Die Visa-Affäre im Auswärtigen Amt weitet sich nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" aus. Mittlerweile ermittle die Staatsanwaltschaft Berlin in 20 Komplexen, unter anderem wegen des Verdachts der bandenmäßigen Schleusung und Bestechlichkeit, berichtet das Magazin am Freitag vorab.
"Spiegel": Visa-Affäre im Auswärtigen Amt weitet sich aus
Berlin (dapd). Die Visa-Affäre im Auswärtigen Amt weitet sich nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" aus. Mittlerweile ermittle die Staatsanwaltschaft Berlin in 20 Komplexen, unter anderem wegen des Verdachts der bandenmäßigen Schleusung und Bestechlichkeit, berichtet das Magazin am Freitag vorab. Mindestens zwölf deutsche Auslandsvertretungen sollen betroffen sein, darunter in Kasachstan, Aserbaidschan, Afghanistan, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Ägypten und Guinea.
Mehrere Dutzend Personen werden den Angaben zufolge beschuldigt, seit 2007 an der Schleusung von Ausländern nach Deutschland beteiligt gewesen zu sein. Einige Angestellte deutscher Auslandsvertretungen sollen zu den Tatverdächtigen gehören, schreibt das Magazin.
Einer der schwerwiegendsten Fälle betrifft offenbar die Botschaft in Kabul. Hier sollen afghanische Ortskräfte über Jahre Visa erteilt haben, die auf falschen Angaben basierten. Die Antragsteller zahlten laut Staatsanwaltschaft neben den normalen Gebühren an die Konsularmitarbeiter pro Visum mehrere hundert Euro in bar, wie der "Spiegel" berichtete. Die Ortskräfte sollen im Auftrag oder unter Zwang eines internationalen Schleuserrings gehandelt haben, dessen Drahtzieher wahrscheinlich im Rheinland sitzen.
Seit Anfang April ermittelt die Staatsanwaltschaft in einem weiteren Komplex zu illegalen Einreisen von Afghanen. Im Mittelpunkt steht den Bericht zufolge der Leiter der Visaabteilung des deutschen Generalkonsulats in Dubai. Der 40-Jährige wurde Ende Mai in Berlin verhaftet. Der Diplomat steht im Verdacht, seit vier Jahren afghanischen Staatsbürgern Visa ausgestellt zu haben, die auf gefälschten Unterlagen einer Firma basierten, die ihren Sitz im Golfemirat hat. Pro Visum soll der Beamte bis zu 3000 Dollar in bar erhalten haben. Der Mann bestreitet die Vorwürfe.
dapd
