Berlusconis rotes Tuch SPD-Spitzenkandidat Schulz will "Europa nach links verschieben"

Erst im Zusammenhang mit dem Namen Silvio Berlusconi klingelt es bei den meisten: Martin Schulz, ist das nicht der, der den italienischen Ministerpräsidenten...? Genau. Der SPD-Politiker bot Berlusconi vor fünf Jahren im Europaparlament die Stirn und musste sich daraufhin vom italienischen Regierungschef beleidigen lassen: Er bezeichnete Schulz als "Idealbesetzung eines Kapos in einem KZ-Film". Plötzlich stand der Sozialdemokrat mit Halbglatze, Vollbart und randloser Brille eine Zeit lang im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses.

SPD-Spitzenkandidat Martin Schulz tadelete Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi und erlangte dadurch öffentliche Bekanntheit. Foto: ddp

SPD-Spitzenkandidat Schulz will "Europa nach links verschieben"

Die SPD hat den überzeugten Europäer mit rheinischem Akzent – der Aachener Schulz spricht "Öcher Platt" – mit überwältigender Mehrheit erneut zum Spitzenkandidaten für die Europawahl nominiert. Der 53-jährige Schulz, der "Europa nach links zu verschieben" will, soll nach den Vorstellungen seiner Partei Nachfolger des Sozialdemokraten Günter Verheugen in der Brüsseler EU-Kommission werden. Dies trifft allerdings auf den hartnäckigen Widerstand der Union und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

Seit 1994 vertrat Schulz als Europaabgeordneter die SPD-Wahlkreise Stadt und Kreis Aachen sowie Euskirchen, Heinsberg und Düren im Europäischen Parlament, seit 2004 den Regierungsbezirk Köln. Er ist Mitglied in zahlreichen Ausschüssen und war von 2000 bis 2004 Chef der SPD-Abgeordneten im Europaparlament. Als Vorsitzender der SPE-Fraktion steht er seit Juli 2004 an der Spitze der europäischen Sozialdemokraten in Straßburg und Brüssel. Schulz, der perfekt Englisch und Französisch spricht, kennt die komplizierten Mechanismen der europäischen Politik wie kein ein anderer in der SPD und hat sich in Brüssel mit den Jahren hohes Ansehen erworben.

Geboren wurde Schulz am 20. Dezember 1955 in Eschweiler am Nordhang der Eifel. 1982 gründete er seine eigene Buchhandlung in Würselen, einer Kleinstadt in der Nähe von Aachen. 1984 wurde er Mitglied im Würseler Stadtrat und 1987 Bürgermeister der Stadt. Das Amt hatte er elf Jahre inne. Er blieb zunächst im Amt auch als er 1994 erstmals Mitglied des Europäischen Parlaments wurde.

Der SPD trat Schulz 1974 bei. Zunächst engagierte er sich bei den Jusos. In der Partei stieg Schulz, dessen politische Vorbilder Nelson Mandela und Willy Brandt sind, vom Vorsitzenden des Kreises Aachen (1996) zum Mitglied des Parteivorstandes (seit 2001) auf. Auf einem SPD-Parteitag im November 2003 wurde Schulz erstmals zum Spitzenkandidaten der Bundesliste für die Europawahl bestimmt.

Als Hobbies gibt Schulz, der verheiratet ist und zwei Kinder hat, Familie, Lesen und Fußball an. Der temperamentvolle SPD-Politiker ist ein Mann der klaren Worte und weiß seine Reden stets mit Humorigem zu würzen. Sich selbst spart er dabei nicht aus. Auf die Frage, über wen er am liebsten lache, antwortete er: "Über mich selbst".

Nikolaus Sedelmeier/ddp