Ein Facelift mit Überraschungen: Iveco bietet im neuen Daily mit 205 PS und Doppel-Turbo den stärksten Antrieb bei leichten Nutzfahrzeugen. Kein anderer Transporter auf dem europäischen Markt kann mehr Muskeln spielen lassen als der neue Daily.
Robert Domina
Im Gewichtssegment über 3,5 t ist der Iveco Daily schon immer der Platzhirsch gewesen. Bis 3,5 t schätzt die Kundschaft seine Robustheit. Bei manchen Modellen drückt sie zwar gehörig auf die Nutzlast. Dennoch ist der Daily berühmt für ein langlebiges Chassis und einen zuverlässigen Antriebsstrang.
Hohe Leistung bei niedrigen Drehzahlen
Die Umstellung auf Euro 5 wurde als Trainingsprogramm für die Motoren genutzt. Stärkstes Triebwerk ist jetzt der drei Liter große Vierzylinder. Mit 150 kW oder 205 PS und einem Drehmoment von 470 Nm ist dieser Motor der derzeit stärkste Transporter-Motor auf dem Markt. Beatmet wird er über einen Doppel-Turbo: Ein kleines Gebläse drückt schon bei niedrigen Drehzahlen viel Luft in die Brennräume – entsprechend viel Einspritzmenge verträgt der großvolumige Motor und entsprechend hoch ist das Leistungsangebot bei niedrigen Drehzahlen.
Im Hochleistungsbereich übernimmt dann ein größerer Lader die Beatmung. Er kommt ohne Wastegate aus und steigert abermals den thermischen Wirkungsgrad des Motors. Zusammen mit dem weit spreizenden Sechsgang-Getriebe ergibt sich ein Antriebsstrang, der im Normalfall mit extrem wenig Drehzahl und damit wenig Verbrauch auskommt. Eine echte Empfehlung kann diese Motorisierung jedoch nur bei schweren Einsätzen mit hohen Gewichten oder mit schweren Anhängern sein. Bis zu 3.500 kg darf der Daily ziehen. Mit einem 6,5-Tonner als Zugfahrzeug sind da Nutzlasten bis zu sechs Tonnen kein Problem.
Die nächst schwächere Version des Dreiliter-Motors leistet 146 PS bei 370 Nm maximalem Drehmoment. Das ist exakt die gleiche Leistung, die auch der neu eingestellte 2,3-Liter-Vierzylinder abrufen kann. Diese Überschneidung ist insofern sinnvoll, als die Anwender nun im Segment um 150 PS zwischen einer großen und einer kleinen Maschine wählen können. Bei geringeren Gewichten bis 3,5 t ist dann sicher der 2,3-Liter-Motor die erste Wahl. Er ist rund 60 kg leichter als sein großer Bruder, sondern läuft deutlich leiser und vermittelt viel Elastizität über den gesamten Drehzahlbereich. Nach unten gibt es zwei weitere Versionen mit 106 und 125 PS, die wie alle Triebwerke, außer dem 205-PS-Muskelprotz, mit automatisierten, sechsstufigen Agile-Getriebe kombinierbar sind. Für schalt- und anfahrintensive Regionstrecken ist dieses Getriebe eine gute Wahl.
Verbrauch soll um zehn Prozent sinken
Ab Anfang nächsten Jahres soll es zudem für den kleinen Motor eine Start-/Stop-Automatik geben. Zusammen mit den als Auf- und Abwärtspfeil gestalteten Schaltempfehlungs-Anzeigen im Armaturenbrett und den neuen Sechsgang-Getrieben verspricht sich Iveco um rund zehn Prozent niedrigere Verbrauchswerte im Vergleich zum Vorgänger.
Auch einige Retuschen im und am Armaturenbrett tun dem Italiener gut: So präsentieren sich die Skalen von Drehzahlmesser und Tacho nun erstmals mit schlichten, fein ablesbaren Zahlen. Die Regler für die Klimaanlage sind nun etwas filigraner und eleganter als die alten Plastik-Knubbel, das Lenkrad lässt sich jetzt axial in der Höhe verstellen. Eher zwiespältige Gefühle weckt jedoch die von den Fiat-Kollegen übernommene Steck-Halterung für das Tom-Tom-Navi. Einen versehentlichen Ellbogen-Check dürfte die reichlich wackelige Konstruktion wohl kaum überleben. Auch die Materialien an sich bleiben hart und kratzempfindlich wie eh und je. Denn es gibt wichtigeres: Das elektronische Stabilitätsprogramm ESP ist jetzt Serie und bietet in seiner neuesten Version Schwerpunkterkennung und Anhänger-Stabilisierung – ein echter Pluspunkt.
Erdgas-Variante bleibt im Programm
Die Retuschen an der Kühlergrill-Maske beruhen zwar auf der Notwendigkeit etwas größerer Kühler, lassen sich aber unter Kosmetik abhaken, sieht man einmal von den neuen Nebelscheinwerfern ab, die auch als Kurvenlicht dienen.
Fakt ist, dass der Daily deutlich an Qualität gewonnen hat. Triebstrang und Motoren sind für anspruchsvolle Transportaufgaben ausgelegt und dennoch beruhigend leise und komfortabel in ihrer Bedienung. Und: Iveco führt nach wie vor die Natural Power-Erdgas-Variante im Programm. Trotz des europaweit immer dichteren Angebots an Erdgas-Tankstellen, belässt es Iveco noch beim Bifuel-Konzept, hält also einen kleinen Benzinvorrat für Notfälle vor.
