Angesichts steigender Energie- und Lebensmittelpreise mahnen Wirtschaftsvertreter Änderungen auf dem deutschen Energiemarkt an. Gleichzeitig stimmen sie die Verbraucher auf weitere Preiserhöhungen ein.
Steigende Energiepreise belasten die Wirtschaft
So könnten die Preise für ein Päckchen Margarine und einen Kasten Bier jeweils um 30 Cent steigen.
Der Präsident des Deutschen Brauer-Bundes, Wolfgang Burgard, betont, Lebensmittel seien zum Leben und nicht zur Energieproduktion vorgesehen. Die derzeitigen massiven Subventionen für Biokraftstoffe heizten die Nutzungskonkurrenz auf den landwirtschaftlichen Flächen jedoch an.
Der Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft, Mario Ohoven, spricht sich für eine Trennung von Stromproduktion und -netzen aus. Nur dadurch ließen sich die Strompreise reduzieren, sagte er zur Begründung. Um die Kosten für Energie zu senken sei zudem eine Reduzierung von Steuern und Abgaben auf Strom erforderlich, sagt Ohoven. Diese machten inzwischen 40 Prozent des Strompreises aus.
Über Steuersätze bei Kraftstoff und Energie nachdenken
Unterstützung erhält Ohoven vom Vorstandschef des Marktforschungsunternehmens GfK, Klaus Wübbenhorst. In der "Berliner Zeitung" empfiehlt der Wissenschaftler, über die Steuersätze bei Energie- und Kraftstoffen nachzudenken. Man müsse sich schon die Frage stellen, ob der Staat immer den gleichen Prozentsatz bekommen solle, gleichgültig ob der Spritpreis nun 1,20, oder 1,60 Euro betrage.
Der Vorsitzende des Bundes der Energieverbraucher, Aribert Peters, hält hingegen nichts von einer Senkung der Steuern und Abgaben. "Verbraucher bekämen signalisiert, dass es mit den Energiepreisen doch nicht so schlimm ist und dass der Staat den Preisanstieg bremsen kann." Zudem könne der Staat die "riesigen Einnahmeausfälle" nicht verkraften.
Existenz der mittelständischen Wirtschaft gefährdet
Nach Ohovens Ansicht sind die hohen Energiepreise bereits zum Existenzproblem für die mittelständische Wirtschaft geworden. Bei einer Umfrage seines Verbandes habe jedes vierte Unternehmen angegeben, dass sich die Energiekosten gegenüber dem ersten Halbjahr 2007 um mehr als 20 Prozent erhöht hätten. Bei 42 Prozent der Unternehmen lagen die Kostensteigerungen zwischen 10 und 20 Prozent. Dadurch könnten kurzfristig 200.000 Arbeitsplätze vernichtet werden, warnte Ohoven.
Für die Zukunft rechnen Ohoven und Peters mit weiteren "exorbitanten" Energiepreisanstiegen. Allein in diesem Jahr müssten sich die deutschen Haushalte in Folge der gestiegenen Energiepreise mit Mehrkosten von 300 Euro einstellen, sagt Peters.
Michael Bräuninger vom Hamburgischen Weltwirtschaftsinstitut (HWWI) verweist darauf, dass es durch die hohen Energiepreise jedoch auch Gewinner gebe. Dazu gehörten die Hersteller alternativer Energieanlagen und Maschinenbauer, die energiesparsame Anlagen herstellten.
Tonia Haag/ddp