Politiker und Konzerne warnen vor möglichen hohen Kosten des Atomausstiegs. Die großen Energieversorger sagen vor allem für die Industrie deutlich höhere Stromkosten voraus. Umweltminister Norbert Röttgen mahnte, eine kostenlose Energiewende gebe es nicht. Sachsen-Anhalts neuer Ministerpräsident Reiner Haseloff hält die Kostendebatte hingegen für unsinnig.
Sorge um hohe Kosten durch Energiewende
Berlin (dapd). Politiker und Konzerne warnen vor möglichen hohen Kosten des Atomausstiegs. Die großen Energieversorger sagen vor allem für die Industrie deutlich höhere Stromkosten voraus. Umweltminister Norbert Röttgen mahnte, eine kostenlose Energiewende gebe es nicht. Sachsen-Anhalts neuer Ministerpräsident Reiner Haseloff hält die Kostendebatte hingegen für unsinnig.
Die großen Energiekonzerne haben laut "Spiegel" erstmals eigene Berechnungen zu den Kosten eines beschleunigten Atomausstiegs vorgelegt. Danach würden sich die Stromkosten für die Verbraucher bis zum Jahr 2020 um ein bis eineinhalb Cent pro Kilowattstunde erhöhen. Wesentlich stärker seien die Auswirkungen für die energieintensive Industrie. Sie hätte nach den Berechnungen der Energiebranche pro Jahr etwa 1,5 Milliarden Euro zusätzlich zu zahlen.
Umweltminister Röttgen (CDU) schreibt in einem Beitrag für das Magazin zu den Kosten der Energiewende, jeder werde sich beteiligen müssen, "die Industrie ebenso wie die Haushalte". "Es gibt keinen goldenen Weg in die Energiezukunft, der nichts kostet und keinerlei Anstrengungen erfordert", urteilt der CDU-Politiker. Die Politik müsse dabei darauf achten, dass Energie nicht zum Luxusgut für wenige werde und die energieintensive Industrie in Deutschland wettbewerbsfähig bleibe.
Der sächsische FDP-Landesvorsitzende Holger Zastrow warnte vor möglichen Kosten eines schnellen Atomausstiegs. " Wenn Deutschland jetzt als einziges Land in Europa völlig übereilt aus der Atomenergie aussteigt, wird deutscher Strom ein teures Luxusgut für Verbraucher und Unternehmen, und am Ende wird billiger Atomstrom aus Kraftwerken im Ausland importiert. Das ist weder vernünftig noch ökologisch", sagte Zastrow am Freitag.
Haseloff gegen "Spiegelfechterei"
CSU-Chef Horst Seehofer sagte dem "Spiegel", auch bei einem Atomausstieg bis 2020 werde es keine Steuererhöhungen geben. Damit widersprach er Überlegungen von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), die Brennelementesteuer zu erhöhen.
Sachsen-Anhalts Regierungschef Haseloff nannte die Kostendebatte "Spiegelfechterei". Selbst wenn Atomkraftwerke länger am Netz blieben, müsse man sie mit großem finanziellen Aufwand sicherheitstechnisch nachrüsten, sagte der CDU-Politiker der "Super Illu". Dann wäre Atomstrom alles andere als billig. Lieber solle man das Geld in "nachhaltige Formen der Energiegewinnung" investieren.
Nach Einschätzung des Bundesverbands der Verbraucherzentralen werden sich die Kosten der Energiewende in Grenzen halten. Für den Netzausbau und die Umlage für erneuerbare Energien sei bis 2020 ein Anstieg des Strompreises um 1 bis 2 Cent je Kilowattstunde zu erwarten, sagte Energieexperte Holger Krawinkel der Nachrichtenagentur dapd in Berlin. "Das liegt unterhalb der Inflationsrate", fügte er an. Im Vergleich zum Strompreisanstieg um 80 Prozent in den vergangenen zehn Jahren sei die nun erwartete Verteuerung "absolut lächerlich".
Der Deutsche Mieterbund sagte steigende Kosten für Mieter voraus. Er erwartet für das laufende Abrechnungsjahr bis zu zehn Prozent plus bei den Nebenkosten und danach weitere Lasten durch die Energiewende. "Das Ende der Fahnenstange ist noch lange nicht erreicht", warnte Verbandschef Franz-Georg Rips am Donnerstag.
dapd
