Eigentümer, die ihre Wohnhäuser energetisch sanieren, können theoretisch am Emissionshandel teilnehmen und die eingesparten Mengen an Kohlendioxid in bare Münze umwandeln. Erreicht haben das die hessischen Schornsteinfeger, deren Projekt nach zweijährigem Genehmigungsverfahren von der Deutschen Emissionshandelsstelle bewilligt wurde.
Ulrich Steudel
Praktisch umsetzen lässt sich das Vorhaben zurzeit allerdings nicht. Dafür gibt es zwei Gründe: Zum einen gilt die Genehmigung nur für die laufende Handelsperiode, die Ende dieses Jahres ausläuft. Damit bleibt nicht genug Zeit, um die nötigen CO2-Mengen zusammenzubekommen. Zum anderen ist der Preis pro Tonne Kohlendioxid in den vergangenen zwei Jahren extrem gefallen.
Drastischer Preissturz
Wurde die Tonne CO2 Mitte 2010 noch für rund 13 Euro gehandelt, so werden gegenwärtig weniger als vier Euro gezahlt. Auch wenn in Deutschland die Wirtschaft brummt, anderswo in Europa hat die lahmende Konjunktur zu einem Rückgang der energieintensiven Industrieproduktion und damit zu sinkenden CO2-Emissionen geführt. In der Folge ist der Emissionshandel nahezu zum Erliegen gekommen.
Trotzdem freuen sich die Verantwortlichen vom Landesinnungsverband der Schornsteinfeger Hessen über ihren Erfolg. „Wir haben bewiesen, dass unser Projekt genehmigungsfähig ist. Es ist ein Etappensieg auf einem nicht absehbaren Weg“, kommentiert Alexander Prinz, der das Projekt als technischer Berater von Beginn an begleitet hat.
Anreize zum Energiesparen
Mit dem Projekt „Emissionshandel durch Schornsteinfeger für energetische Verbesserungen in Anlagetechnik und Gebäudehülle“ – kurz EmSAG – möchten die Schornsteinfeger einen Beitrag zum Umweltschutz leisten. „Wir haben die Idee des Emissionshandels für private Haushalte entwickelt, um noch mehr Anreize zum Energiesparen zu schaffen“, sagt Landesinnungsmeister Hans-Werner Schech. Da immer mehr Eigentümer ihre Häuser dämmen und in neue Heiztechnik investieren, wandern immer weniger Schadstoffe durch den Schornstein. Wenn die eingesparten Schadstoffmengen zusammengefasst werden, könnte man damit am Emissionshandel teilnehmen. Die Mindestmenge beträgt 20.000 Tonnen.
Bei einem Modellversuch zwischen 2008 und 2010, an dem sich 197 Hauseigentümer und 42 Schornsteinfeger mit Zusatzausbildung zum Gebäudeenergieberater beteiligt hatten, war die handelbare Schadstoffmenge jedoch noch weit unter dieser Marke geblieben. Es konnte lediglich eine jährliche CO2-Einsparung von rund 2.500 Tonnen erzielt werden. Nach Abzug der Einsparungen durch geförderte Sanierungen, die vom Emissionshandel ausgeschlossen sind, wäre schließlich eine Menge von 1.200 Tonnen übrig geblieben.
Großes Potenzial
Trotz dieser bescheidenen Anfänge sehen die Schornsteinfeger großes Potenzial in ihrem Projekt. Im Jahr 2008 wurden nach Angaben des Umweltbundesamtes von deutschen Haushalten immerhin 151 Millionen Tonnen CO2 in die Luft gepustet (inklusive Fernwärme). Damit haben die Wohnhäuser mehr CO2 emittiert als der Verkehr (145 Millionen Tonnen). An den Gesamtemissionen von 834 Millionen Tonnen haben die Haushalte einen Anteil von 18,1 Prozent.
Wenn es gelingt, das riesige Einsparpotenzial auszuschöpfen und für den Emissionshandel zu bündeln, dann könnte EmSAG vielleicht doch noch Realität werden, hoffen die Schornsteinfeger. „Wir haben jedenfalls die rechtlichen Grundlagen für einen Handel mit CO2-Zertifikaten durch Gebäudesanierungen geschaffen“, sagt Harry Kieper, Vorstand Technik im hessischen Landesinnungsverband.
