesen.
