Immer mehr junge Spanier verlassen ihre Heimat und suchen anderswo nach einer beruflichen Perspektive. Austauschprogramme zwischen den Staaten gab es in Europa bislang vor allem auf akademischer Ebene. Das Projekt Alischwa eröffnet seit vergangenem Jahr auch spanischen Fachkräften Chancen, von denen auch Deutschland profitieren kann.

Vom Strand in den Schwarzwald: 15 junge Spanier beginnen am kommenden Montag ein Praktikum in Handwerksbetrieben und Pflegeeinrichtungen in Calw (Baden-Württemberg). Sieben von ihnen haben in Spanien bereits eine Berufsausbildung als Elektromechaniker oder Krankenschwester abgeschlossen. In ihrer Heimatstadt Alicante fanden sie angesichts der derzeitigen wirtschaftlichen Lage keine Arbeit und möchten jetzt in deutschen Handwerksbetrieben Fuß fassen.
Dass das so einfach möglich ist, verdanken die Jugendlichen dem Projekt Alischwa. Das internationale Austauschprojekt existiert seit 2009 aufgrund einer Kooperation zwischen Alicante, Schweden und Schwarzwald.
Große Nachfrage in Spanien
Ursprünglich war es konzipiert für deutsche Jugendliche aus dem Landkreis Calw/Freudenstadt, die trotz des Fachkräftemangels keine Ausbildung oder Arbeit fanden. In diesem Rahmen machten bislang 160 Deutsche ein siebenwöchiges Praktikum in Schweden oder Alicante. Und das durchaus erfolgreich: 85 Prozent aller vorher arbeitslosen Jugendlichen haben nach dem Auslandsaufenthalt eine Stelle gefunden.
Seit April 2012 haben auch junge Spanier, die bereits eine Berufsausbildung haben und in der Heimat keinen Arbeitsplatz finden, die Möglichkeit, im Schwarzwald ein Praktikum zu machen. Und die Nachfrage danach ist bei rund 50 Prozent Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen in dem Land sehr groß. Rund 300 Jugendliche hatten sich für die erste Runde beworben, elf von ihnen bekamen schließlich die Möglichkeit ein Praktikum in Betrieben der Region Calw und Freudenstadt zu absolvieren.
Fachkräftemangel entgegenwirken
Die deutschen Projektträger, die Arbeitsagentur Nagold, das diakonische Sozialunternehmen Erlacher Höhe Calw Nagold und das kirchliche Bildungszentrum für Aus-, Fort- und Weiterbildung Oberlinhaus Freudenstadt, sehen darin unter anderem eine mögliche Lösung für den Fachkräftemangel in der Region. Ausschlaggebend für die Entscheidung das Projekt auszuweiten war außerdem der europäische Gedanke: "Wir haben als Europäer die Verpflichtung Länder wie Spanien zu unterstützen", so der Calwer Landrat Helmut Riegger.
Die Gruppe, die nun ihr Praktikum im Schwarzwald beginnt, ist bereits die vierte. Für zwei Monate werden die 15 Jugendlichen hier sein, in den Betrieben arbeiten und Deutsch in Intensivkursen lernen. Wenn es gut läuft, werden sie die neuen Fachkräfte, die Deutschland so dringend braucht.
Projekt wurde verlängert
Denn mehr als zwei Drittel der insgesamt 50 Spanier, die das Angebot bisher angenommen haben, bekamen nach den zwei Monaten einen Folgevertrag angeboten.
Das Projekt Alischwa ist eingebettet in das vom Europäischen Sozialfonds (ESF) geförderte Projekt "Integration durch Austausch" (IdA), das die Bundesregierung 2008 ins Leben gerufen hat. Eigentlich nur bis zum Jahr 2012 angelegt, wurden erfolgreiche Projekte jedoch verlängert. Andreas Reichstein, Leiter der Erlacher Höhe: "Wir sind zuversichtlich, dass wir das Programm noch weiterführen können."