Die Fußgänger- und Radwegbrücke "Blaue Welle" in Flöha und die Eisenbahnbrücke Scherkondetal im Weimarer Land sind mit dem Deutschen Brückenbaupreis 2012 ausgezeichnet worden. Aber was wäre alle Ingenieurskunst ohne das Handwerk. Ein Besuch in Flöha.
Katrin Hilbert und Ulrich Steudel

Jogger, Radfahrer, spazierende Rentner, Eilige auf dem Weg zur Arbeit und Mütter mit Kinderwagen – sie alle freuen sich über die neue Fußgänger- und Radwegbrücke in Flöha. Die 110 Meter lange Brücke bindet vom Bahnhof aus ein Erholungsgebiet an das Stadtzentrum an. S-förmig schlängelt sie sich über die B 173 und die Gleise der Erzgebirgsbahn. Die 1,7 Millionen Euro teure "Blaue Welle" wurde mit dem Deutschen Brückenbaupreis 2012 in der Kategorie „Fuß- und Radwegbrücken“ ausgezeichnet. Als Projektleiter konnte Frank Ehrlicher den Preis am 12. März vor rund 1300 Gästen im Audimax der TU Dresden entgegennehmen.
Ohne Handwerker keine Ingenieurskunst
Stolz können aber auch Dirk Berger, Geschäftsführer der Bau Berger GmbH aus Niederwiesa und sein Team sein. Sie haben sämtliche Ingenieurbau- und Stahlbetonarbeiten ausgeführt. „Diese Brücke war schon eine Herausforderung. Um sie nicht zu steil zu bauen und Schwingungen abzufangen, mussten wir eine Art Serpentine umsetzen, eine S-förmige Welle. Das stellt ganz besondere Anforderungen, auch an uns erfahrene Bauleute.“
Wegen des Farbanstrichs und der Linienführung hatte die Brücke schnell ihren Namen weg. Nun gibt es in Sachsen neben dem "Blauen Wunder" in Dresden auch noch die "Blaue Welle" von Flöha.
Dezente Beleuchtung unterstreicht Linienführung
Zum Gelingen trug übrigens noch ein weiterer Handwerksbetrieb aus der Region bei: Die Elektro-Krause GmbH aus Flöha brachte die im Handlauf des Geländers integrierte LED-Beleuchtung an. Bei Dunkelheit bringt sie das Bauwerk zum Strahlen, was die geschwungene Linienführung optisch unterstreicht.
"Es ist die perfekte blaue Welle", lobte Jens Karstedt, Präsident der Bundesingenieurkammer zur Preisverleihung sowohl Architekten als auch die Bauhandwerker.
Schlanke Brücke für schnelle Bahn
Der Preis in der Kategorie „Straßen- und Eisenbahnbrücken“ ging an die Scherkondetalbrücke, die im Zuge der Neubaustrecke Erfurt – Leipzig/Halle von der Deutschen Bahn gebaut wurde. Durch die semi-integrale Bauweise wurde es möglich, trotz der enormen Länge von 576,5 Metern eine hohe gestalterische Qualität zu gewährleisten. "Es gab noch nie eine so schlanke Brücke im Hochgeschwindigkeitsverkehr der Bahn", lobte die Jury.
Der Deutsche Brückenbaupreis wird von der Bundesingenieurkammer und dem Verband Beratender Ingenieure alle zwei Jahre vergeben, um den Beitrag der Ingenieure zur Baukultur in der Königsdisziplin des Ingenieurbaus zu würdigen. Für den Preis 2012 waren 37 Bewerbungen eingegangen, von denen jeweils drei pro Kategorie von der Jury nominiert wurden.