Seltenes Handwerk Holger Schwesinger formt Figuren aus Ziehpappe

Als Einzige seiner Zunft beherrscht Holger Schwesinger ein seltenes Handwerk. Aus einer speziellen Ziehpappe entstehen in seiner Spielzeugmanufaktur Figuren, die in Amerika, der Schweiz, Österreich und natürlich auch in Deutschland heiß begehrt sind.

Doreen Fischer

Holger Schwesinger in seiner Werkstatt im südthüringischen Seltendorf. - © Foto: Doreen Fischer

Es ist ein aufwändiger Prozess, bis aus einer normal anmutenden Papptafel schließlich Schachteln für Juweliere, Osterhasen oder Spielzeuge werden. Bei den einzelnen Arbeitsschritten lässt sich der Spielwarenhersteller aus Seltendorf in Südthüringen gerne über die Schulter schauen. Beispielsweise, wenn er die Pappstücke zuschneidet und in Metallformen prägt. Auch wie er die dabei entstandenen Hälften mit einer Heftmaschine zusammenfügt und später das Ganze verrändelt, zeigt er gerne.

Betriebsgeheimnis

Doch einige Geheimnisse, die will er keinesfalls lüften. Zum Beispiel verrät der Experte nicht, womit das einfache Grundmaterial vorbehandelt wird, damit es später eine derart haltbare Form ergibt.

Über Generationen hinweg wurde das Wissen um die Herstellung von Figuren aus Ziehpappe in der Handwerkerfamilie weitergereicht. Und hätte Walter Schwesinger, der Großvater von Holger, nicht nach seinem Eintritt ins Rentenalter daheim wieder die Produktion aufgenommen – wer weiß, ob es dieses uralte Handwerk heute noch gäbe.

Bunt bemalte Figuren, die aus Ziehpappe entstanden sind. - © Foto: Doreen Fischer
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Grund dafür war die bewegte Geschichte zu DDR-Zeiten, als die Hersteller solch geprägter Pappfiguren in die neu gegründete PGH (Produktionsgenossenschaft Handwerk) eintreten und damit ihre Fabrikation auslagern mussten.

Sortiment erweitert

Zwischenzeitlich führten die Eltern von Holger Schwesinger nebenbei das Gewerbe fort, bis der heutige Inhaber seine Lehre beendet hatte. Mit einem Abschluss als Kaufmann in der Tasche übernahm der Sohn das Erbe seiner Vorfahren. „Ich kann damit meinen Lebensunterhalt verdienen. Aber viel Freizeit bleibt mir nicht“, sagt der 34-Jährige.

Während früher vorwiegend ganze Spielzeuge aus dem Material hergestellt wurden, hat sich Holger Schwesinger inzwischen auch Nischen erobert. Schutzecken für die Polsterindustrie, Gelenkpfannen für Puppenkörper, Aufhänger für Weihnachtsbaumkugeln – das Sortiment kann sich sehen lassen.

Dennoch gilt die große Liebe von Holger Schwesinger eben jenen Spielzeugen, die schon sein Urgroßvater Albin Fischer hergestellt hatte. Im Jahr 1911 hatte dieser mit der Produktion im eigenen Haus begonnen. Damals war die Region um Sonneberg und Neustadt prädestiniert für die geprägten Pappfiguren. Heute lebt das Handwerk, das übrigens nicht mit dem Herstellen von Figuren aus Pappmaché zu verwechseln ist, nur noch durch den Seltendorfer Unternehmer fort.