50 Jahre Bau-Umlage Solidarmodell am Bau: So funktioniert die Ausbildungsumlage

Seit 50 Jahren zahlen Baubetriebe monatlich einen Berufsbildungsbeitrag an SOKA-BAU. Wer ausbildet, bekommt aus diesem Topf einen Großteil der Ausbildungskosten erstattet, darunter Ausbildungsvergütungen und nahezu die gesamten Kosten der überbetrieblichen Ausbildung. Warum ausbildende Kleinbetriebe mitunter sogar mehr Leistungen erhalten, als sie Beiträge zahlen.

Gegen den Trend: Während die Ausbildungszahlen branchenübergreifend sinken, legt der Bau im laufenden Ausbildungsjahr um 13 Prozent zu. - © U. J. Alexander - stock.adobe.com

Die Bauwirtschaft finanziert die Ausbildung ihres Nachwuchses seit 50 Jahren über eine branchenweite Umlage – und beschreibt sie als wirksames Mittel gegen den Fachkräftemangel.

Das Modell funktioniert solidarisch: Alle Betriebe zahlen ein, ausbildende Firmen bekommen den Großteil ihrer Kosten erstattet. Das geht aus einer gemeinsamen Mitteilung des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie (HDB), des Zentralverbands des Deutschen Baugewerbes (ZDB), der IG Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) und der SOKA-BAU hervor.

Als Beleg für die Wirkung verweisen die vier Absender auf die aktuellen Ausbildungszahlen: Im laufenden Ausbildungsjahr ist die Zahl der neuen Auszubildenden am Bau um rund 13 Prozent gestiegen, während sie branchenübergreifend um etwa drei Prozent gesunken ist.

Tarifvertrag von 1976 als Grundlage

Am 1. Mai 1976 trat der "Tarifvertrag über das Verfahren für die Berufsbildung im Baugewerbe" in Kraft. Abgeschlossen hatten ihn ZDB, HDB und die damalige Industriegewerkschaft Bau-Steine-Erden, heute IG BAU. In aktualisierter Form bildet er bis heute die Grundlage der Bauausbildung. Umgesetzt wird die Umlage von SOKA-BAU.

Das Prinzip: Alle Betriebe der Bauwirtschaft zahlen monatlich einen Beitrag für jeden Beschäftigten an SOKA-BAU. Für gewerbliche Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind es 1,9 Prozent der Bruttolohnsumme, für Angestellte ein Festbetrag von 18 Euro. Weil das Bundesarbeitsministerium die Tarifverträge für allgemeinverbindlich erklärt hat, gelten sie für die gesamte Branche – also auch für nicht tarifgebundene Betriebe.

Wer ausbildet, bekommt aus diesem Topf einen Großteil der Kosten erstattet. Dazu gehören die Ausbildungsvergütungen – bei gewerblichen Azubis über drei Jahre verteilt 17 Monatsgehälter – sowie nahezu alle Kosten der überbetrieblichen Ausbildung in den rund 180 Ausbildungszentren der Branche. Diese sichern ein einheitliches Niveau, unabhängig von Größe oder Spezialisierung des Ausbildungsbetriebs. Die Qualität der Zentren wird im Auftrag von SOKA-BAU regelmäßig geprüft.

Warum kleine Betriebe besonders profitieren

Im vergangenen Jahr flossen 486 Millionen Euro an Ausbildungsvergütungen und überbetrieblichen Ausbildungskosten zurück an die Betriebe. "Betriebe mit der für die Bauwirtschaft typischen kleinen Betriebsgröße bekommen aus dem Verfahren, wenn sie ausbilden, mitunter sogar mehr Leistungen, als sie Beiträge zahlen", sagt SOKA-BAU-Vorstand Gerhard Mudrack.

Auch nicht ausbildende Firmen profitieren laut SOKA-BAU-Vorstand Werner Schneider – nämlich dann, wenn sie qualifizierte Fachkräfte einstellen. Wechsel sind in der Bauwirtschaft häufig: Rund ein Fünftel der Beschäftigten wechselt nach weniger als einem Jahr den Betrieb.

Vergütungen an der Spitze

Zum Ausbildungsplus tragen aus Sicht des ZDB auch die Konditionen bei. "Die Bauwirtschaft bietet gute Zukunftsperspektiven. Dazu gehören auch die Ausbildungsvergütungen, die im Vergleich zu anderen Branchen an der Spitze liegen", sagt ZDB-Vizepräsident Uwe Nostitz. Zusätzlich erhielten alle Azubis schon während der Ausbildung eine tariflich geregelte betriebliche Altersvorsorge.

Seit einigen Jahren ergänzt das Projekt "Berufsstart Bau" die Finanzierung. Es setzt auf regionale Maßnahmen in überbetrieblichen Ausbildungsstätten gemeinsam mit Bauunternehmen vor Ort. "Mit Berufsstart Bau gewinnt die Bauwirtschaft Jugendliche, die ansonsten nicht den Weg ins Berufsleben und in die Branche gefunden hätten", sagt IG-BAU-Vorsitzender Robert Feiger.

Vorbild für andere Branchen und Länder

Das Modell hat Nachahmer gefunden: Die Pflegebranche hat eine ähnliche Ausbildungsfinanzierung übernommen. Darüber hinaus wurden Ausbildungsumlagen mittlerweile auch im Ausland eingeführt, wie beispielsweise eine branchenübergreifende Ausbildungsfinanzierung in Großbritannien.

"Energiewende, Verkehrswende, ausreichend Wohnraum: Die gesellschaftlichen Aufgaben der Bauwirtschaft gelingen nur gemeinsam, Hand in Hand", sagt Jutta Vogt, Vizepräsidentin Sozialpolitik beim HDB.

Weiterbildung soll stärker in den Fokus

Neben der beruflichen Ausbildung stärkt SOKA-BAU zunehmend auch den Bereich Weiterbildung. "Wir wollen Unternehmen künftig noch gezielter dabei helfen, passende Weiterbildungsangebote zu finden und zu nutzen", erläutert Mudrack. Geplant ist eine digitale Plattform. Außerdem sollen Betriebe bei der Nutzung von Fördermöglichkeiten begleitet werden, etwa durch die Bundesagentur für Arbeit. "Damit erweitern wir unser Angebot sinnvoll und greifen zugleich den steigenden Bedarf in der Branche auf", ergänzt Schneider. fre