Deutsche Unternehmen investieren – aber lieber im Ausland als daheim. Das bereitet dem baden-württembergischen Sparkassenpräsidenten Sorgen. Er hat eine Erklärung: Bürokratie verleidet den Betrieben den Spaß am Unternehmertum.

Der baden-württembergische Sparkassenpräsident Matthias Neth hat einen Abbau von Bürokratie angemahnt. Die Wirtschaft müsse vor Regulierung geschützt werden, sagte er bei der Jahrespressekonferenz des Sparkassenverbands in Stuttgart. "Die Bürokratie muss die Lebenspraxis der Menschen im Blick haben."
Sorgen bereitet Neth, dass inzwischen viele Investitionen ins Ausland fließen. Die neue Bundesregierung müsse den Unternehmergeist fördern und dafür sorgen, dass wieder mehr im Inland investiert werde. Er hoffe auf einen "Schwung des Neubeginns".
Alarmierende Umfrage
Ganz unberechtigt ist die Sorge Neths nicht. Beinahe jedes dritte bereits im Ausland tätige Industrieunternehmen (30 Prozent) im Südwesten will in den kommenden zwölf Monaten Investitionen im Inland zugunsten von Investitionen im Ausland zurückstellen. Das zeigt eine Umfrage des Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertags (BWIHK). An der Umfrage nahmen zum Jahresbeginn 3.679 Mitgliedsunternehmen aller Größen und Branchen teil.
Trotz Zurückhaltung bei den Investitionen haben die Sparkassen in Baden-Württemberg das Geschäftsjahr 2024 mit einem Zuwachs ihrer Bilanzsumme und gestiegenen Kundeneinlagen abgeschlossen. Sorgen indes bereitet den Sparkassen die stagnierende Wohnungsbaufinanzierung. "Neubau findet nicht statt", sagte Neth. Die Baukonjuktur habe noch immer nicht angezogen.
Neubau als Sorgenkind
Während die Kreditvergabe für Bestandsimmobilien leicht anstieg, bleibt der Neubau von Wohnungen also ein Sorgenkind. Die Zahl der genehmigten Wohnungen in Baden-Württemberg sank 2024 um 28 Prozent auf nur noch rund 20.700 – ein historischer Tiefstand. Neth sagte, das Land brauche dringend Reformen, um die Baunebenkosten zu senken und Familien den Einstieg ins Eigenheim zu erleichtern. Er forderte unter anderem den Verzicht auf die Grunderwerbssteuer beim Ersterwerb sowie eine Wiedereinführung des steuerlichen Schuldzinsenabzugs.
Eine Folge der Wirtschaftskrise lässt sich am Sparverhalten der Baden-Württemberger ablesen: Privatleute und Unternehmen legen mehr Geld zurück. Die Kundeneinlagen wuchsen 2024 um drei Prozent auf 176,7 Milliarden Euro. Besonders Privatkunden erhöhten ihre Einlagen deutlich (plus 3,6 Prozent). Doch hinter dieser Entwicklung steht eben auch eine anhaltende Investitionszurückhaltung bei Unternehmen und Selbständigen. Diese legten ihre Mittel erneut verstärkt bei den Sparkassen an (plus 5,2 Prozent), was auf eine Unsicherheit hinsichtlich wirtschaftlicher Perspektiven hindeutet.
Sparen in der Krise
Neth bewertete diesen Trend zwar als Vertrauensbeweis in die Sparkassen, räumte jedoch ein, dass die erhöhte Sparquote spiegelt die Vorsicht vieler Kunden widerspiegeln würde. Die Zurückhaltung bei Investitionen könnte langfristig negative Auswirkungen auf die regionale Wirtschaft haben.
Die Sparkassen sind neben den Genossenschaftsbanken die wichtigsten Geldinstitute für Handwerksbetriebe und auch die bedeutendsten Kreditgeber kleiner und mittlerer Unternehmen.