Von Karin Birk
Spitze Federn
Peer Steinbrück ist der Dritte im Bunde. Nach Thilo Sarrazin und Peter Struck hat nun der dritte Sozialdemokrat seine Erfahrungen und Einsichten zwischen zwei Buchdeckel gepresst. „Unterm Strich“ heißt das Werk des früheren Finanzministers. Darin bekennt sich der Genosse zu den Reformen, die die SPD unter Schmerzen in ihrer Regierungszeit durchgesetzt hat - und von denen sie sich nun in der Opposition zunehmend distanziert. „Bloßes Drehen an den Beitragssätzen und Lösungen, die den Weg des geringsten Widerstandes über finanzielle Bypässe wählen, werden das Sozialversicherungssystem eines Tages implodieren lassen“, warnt er vor der Rücknahme der Rente mit 67. Neben den innerparteilichen Konflikten erlaubt er einen Blick in den Abgrund der Finanzkrise.
Peter Struck war in der Großen Koalition Vorsitzender der SPD-Fraktion. Diese Rolle spielte er schon in den Anfängen der rot-grünen Koalition. In seinem Buch „So läuft das“ blickt er auf seine schnörkellose Art zurück. So liebevoll er sich über die Zusammenarbeit mit seinem Gegenspieler, dem Unionsfraktionsvorsitzenden Volker Kauder, äußert, so hart geht er mit der Bundeskanzlerin ins Gericht. Er beschreibt Angela Merkel als Chefpilotin des Landes, die als „Schönwetterfliegerin“ die Erfolge der Großen Koalition einheimste, obwohl die SPD dazu das Meiste beigetragen habe. Aber auch er reibt sich an der Neigung vieler Genossen, „das Erreichte schlechtzureden und auf Distanz zu gehen“.
An Thilo Sarrazin kommen die beiden nicht heran. Der scheidende Bundesbankvorstand war mit seinem Buch nicht nur der Erste auf dem Markt, sondern ist mit einer Auflage von mehr als 200.000 Stück kaum einzuholen. Anders als Steinbrück und Struck sorgt er mit seinem Werk „Deutschland schafft sich ab“ für hitzige Debatten im Land. Der Parteivorstand hat sogar ein Parteiausschlussverfahren gegen ihn eingeleitet. Das führt dazu, dass sich die Partei noch lange mit ihm beschäftigen wird.
Doch ist es nicht so, dass es nicht auch bei der Union einen Expolitiker gibt, der mit einem Buch für Furore sorgen kann. Roland Koch, gerade erst aus seinem Amt als hessischer Ministerpräsident ausgeschieden, wird Anfang Oktober sein Werk vorstellen. Der Titel „Konservativ - ohne Werte und Prinzipien ist kein Staat zu machen“ verspricht Interessantes. Nachdem die Vertriebenen-Funktionärin Erika Steinbach im Zorn ihren Rückzug aus dem Vorstand angekündigt hat, diskutiert die CDU, ob sie nicht unter Merkel zu sehr in die Mitte gerutscht ist. Sie treibt die Sorge um, dass rechts neben ihr eine neue Partei entstehen könnte. Auch der Hesse hofft, auflagenfördernd den Nerv der Zeit zu treffen.