Kommentar Solarwirtschaft: Zurück zur Normalität

Die Kürzungen der Bundesregierung treffen die Solarwirtschaft hart. Eine Konsolidierung ist unvermeidlich. Doch der Markt ist noch nicht tot. Wichtig ist jetzt, den Kunden zu sagen, dass auch weiterhin Renditen von fünf Prozent und mehr mit Photovoltaik möglich sind.

Burkhard Riering

Burkhard Riering, Chefredakteur der Deutschen Handwerks Zeitung. - © Zeichnung: Kasia Sander
Burkhard Riering

Der Sinn von Subventionen und Förderungen ist bekannt: Sie sollen jungen, zukunftsträchtigen Wirtschaftsbereichen möglichst schnell zu einem Durchbruch im Markt verhelfen. Mit Blick auf die Solarwirtschaft war das nicht unerfolgreich: Erst das Erneuerbare-Energien-Gesetz vor zwölf Jahren hat die Solarbranche zu einer einzigartigen Erfolgsstory in Deutschland werden lassen.

Ein rasanter Zubau mit Anlagen hat bundesweit stattgefunden, große Hersteller sind entstanden und Zigtausende Arbeitsplätze im Handwerk wurden auf diese Weise geschaffen. So hat sich Deutschland einen beachtlichen Technologievorsprung erarbeitet und wird heute weltweit für seinen Einsatz bei den erneuerbaren Energien bewundert.

Der Sinn von Subventionen ist aber auch, sich nach Jahren der Starthilfe aus dem Wirtschaftsbereich wieder zurückzuziehen. An diesem Punkt sieht die Bundesregierung nun die Solarbranche, deshalb hat sie drastische Förderkürzungen durchgesetzt.

Solarindustrie leidet

Das ist für viele Solarhersteller zu früh, sie stehen erst kurz vor dem Durchbruch. Einige prominente Unternehmen sind bereits insolvent gegangen, andere sollen folgen. Die Kürzungen in diesem Jahr werden die Pleitewelle in der Industrie beschleunigen.

Doch wie schlimm wird es wirklich? Wird der ganzen Industrie jetzt der Saft abgedreht oder handelt es sich bloß um eine Marktkonsolidierung?

Noch immer Rendite möglich

Fakt ist: Der Markt ist nicht tot. Noch immer können Solarbetreiber Renditen von fünf Prozent und mehr erzielen. Die Nachfrage wird also nicht gleich komplett einbrechen. Es gibt sogar Prognosen, nach denen 2012 wieder ein Rekordjahr wird.

Mit hoher Wahrscheinlichkeit sind das aber chinesische Module und keine deutschen mehr, die da auf die Dächer gebaut werden und das ist ein Tiefschlag für die deutsche Industrie. Füe die Solaranlagenbetreiber bedeutet das mehr Marge. Fürs Handwerk indes ist erst einmal entscheidend, dass weiter installiert wird, so nüchtern das klingen mag.

Sonne keine Priorität mehr

Fast 23 Milliarden Euro wurden 2011 in erneuerbare Energien investiert mehr als 60 Prozent davon gingen auf das Konto der Photovoltaik. Sonnenstrom hatte stets Priorität. Auf Deutschland warten aber in der Energiewende noch viele andere Aufgaben wie zum Beispiel der teure, aber immens wichtige Netzausbau.

Daher steht die Solarbranche nicht mehr an erster Stelle, das müssen die Beteiligten wissen. Aber das muss nicht gleich den Sonnenuntergang bedeuten.