Im Windschatten des Wachstums im Online-Handel steuern die Hersteller von Transportern auf immer höhere Absatzzahlen zu. Auch das Angebot vergrößert sich. Nach Hyundai will auch MAN in den Handel mit leichten Nutzfahrzeugen einsteigen.
Ulrich Steudel

Von 2017 an will damit erstmals ein auf schwere Lkws spezialisierter Hersteller einen Transporter bis 3,5 Tonnen Gesamtgewicht anbieten. Gebaut wird er von Volkswagen im neuen Crafter-Werk in Polen.
Auf Wachstumskurs
Die letzte Meile der Waren auf dem Weg zum Kunden verspricht eines der großen Geschäfte der Zukunft zu werden, vom Internet-Einkauf befördert. Im vergangenen Jahr wurden bundesweit 97.500 große Transporter zugelassen, ein Wachstum von sieben Prozent gegenüber 2013. Mehr als jedes dritte neue Nutzfahrzeug war ein 3,5-Tonner.
Der Transporter dominiert nicht nur im Handwerk den Fuhrpark. Vor allem die Paketdienstleister sind auf die Kleinlaster angewiesen, selbst wenn sie sich in Zukunft die Arbeit womöglich mit Drohnen teilen müssen. Die Automobilbauer rechnen jedenfalls mit großen Wachstumschancen im Bereich der Transporter.
Hyundai und MAN steigen ein
Als erster Hersteller versucht Hyundai, in den etablierten Markt der 3,5-Tonner ein neues Produkt zu platzieren. Zwar verfügen die Koreaner in ihren Heimatmärkten durchaus über große Kompetenzen im Nutzfahrzeugbereich, aber der H350 ist der erste Kleinlaster, der speziell für den europäischen Markt entwickelt wurde.
Eine Spazierfahrt wird es für Hyundai sicher nicht, den H350 neben so etablierten Fahrzeugen wie den Mercedes-Benz Sprinter, VW Crafter, Ford Transit, Fiat Ducato, Iveco Daily oder Renault Master zu positionieren.
Schulungen für Händler
Zum Marktstart des H350 standen gerade einmal 44 Verkaufs- und 20 Servicestationen zur Verfügung, viele davon Mehrmarkenhändler, die bereits über Transporterkompetenz verfügen. Bis zum Jahr 2017 will Hyundai durch intensive Schulungen sein Händlernetz für den Transporter auf 100 Häuser ausbauen.
Da wird es MAN einfacher haben. Erstens verfügt die Unternehmenssparte Truck & Bus als reiner Nutzfahrzeuganbieter über ein eigenes Werkstattnetz. „Der vom Lkw gewohnt professionelle Service sowie die umfangreichen Dienstleistungen werden auch unsere Transporterkunden begeistern“, gibt sich der Vorstandsvorsitzende Joachim Drees optimistisch. Und zweitens müssen die Lkw-Bauer ihren Transporter, der unter dem Namen TGE zur IAA Nutzfahrzeuge in Hannover nächstes Jahr seine Weltpremiere feiern soll, nicht selbst entwickeln.
Neues Crafter-Werk in Polen
Das hat Volkswagen erledigt. Der TGE wird gemeinsam mit dem VW Crafter vom Band rollen. Inwieweit sich die im Wesentlichen baugleichen Transporter optisch unterscheiden werden, wird spätestens auf der Messe in Hannover zu sehen sein.
Dort will auch Mercedes-Benz seinen neuen Sprinter vorstellen. Noch laufen in den Mercedes-Werken in Düsseldorf und Ludwigsfelde neben dem Sprinter auch VW Crafter vom Band. Doch das Ende der Kooperation ist eingeläutet. Schon 2014 wurde von VW im polnischen Wrzesnia der Grundstein für ein neues Transporterwerk gelegt, in dem vom nächsten Jahr an 3.000 Beschäftigte den neuen VW Crafter und den MAN TGE montieren werden. Das Werk liegt auf halber Strecke zwischen Berlin und Warschau, rund 50 Kilometer östlich von Poznan, wo Volkswagen den VW Caddy baut.
Mercedes Sprinter steht für 3,5-Tonner
Doch auch mit dem Crafter als Eigenentwicklung dürfte es VW schwer fallen, dem Platzhirsch von Mercedes den Rang abzulaufen. Der Sprinter hat die Klasse der 3,5-Tonner so stark geprägt, dass das Wort im allgemeinen Sprachgebrauch zum Synonym für die ganze Fahrzeuggattung geworden ist. Der Name Sprinter steht für 3,5-Tonner wie Tempo für Papiertaschentuch, egal von welchem Hersteller das jeweilige Produkt stammt. Nur wird die Sprinter-Klasse in Zukunft eine noch größere Markenvielfalt bieten.