Wegen Millionenzahlungen an den kurzzeitigen Unternehmenschef Utz Claassen drohen Aufsichtsräten der Erlanger Kraftwerksfirma Solar Millennium strafrechtliche Konsequenzen. Die Staatsanwaltschaft Nürnberg führt in dieser Angelegenheit Vorermittlungen durch, wie ein Sprecher der Behörde am Freitag der Nachrichtenagentur dapd sagte.
Solar-Millennium-Aufsichtsräten drohen strafrechtliche Konsequenzen
Nürnberg/München (dapd). Wegen Millionenzahlungen an den kurzzeitigen Unternehmenschef Utz Claassen drohen Aufsichtsräten der Erlanger Kraftwerksfirma Solar Millennium strafrechtliche Konsequenzen. Die Staatsanwaltschaft Nürnberg führt in dieser Angelegenheit Vorermittlungen durch, wie ein Sprecher der Behörde am Freitag der Nachrichtenagentur dapd sagte.
Die "Süddeutsche Zeitung" (Freitagausgabe) zitierte aus einem laut Bericht bislang unter Verschluss gehaltenen internen Untersuchungsbericht von Solar Millennium, in dem der Aufsichtsrat schwer belastet werde. In der Expertise sei von einem "gravierenden aktienrechtlichen Verstoß" die Rede. Dieser sei womöglich als Untreue "in einem besonders schweren Fall" zu werten.
Dabei gehe es um eine Zusatzvereinbarung mit Claassen über dessen ursprünglichen Arbeitsvertrag mit Solar Millennium hinaus. Dessen Gehalt und damit verbundene Rückzahlungsregelungen bei vorzeitigem Ausscheiden würden in dem Untersuchungsbericht als "grenzwertig" bezeichnet, schreibt die Zeitung weiter.
Solar Millennium machte gegenüber dapd deutlich, dass das Unternehmen keine Hinweise darauf habe, dass bei der Bestellung Claassens rechtliche Verstöße begangen wurden. Dies zeigten auch die bisherigen Untersuchungen einer beauftragten Anwaltskanzlei, sagte Vorstandschef Christoph Wolff. "Wir wollen eine vorbehaltlose Aufklärung, und es muss Schluss sein mit den ständigen Beschuldigungen. Wir gehen der Sache auf den Grund", fügte er hinzu. Der von der Zeitung zitierte Untersuchungsbericht sei schon älter und nicht aussagekräftig.
Claassen war von 1. Januar bis 15. März 2010 Vorstandsvorsitzender bei Solar Millennium. Nachdem sich die Firma und Claassen nach nur 74 Arbeitstagen im Unfrieden trennten, kassierte der frühere EnBW-Chef neun Millionen Euro. Inzwischen hat er Solar Millennium auf die Zahlung einer Abfindung von 7,1 Millionen Euro verklagt.
dapd
