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Maßgeschneiderte Flächen in der Innenstadt Stapelweise Handwerksbetriebe in den Münchner Gewerbehöfen

München bewahrt sich im Stadtgebiet das Flair der Manufakturen. Dafür stellt die Gewerbehofgesellschaft Flächen von 40 bis 1.000 Quadratmetern zur Verfügung.

Die klassischen Hinterhofstrukturen sind in München schon lange verschwunden. Dort, wo einst Handwerker in kleinen Werkstätten inmitten von Mietshäusern ihrer Arbeit nachgingen, logieren heute lärmfreie Werbeagenturen oder Architekturbüros. Und doch findet sich in München noch das Flair der Manufakturen. In den Gewerbehöfen hat sich der Geist kleingewerblicher Geschäftigkeit bewahrt, den Unternehmer wie Peter Hornung schätzen.

Hornung produziert mit seinem 2014 gegründeten Start-up "Hinterher“ Fahrradanhänger im Gewerbehof Sendling im Süden der Stadt. "Hier herrscht eine tolle Atmosphäre. Es gibt viele Handwerksbetriebe der unterschiedlichsten Branchen, die sich gegenseitig helfen. So entstehen Synergieeffekte, von denen alle profitieren“, beschreibt der gelernte Zimmerer und Architekt die Szenerie.

Vorbilder in Hafenstädten

Als vor knapp 40 Jahren die Stadt gemeinsam mit der Handwerkskammer und der IHK die Münchner Ge­werbehofgesellschaft (MGH) gründete, hatten sie Vorbilder vor Augen, wie sie zur Zeit der industriellen Revolution in Berlin oder in Hafenstädten mit großem Warenumschlag entstanden waren. "Dahinter steckt die Idee des stapelbaren Gewerbes. Gebäude mit drei bis fünf Geschossen, Decken mit hohen Traglasten und Lastenaufzüge, um Maschinen und Waren nach oben zu transportieren“, umreißt Geschäftsführer Ru­dolf Boneberger die Philosophie der MGH.

1984 nahm im Westend auf dem Gelände einer ehemaligen Gummifabrik der erste Gewerbehof seinen Betrieb auf. Zentral gelegen zwischen Donnersberger Brücke und Heimeranplatz, bietet der bis heute größte Gewerbehof Münchens eine Mietfläche von 27.000 Quadratmetern, dazu zehn Lastenaufzüge mit bis zu 7,8 Tonnen Tragkraft, fünf Personenaufzüge, Raumhöhen bis 3,9 Meter und knapp 500 Parkplätze.

Flächen ab 40 Quadratmeter

Inzwischen gibt es über das Stadtgebiet verteilt acht Gewerbehöfe mit einer Gesamtfläche von rund 106.000 Quadratmetern. Diese bieten kleinen und mittleren Unternehmen maßgeschneiderte Flächen ab einer Größe von 40 Quadratmetern. Erstbezieher können maximal 500 Quadratmeter belegen, die später bis auf 1.000 erweiterbar sind. Die durchschnittliche Miete liegt im Erdgeschoss bei 11,50 Euro pro Quadratmeter, im Obergeschoss bei 10 Euro. Auf eine Umlage für die Verkehrswege verzichtet die MGH, die für jeden Gewerbehof einen eigenen Hausmeister beschäftigt.

Die Mietverträge seien sehr flexibel, erklärt Geschäftsführer Boneberger. Während die MGH eine Laufzeit von zehn Jahren garantiere, könne der Handwerker innerhalb von sechs Monaten ganz oder auch teilweise kündigen, je nach Auftragslage. Die Flächen sind begehrt, denn Betriebe scheuen auf der Suche nach einem neuen Standort einen Umzug ins Umland – einerseits wegen der Kosten, aber auch aus der Furcht, dass Mitarbeiter sich dann einen neuen Arbeitgeber suchen könnten.

Das Netz an Gewerbehöfen soll deshalb weiterwachsen. Im Sommer wird als nächster der Gewerbehof Nord in Betrieb gehen. Außerdem laufen erste Planungen für einen weiteren Gewerbehof in Freiham, blickt Boneberger voraus. Die Idee der Gewerbehöfe sieht er als ideale Lösung für dicht bebaute Großstädte. Trotzdem weiß Boneberger, dass Handwerker eine ebenerdige Halle jedem Gewerbehof vorziehen würden, sobald der Platz dafür vorhanden ist.

Beschränkte Wachstumsmöglichkeiten

Da würde ihm Peter Hornung zustimmen. Mit der Gründung von "Hinterher“ hat er e inen Zahn der Zeit getroffen. Ge­plagt von Staus und langer Parkplatzsuche steigen immer mehr Menschen in den Städten auf das Fahrrad um, das mit Anhänger zum emissionsfreien Transportmittel wird. "Hinterher“ profitiert vom starken Wachstum des Marktes für Fahrradtransport. Die zehn Mitarbeiter arbeiten in Sendling auf einer Fläche von 500 Quadratmeter, verteilt über drei Etagen, an der Kapazitätsgrenze. "Der Standort ist gut, aber die Wachstumsmöglichkeiten sind doch stark eingeschränkt“, betont Hornung, dessen Unternehmen für 2019 ein Umsatz­plus von 25 Prozent vorweisen kann. Im Januar lag der Umsatz doppelt so hoch wie im ersten Monat des vergangenen Jahres. "In den nächsten zwei bis drei Jahren brauchen wir dringend neue Flächen, am besten am Mittleren Ring“, sagt Peter Hornung. Ein Nachmieter in Sendling ist aber wahrscheinlich schneller gefunden als ein neuer Standort.

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