Oldtimer werden zu einem immer wichtigeren Umsatzfaktor für das Kfz-Gewerbe. Ihre Besitzer geben mehr als 1.400 Euro pro Jahr für Reparatur und Wartung aus. Laut DAT-Report 2013, der alljährlichen Analyse des Kfz-Marktes, ist "in dieser Nische mit einem wachsenden Markt zu rechnen".
Ulrich Steudel

Allein in den vergangenen beiden Jahren ist die Zahl an Old- und Youngtimern – also Fahrzeugen, die älter als 30 bzw. zwischen 20 und 30 Jahren alt sind – um rund eine halbe Million auf reichlich 2.170.000 gestiegen. Bereits der DAT-Report 2011, der erstmals den Markt an historischen Fahrzeugen untersuchte, errechnete ein Umsatzvolumen von 750 Millionen Euro für Reparatur- und Wartungsarbeiten. Selbst wann davon auszugehen ist, dass ein erheblicher Teil der Arbeiten von den Liebhabern im Do-it-yourself-Verfahren erledigt wird, bleibt ein beachtlicher Betrag für die Fachwerkstätten des Kfz-Gewerbes übrig.
Schon 450 "Fachbetriebe für historische Fahrzeuge"

Die Anforderungen an die Betriebe für den Service an klassischen Autos sind allerdings hoch. "Es kommt auf spezielle Kenntnisse und Fähigkeiten an, gepaart mit Erfahrung, die nicht in jedem Kfz-Betrieb vorhanden sind", gibt selbst der Präsident des Zentralverbandes des deutschen Kfz-Gewerbes (ZDK), Robert Rademacher, zu. Der Verband hat Standards festgelegt, nach denen sich Unternehmen der Branche als "Fachbetrieb für historische Fahrzeuge" zertifizieren lassen können. Bundesweit haben inzwischen rund 450 Kfz-Betriebe diese Standards erfüllt, deren Einhaltung von etwa 50 eigens geschulten Sachverständigen überprüft wird.
Darüber hinaus setzt sich der ZDK für den Erhalt des Wissens über die historischen Fahrzeuge ein. Inzwischen nehmen rund 60 junge Kfz-Mechatroniker am Pilotprojekt "Zusatzqualifikation für Old- und Youngtimertechnik" teil. "Damit wollen wir die junge Generation unserer angehenden Fachkräfte fit machen für das Zukunftsgeschäft mit dem Kulturgut klassischer Automobile", sagt Verbandschef Rademacher.
DAT-Report: Zahlungskräftige Kundengruppe
Mit den Besitzern von Young- und Oldtimern gewinnt das Kfz-Gewerbe eine besonders solvente Kundengruppe. Rund 70 Prozent der Liebhaber historischer Fahrzeuge sind Männer, die zum überwiegenden Teil über 50 Jahre alt sind. Wie der DAT-Report 2011 bei einer Umfrage herausfand, verfügen mehr als die Hälfte der Halter von Oldtimern über ein Haushaltsnettoeinkommen von mehr als 2.500 Euro.
Seite 2: Oldtimer profitieren von der Flucht in Sachwerte
Zudem gewinnen Oldtimer als Wertanlage immer mehr an Bedeutung. Wie Immobilien profitieren sie von der Flucht in Sachwerte. Zwar hat sich die Wertentwicklung historischer Kraftfahrzeuge im vergangenen Jahr verlangsamt. 2012 ist der Deutsche Oldtimer Index nur um moderate 4,2 Prozent gestiegen, während er im Vorjahr noch um 9,3 Prozent zulegte, meldet der Verband der Automobilindustrie (VDA), der den Index herausgibt.
Oldtimer mit besserer Wertentwicklung als Aktien
Trotzdem ist davon auszugehen, dass historische Fahrzeuge eine gute Geldanlage bleiben. Der Oldtimerindex der Südwestbank (OTX), der die Wertentwicklung süddeutscher Autoklassiker mit anderen Anlageformen vergleicht, bestätigt das. Seit 2005 hat der OTX um 107,1 Prozent zugelegt, der DAX dagegen nur um 78,9 Prozent. Wer einen BMW der Modelle 503, 507 oder 3200 CS sein Eigen nennt, hat seinen Wert sogar um 175, 17 Prozent gesteigert.
VW Käfer text 1Aber selbst viele frühere Großserienmodelle wie der VW Käfer, immer noch der mit Abstand beliebteste Oldtimer unter deutschen Autofahrern, oder der Renault R16 haben eine deutliche Wertsteigerung erfahren, meldet der VDA, dessen Oldtimer Index die Preisentwicklung von 88 unterschiedlichen Fahrzeugtypen berücksichtigt.
VW Käfer mit größter Wertsteigerung
Den stärksten Wertzuwachs in den vergangenen zwölf Monaten verbuchte im Deutschen Oldtimer Index der VW Käfer 1300 der Baujahre 1967 bis 1973, gefolgt vom Chevrolet Camaro, der von 1978 bis 1981 gebaut wurde. Auf Platz drei folgt der Sportwagen Alpine A110, besser bekannt als Renault Alpine.
