Improvisieren verboten Sonnenfinsternis am 12. August: Tipps für den richtigen Augenschutz

Wer am Mittwochabend ohne geeignete Schutzbrille in die Sonne blickt, riskiert bleibende Netzhautschäden – auch bei nur teilweise verdeckter Sonne. Der Zentralverband der Augenoptiker benennt, welcher Schutz wirklich gilt – und warum selbst hochwertige Sonnenbrillen nicht ausreichen.

Am Mittwochabend ist es soweit: Dann ist auch in Deutschland eine partielle Sonnenfinsternis zu erleben. Das heißt der Mond deckt nur einen Teil der Sonne ab. - © Sajeduil - stock.adobe.com

Am Mittwochabend bietet sich beim Blick zum Himmel ein besonderes Naturschauspiel: Dann ist in Deutschland eine partielle Sonnenfinsternis zu sehen. Ab etwa 19.15 Uhr beginnt das Himmelsereignis – im Südwesten Deutschlands dürfte es bei passendem Wetter besonders gut zu beobachten sein.

Wer das Spektakel beobachten will, muss zwingend seine Augen schützen. Der Zentralverband der Augenoptiker und Optometristen (ZVA) hat dazu konkrete Hinweise veröffentlicht: welcher Augenschutz erforderlich ist und worauf Verbraucher bei der Wahl und Prüfung einer Sonnenfinsternisbrille achten sollten.

Warum selbst eine teilweise verdeckte Sonne gefährlich ist?

Auch wenn der Mond beim partiellen Ereignis nur einen Teil der Sonnenscheibe abdeckt, bleibt die verbleibende Sonnensichel für das Auge hochgefährlich. Die intensive Strahlung kann die Netzhaut schädigen und das Sehvermögen dauerhaft beeinträchtigen – oft ohne dass Betroffene es sofort bemerken. Felicitas Bucher, Oberärztin an der Augenklinik des Universitätsklinikums Freiburg, erklärt das Problem: "Die Netzhaut besitzt keine Schmerzrezeptoren. Betroffene bemerken eine Schädigung deshalb häufig erst später." Wer ungeschützt in die Sonne blickt, kann also erst nach dem Ereignis feststellen, dass sein Sehvermögen bereits Schaden genommen hat.

Eine gewöhnliche Sonnenbrille ist für die Beobachtung einer Sonnenfinsternis ungeeignet – auch keine hochwertige oder stark getönte. Selbst solche Modelle lassen laut Bucher deutlich mehr Licht durch als speziell zugelassene Sonnenfinsternisbrillen. Ebenso ungeeignet sind improvisierte Alternativen wie berußtes Glas, Röntgenbilder, CDs, Filmstreifen, Rettungsdecken oder gewöhnliche Schweißerbrillen. Sie bieten – unabhängig davon, wie undurchsichtig sie wirken mögen – keinen zuverlässigen Schutz für den direkten Blick in die Sonne.

Was eine zugelassene Sonnenfinsternisbrille erfüllen muss

Der ZVA benennt klare Mindestanforderungen: Eine geeignete Sonnenfinsternisbrille muss das CE-Zeichen tragen und der Norm DIN EN ISO 12312-2:2015 entsprechen. Entscheidend ist die Filterwirkung – die Folie darf höchstens 0,001 Prozent des Sonnenlichts durchlassen. Dieser Wert liegt weit unter dem, was herkömmliche Sonnenbrillen leisten.

Wer noch eine Sonnenfinsternisbrille aus einem früheren Ereignis besitzt, sollte sie vor dem 12. August sorgfältig prüfen. Der ZVA empfiehlt, die Folie auf Kratzer, Risse, Löcher, Knicke und Ablösungen zu untersuchen – bei älteren Pappbrillen besonders an den Übergängen zwischen Folie und Fassung. Sind Schäden erkennbar oder bestehen Zweifel, sollte die Brille nicht mehr verwendet werden. Augenoptiker können dabei helfen, vorhandene Brillen zu prüfen und gegebenenfalls geeignete Modelle anbieten. Die Verfügbarkeit könnte allerdings knapp werden: Das Interesse steigt seit Tagen.

Sonderfall: Fernglas, Teleskop und Kamera

Wer die Sonnenfinsternis mit optischen Geräten beobachten möchte, muss besonders vorsichtig sein. Eine Sonnenfinsternisbrille vor den Augen reicht in diesen Fällen nicht aus: Ferngläser, Teleskope und Kameras bündeln die Sonnenstrahlung und erhöhen dadurch die Gefahr erheblich. Geeignete Sonnenfilter oder Schutzfolien müssen stets fachgerecht vor dem Objektiv angebracht werden.

Der ZVA empfiehlt, sich dafür im Fachgeschäft beraten zu lassen. Dort lässt sich prüfen, ob die verwendeten Materialien den Anforderungen entsprechen und korrekt eingesetzt werden. Von improvisierten Filterlösungen – ob vor optischen Geräten oder vor den Augen – ist in jedem Fall abzuraten.

Das Landesmuseum Oldenburg erklärt, wie man sich eine Lochkamera selbst bastelt.

Alternativen für alle ohne geeignete Schutzbrille

Wer keine zugelassene Sonnenfinsternisbrille auftreiben kann, hat dennoch Möglichkeiten zur sicheren Beobachtung. Eine bewährte Methode ist die Lochkamera: Durch ein kleines Loch in einem Karton wird das Bild der Sonne auf eine helle Fläche projiziert – ohne dass man selbst in die Sonne schauen muss. Das Gerät lässt sich sogar aus einer Chipsdose selbst bauen.

Wer das Ereignis in einer organisierten Umgebung erleben möchte, dem empfiehlt sich der Besuch einer Sternwarte. "Die besten und die sichersten Orte zum Gucken sind die Sternwarten", sagt Stuttgarts Sternwarten-Direktor Ubbo Grassmann. Bundesweit sind zahlreiche Häuser auf das Ereignis vorbereitet; parallel findet die "Lange Nacht der Astronomie" statt. 

>> Weitere Informationen gibt das Bundesamt für Strahlenschutz in seinen Tipps für Sonnengucker ewö