Internationale Handwerksmesse 2019 Sonderschau Exempla: Was Textilien so alles können

Die Sonderschau "Exempla" auf der Internationalen Handwerksmesse in München steht vom 13. bis 17. März wieder unter einem besonderen Motto: Internationale Aussteller präsentieren in Halle B1 ihre Werke zum Thema "Textil – Stoff der Zukunft".

Jens Christopher Ulrich

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    © Paul Josef Wolf
    Die von Christine Gerg gefertigten Wadenstrümpfe für Frauen werden zur Tracht getragen und "Röcklinge" genannt.
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    © André Reuter
    Am Webstuhl von Katja Stelz entstehen Teppiche nach überlieferten Webtechniken.
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    © Andre Niemann
    Das Basalt-Gestrick "SEAL" schützt beispielsweise im Meer stehende Windräder vor Algen und Muscheln.
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    Die von Naren Qiqige gefertigten Deels für Frauen sind oft reichhaltig verziert.

Die Exempla wird seit 1970 jährlich als größte Sonderschau von der Handwerkskammer für München und Oberbayern organisiert. Trachten sind seit einigen Jahren nicht nur in Bayern wieder schwer angesagt – und damit auch "Loferl“. Die verzierten Wadenstrümpfe, auch "Heaslan“ oder "Pfosen“ genannt, sind die Spezialität von Christine Gerg aus dem oberbayerischen Wallgau bei Mittenwald. Ihre aufwändigen Loferl sind aus handgefärbter Wolle. Gerg strickt auch Wadelstrümpfe für Frauen, sogenannte Röcklinge. Auf der Exempla zeigt sie dem Publikum, wie Loferl entstehen.

Stroh, Seegras und Rosshaar sorgen für Komfort

Polstermöbel, Sitzmöbel und Matratzen gehören zum Standardrepertoire eines Polsterers oder Raumausstatters. Seine Arbeitstechnik hat sich in den letzten hundert Jahren sehr gewandelt: Wurden anfangs nur Lederstücke auf einen Holzrahmen genagelt, um daraus Sitze und Bänke zu bauen, verbesserte später der Einsatz von Stroh, Seegras oder Rosshaar den Sitzkomfort. Günter Hammerschall absolvierte seine Ausbildung zum Polsterer und Raumausstatter bei der Anton Buchele Raumgestaltung in München.

Nach seiner Meisterprüfung studierte er an der Akademie der Bildenden Künste in Rom sowie an der Universität der Angewandten Künste in Wien. An der Akademie der Bildenden Künste in München machte er den Master in Innenarchitektur. Seit 2002 betreibt Hammerschall eine eigene Werkstatt. Seine Arbeiten reichen von klassischen Polsterungen, die seit Jahrhunderten eingesetzt werden, bis hin zu Designer-Prototypen. Auf der Exempla zeigt er in einer lebenden Werkstatt sein Können.

Mit Edelsteinen verzierte Deels zeigen den Status des Trägers

Die traditionelle Bekleidung der Mongolen hat eine jahrhundertealte Geschichte. Die Kleidung besteht aus einem klassischen Kleid, genannt "Deel“, Hut, Stiefeln und Accessoires, die sich zwischen den verschiedenen ethnischen Gruppen der Mongolei unterscheiden. Das Deel hat lange Ärmel, die sich auf der Höhe der Schultern zusammenklappen lassen; außerdem trägt man einen hohen Kragen und eine meterlange Stoffschärpe um die Hüfte. Dort sind Dinge des täglichen Lebens wie Essgeschirr, die Schnupftabakdose sowie der Tabak- und Pfeifenbeutel befestigt. Die Deels der Männer bestehen aus dickem Stoff oder aus Baumwolle, Deels von Frauen sind oftmals aus Seide und mit Dekoren bedruckt. Mit Edelsteinen verziert, zeigen sie den sozialen Status des Trägers. Die Schneiderin Naren Qiqige aus Hohhot in der Zentralmongolei stellt auf der Exempla einige ihrer schönsten Kostüme und Kopfbedeckungen aus und zeigt live vor Ort, wie diese gefertigt werden.

Neben hochwertigen Waren für namhafte ­Bekleidungsunternehmen stellt die Helmut Peterseim Strickwaren GmbH aus Mühlhausen in Thüringen auch "technische Textilien“ wie das Basalt-Gestrick "SEAL“ her. Entwickelt wurde es mit Unterstützung des Bundeswirtschaftsministeriums im 2012 ins Leben gerufenen "Basaltfaser-Netzwerk“, an dem insgesamt zehn Firmen und Forschungsinstitute aus ganz Deutschland mitarbeiten. Hochsee-Bojen, Windräder, Brücken, Bohrplattformen, Kaimauern oder Untersee-Rohrleitungen können mit Hilfe technischer Textilien künftig wirksamer und kostengünstiger gegen Korrosion und Ablagerungen von Algen und Muscheln geschützt werden. Bisher war zweimal im Jahr eine aufwändige Reinigung nötig. Basaltfasern sind von fester Konsistenz, umweltneutral, beständig gegen Chemikalien und Hitze (bis 800 °C) sowie UV-stabil. Hergestellt werden sie aus bei 1.400 °C geschmolzenem Basaltgestein, aus dem Fäden gezogen und dann verzwirnt werden.

So können die Fäden ohne chemische Zusätze hergestellt und am Ende auch wieder recycelt werden. Der Helmut Peterseim GmbH ist es gelungen, die Fäden mit konventioneller Stricktechnologie zu verarbeiten. Auf der Exempla sind Strickmuster von SEAL zu sehen.

Katja Stelz aus Palingen in Mecklenburg-Vorpommern ist Weberin aus Leidenschaft. Ihre für den Wohnbereich konzipierten Teppiche, Sitzkissen und Wolldecken fertigt sie nach überlieferten Webtechniken. Stelz stimmt die Bindungstechniken sorgsam auf die Materialeigenschaften ab. Sie arbeitet bevorzugt mit reiner Schurwolle, feinem Leinen und robustem Ziegenhaar. Für Tücher verwendet sie auch Kammgarn, Merino und Seide. Auf der Exempla arbeitet sie an einem Flying-8-Web

Rekonstruktion von historisch wertvollen Geweben

Bereits 1868 wurde die Weberei Eschke in Mühltroff im sächsischen Vogtland gegründet. Heute sitzt die eschke seidenmanufaktur in Crimmitschau im Landkreis Zwickau und rekonstruiert hochwertige, historisch wertvolle Gewebe und Drucke nach Originalen, Bruchstücken und Fotos.

Gewebt wird weitestgehend fadengenau in Seide und Seidenmischungen, Wolle, Baumwolle und Leinen. Auf Wunsch lassen sich mit den hochmodernen Webmaschinen auch historisch originalgetreue oder moderne textile Raumausstattungen herstellen. Jede Rekonstruktion stellt das Team vor eine besondere Aufgabe und hat ihre eigenen Spezifika – von Ikat bis zum Brokat, vom Taft bis zum broschierten Gewebe, vom Tibet bis zum Wolljacquard, vom Chintz bis zum Moiré.

Die eschke seidenmanufaktur arbeitete bereits für die Potsdamer Schlösser, Schloss Nymphenburg, Stadtschloss Greiz, Schloss Ludwigslust bis hin zu den Hofburgen Innsbruck und Wien sowie Schloss Schönbrunn. Auf der Exempla präsentiert das Unternehmen eine Reihe von rekonstruierten Seidengeweben.

Alle Informationen zur Internationalen Handwerksmesse unter ihm.de .