Arbeiten im Team kann sehr effektiv sein. Doch es kann auch scheitern, wenn einzelne sich auf den Leistungen der anderen ausruhen. Arbeitspsychologen nennen das Prinzip Social Loafing oder auch soziales Faulenzen. Doch wie verhindert man, dass Teamwork scheitert? Wie motiviert man einzelne Faulenzer?

Der Spruch, dass "Team" eigentlich für "Toll, ein anderer macht’s" steht, trifft für manche Beschäftigte durchaus einen wahren Kern. Gleichzeitig würden wohl die meisten bestätigen, dass die Arbeit in einem gut funktionierenden Team viele Vorteile mit sich bringt. Die entscheidende Frage ist jedoch: Wann funktioniert ein Team wirklich gut – und vor allem auf Dauer?
Gerade im Handwerk gehört Teamarbeit zum Alltag. Schaut man sich konkrete Gruppenaufgaben an – etwa das gemeinsame Fertigstellen eines Werkstücks, das Verlegen von Parkett in einem Raum oder die Installation eines Geräts – kann die Stimmung schnell kippen, wenn einige Teammitglieder deutlich weniger leisten als andere.
Soziales Faulenzen: Vorsicht, Stimmung im Team sinkt
Dabei geht es nicht nur um kurzfristige Aussetzer oder den berühmten "schlechten Tag", den jeder mal hat. Vielmehr gibt es mitunter einzelne Teammitglieder, die zwar könnten, aber nicht wollen – die also dauerhaft weniger Einsatz zeigen oder schlicht weniger motiviert sind als andere. In der Arbeitspsychologie ist dieses Phänomen als Social Loafing oder soziales Faulenzen bekannt: Einzelne ruhen sich dauerhaft auf den Leistungen der Gruppe aus, tragen wenig zum Ergebnis bei, freuen sich aber trotzdem über den gemeinsamen Erfolg. Dieses Verhalten kann das Betriebsklima erheblich belasten.
Wenn Führungskräften ein solches Verhalten auffällt – oder sie sogar direkt darauf hingewiesen werden – ist es wichtig, dass Unternehmerinnen und Unternehmer aktiv werden. Dazu rät auch die Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik (BGHW). Auf ihrer Website beleuchtet sie das Thema soziales Faulenzen aus arbeitspsychologischer Sicht und gibt praktische Tipps, wie sich dem Phänomen im Betriebsalltag begegnen lässt.
So setzt man funktionierende Teams zusammen
Damit Teams gut funktionieren, brauchen sie einerseits ein klares, gemeinsames Ziel – eine Aufgabe, die sie gemeinsam lösen können. Gleichzeitig sollte jedes Teammitglied das Gefühl haben, sich aktiv in die Gestaltung der notwendigen Arbeitsschritte einbringen zu können. Es geht dabei um eine ausgewogene Balance: klare Strukturen und Zuständigkeiten auf der einen Seite, individuelle Freiräume auf der anderen. Dieses Abwägen ist oft nicht leicht – vor allem dann, wenn Teams neu zusammengestellt werden oder nur über einen kurzen Zeitraum zusammenarbeiten.
"Die Entwicklung von einzelnen Personen zu einem Team durchläuft in aller Regel verschiedene Phasen, in denen das Team zusammenwachsen kann und sich Teamrollen entwickeln", sagt die Arbeitspsychologin Kathrin Schwarzmann, die sich mit dem Thema des sozialen Faulenzens beschäftigt. Gerade temporäre Teams stellen laut ihr eine besondere Herausforderung für Führungskräfte dar – hier sei es umso wichtiger, Erwartungen und Ziele von Beginn an deutlich zu kommunizieren.
Beim Aufbau von Teams spielt auch die Gruppengröße eine entscheidende Rolle. Zwar hängen viele Aspekte vom jeweiligen Auftrag oder der konkreten Tätigkeit ab, doch wenn möglich, sollten Führungskräfte darauf achten, die Anzahl der beteiligten Personen überschaubar zu halten. "Etwas flapsig ausgedrückt, die Aussage ‚viel hilft viel‘, ist wenig hilfreich", so Schwarzmann. Denn je mehr Personen an einer Aufgabe beteiligt sind, desto größer ist die Gefahr, dass sich einzelne zurücklehnen und darauf vertrauen, dass andere die Arbeit schon erledigen werden. Wie bei vielen anderen Themen gilt daher auch hier die Faustregel: "So wenig wie möglich, so viel wie nötig."
Soziales Faulenzen verhindert, dass Vertrauen entsteht
Bei guten Teams ist es relevant, dass die verschiedenen Kernkompetenzen, die man für eine Aufgabe benötigt, vorhanden sind und sich ergänzen können. Sie sollten sich aber keine Konkurrenz machen. Die Arbeitspsychologin berichtet aus ihrer Erfahrung, dass oftmals zu einer optimalen Teamgröße von etwa acht Personen geraten wird. Das dürfe man aber nicht zu streng sehen. "Ein gutes Arbeitsklima und gemeinsame Ziele sind genauso wichtig, wie die Größe und die Zusammensetzung des Teams", sagt sie. Wenn es möglich ist, hält sie noch kleinere Teams von drei bis fünf Personen für meist effizienter und zielführender beim Arbeiten.
Das gute Arbeitsklima hängt beim Teamwork stark von einem Faktor ab: dem Vertrauen untereinander. Das zeigt sich besonders dann, wenn die Arbeit der einzelnen Teammitglieder voneinander abhängt. Dann kann Teamwork nur funktionieren, wenn das jedem bewusst ist und er dem anderen vertraut, dass jeder seine Verantwortung kennt und wahrnimmt. "Fortschritte ebenso wie eventuelle Probleme müssen offen und ehrlich kommuniziert werden können. Dazu braucht es auch Vertrauen untereinander", sagt die Psychologin.
Diese Verhaltensweisen gefährden gutes Teamwork
Andererseits seien Verhaltensweisen wie Konkurrenzdenken, mangelnde Kommunikation und auch fehlende Transparenz kontraproduktiv und hemmen die Teamarbeit. "Ein typischer Fehler ist die Annahme, dass das bloße Zusammenarbeiten von einzelnen Personen diese automatisch zu einem funktionierenden Team macht", sagt Kathrin Schwarzmann und weist damit auf die Verantwortung der Führungspersonen hin, die Rollen und Aufgaben in einem Team verteilen sollten und auch mitbekommen müssen, wie die Leistungen der einzelnen ausfallen – und am Ende die des Teams.
Dann fällt wiederum auch auf, wenn sich einzelne auf Kosten von anderen ausruhen, also wenn ein soziales Faulenzen stattfindet. Kathrin Schwarzmann erklärt dieses als "psychologisches Phänomen, das besagt, dass Teammitglieder weniger leisten und sich hinter der Gesamtleistung verstecken. Oder, anders ausgedrückt, es besagt, dass Einzelpersonen nicht ihre volle Leistung bringen, wenn sie als Teil einer Gruppe beurteilt werden." Dahinter verberge sich meist keine böse Absicht, erläutert sie weiter. "Viele Menschen denken eher im Sinne einer Aufwand-Nutzen-Rechnung, und außerdem verstecken wir uns gerne in der Menge."
Soziales Faulenzen verhindern mit Anerkennung und Lob
Dennoch und vor allem, zum Schutz der anderen und des gesamten Betriebs- oder Gruppenklimas sei es wichtig, dass jeder Mitarbeiter gesehen wird – mit einem möglichen Faulenzen und auch mit seinen Leistungen. Zwar steht bei Teamarbeit für die Arbeitgebenden in der Regel vor allem die Gesamtleistung des Teams im Vordergrund. "Dennoch ist es wichtig, dass jeder einzelne sich auch gesehen fühlt und die Leistung des einzelnen honoriert wird", sagt Schwarzmann.
Sie betont das vor allem deshalb, weil dadurch die Zufriedenheit der einzelnen Teammitglieder verbessert wird und letztlich auch die Zusammenarbeit. Dabei gehe es um Anerkennung und Wertschätzung jedes einzelnen, was wiederum dazu führt, dass jeder gerne Teil der Gruppe ist und sich dann auch einbringen möchte, mit eigener Leistung, die gesehen und anerkannt wird. So sollten Chefinnen und Chefs auch gerne öfter mal einzelne gute Leistungen loben und nicht nur den guten Abschluss eines Projekts.