Landwirte klagen über Ernteausfälle - Schifffahrt auf dem Rhein behindert Sonnigster und trockenster Frühling seit Beginn der Messungen

Der Frühling ist in diesem Jahr außergewöhnlich sommerlich ausgefallen. Es war das sonnigste Frühjahr seit Beginn der Messungen 1951 und das zweitwärmste nach 2007, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Montag in Offenbach mitteilte.

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Sonnigster und trockenster Frühling seit Beginn der Messungen

Offenbach (dapd). Der Frühling ist in diesem Jahr außergewöhnlich sommerlich ausgefallen. Es war das sonnigste Frühjahr seit Beginn der Messungen 1951 und das zweitwärmste nach 2007, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Montag in Offenbach mitteilte. "Allerdings hat es seit 1893 in den Monaten März, April und Mai auch nicht mehr so wenig geregnet", sagte DWD-Sprecher Uwe Kirsche nach ersten Auswertungen der Ergebnisse der rund 2.000 Messstationen. Landwirte klagten wegen der extremen Trockenheit über Ernteausfälle.

Der diesjährige Frühling übertraf mit 699 Stunden Sonnenschein das Soll von 459 Stunden um gut 50 Prozent. Den meisten Sonnenschein meldete Rheinau-Memprechtshofen bei Baden-Baden mit 802 Stunden.

Dafür fielen in diesem Frühjahr im Durchschnitt nur 88 Liter Regen pro Quadratmeter. Im langjährigen Mittel sind es sonst 186 Liter. Am trockensten war es im südlichen Rheinland-Pfalz, im nördlichen Baden-Württemberg, in Hessen, in Unterfranken und im südlichen Thüringen. Im Mai waren die Pegel der meisten deutschen Flüsse so niedrig wie seit etwa 100 Jahren nicht mehr zu dieser Jahreszeit, wie der DWD mitteilte. Das Getreide sei im Wuchs zurückgeblieben.

"Wir machen uns Sorgen, was die Erträge angeht", sagte der Sprecher des hessischen Bauernverbands, Bernd Weber, auf dapd-Anfrage. Auch wenn es jetzt regne, sei mit großen Ertragseinbußen zu rechnen. Für viele Produkte komme der Niederschlag zu spät. Hessen war laut DWD das trockenste Bundesland im Frühling. Dort fielen mit 56 Litern pro Quadratmeter nur 38 Prozent der üblichen Regenmenge.

Gerade der Mai ist Weber zufolge ein wichtiger Monat, weil das Getreide viel an Masse aufnimmt und die Körner ausgebildet werden. Beim Grünland habe es beim ersten Schnitt je nach Standort bereits Ausfälle von 30 bis 60 Prozent gegeben, sagte der Sprecher. Das könne der zweite und dritte Schnitt nicht ausgleichen.

In der Schifffahrt kommt es auf dem Rhein bereits zu Einschränkungen. Der Stand sei so niedrig, dass die Schiffe weniger Ladung als sonst aufnehmen könnten, sagte ein Sprecher der Wasser- und Schifffahrtsdirektion Südwest auf Anfrage.

Mehr Glück beim Wetter hatten die Besitzer von Erdbeerfeldern, die dem DWD zufolge dank der warmen Witterung mehr als zwei Wochen früher als üblich mit der Ernte beginnen konnten. Die Durchschnittstemperatur lag trotz Nachtfrosts bis in den Mai hinein bei 10,1 Grad Celsius. Das waren 2,4 Grad mehr als das langjährige Mittel von 7,7 Grad. Den Spitzenplatz in der seit 1881 deutschlandweit erstellten Messreihe hält das Jahr 2007 mit 10,6 Grad.

Am heißesten war es am 26. Mai in Regensburg mit 31,3 Grad. Während im Frühling 2010 nur sieben Sommertage mit mindestens 25 Grad gezählt wurden, waren es 2011 in Rheinau-Memprechtshofen bei Baden-Baden 23 Sommertage.

dapd