Projekte eMasterCraft und eBauen Software: So erleichtert sie Handwerkern die Arbeit

Elektronische Programme und Standards können Arbeitsprozesse im Handwerk vereinfachen und beschleunigen. Zwei Praxisbeispiele aus dem Maler- und Baugewerbe zeigen, wie es geht.

Johanna Martens und Steffen Guthardt

Über das Handy lassen sich zum Beispiel Arbeitsabläufe auf der Baustelle organisieren. - © Foto: eBauen/Mittelstand Digital

Wie können elektronische Anwendungen in die Arbeitsabläufe von Handwerksbetrieben integriert werden und den Alltag erleichtern? Diese Frage steht im Mittelpunkt des Projekts "eMasterCraft", das im Rahmen der Initiative "Mittelstand-Digital" vom Bundeswirtschaftsministerium unterstützt wird.

Vor allem auf der Baustelle können viele Arbeitsschritte durch die digitale Erfassung und Weiterleitung von Informationen erleichtert werden, sind sich die Projektleiter sicher. Zwei Handwerksbetriebe nehmen an dem Projekt teil: der Zimmerei- und Holzbaubetrieb Fritz Stenger aus Heimbuchenthal in Unterfranken und die Malerei Adam Oswald aus dem hessischen Geisenheim.

Effizienz steigern

Frank Oswald stand nach der Übernahme des elterlichen Malerbetriebs vor der Herausforderung, das Unternehmen, das schon in der vierten Generation im Besitz der Familie ist, für die Zukunft fit zu machen. Dem ausgebildeten Maler- Lackierermeister sowie Betriebswirt des Handwerks war klar, dass sich die Arbeitsprozesse im Betrieb ändern müssen, um zeitsparender und effizienter zu arbeiten und so weiterhin konkurrenzfähig zu bleiben.

Als Partner im Projekt "eMasterCraft" hat der Betrieb die Digitalisierung der Arbeitsprozesse in Angriff genommen und mit der Einführung von elektronischen Geschäftsprozessen begonnen.

Konkret hat das Handwerksunternehmen durch die Digitalisierung seiner Stammdaten einzelne Arbeitsschritte derart vereinfacht, das diese effizienter ablaufen. Dazu zählt die Digitalisierung von Materialinformationen von Lieferanten und anderen beteiligten Firmen, aber auch die elektronische Erfassung von Arbeitszeiten.

Baustellenhandys für alle

Alle Mitarbeiter wurden mit besonders robusten Baustellenhandys ausgerüstet und stehen damit immer im direkten Kontakt mit dem Büro. Sie können Baustellenbehinderungen, Zusatzleistungen und Verbesserungsvorschläge mit Foto oder Sprachnotiz erfassen und sofort an die zuständige Person im Betrieb weiterleiten.

Vor allem die mobile Zeiterfassung trägt dazu bei, dass die Mitarbeiter schneller arbeiten können. "Obwohl wir bereits vorher schon gut organisiert waren, konnten wir unsere Prozesse noch effektiver und strukturierter gestalten", sagt Frank Oswald.

Auch wenn es nicht immer einfach war, die Prozesse und Arbeitstechniken in den regulär weiterlaufenden Arbeitsalltag einzubetten, haben sich die standardisierten elektronischen Arbeitsschritte bezahlt gemacht. Die Organisation der Arbeit konnte vereinfacht und der Kundenservice wesentlich verbessert werden "Durch die klare Übersicht sind wir dem Kunden immer einen Schritt voraus und können ihm dadurch die Dienstleistung anbieten, die er benötigt", sagt Oswald.

Digitale Bauakte erstellt

Ein weiteres Beispiel dafür, wie digitalisierte Arbeitsprozesse zu einem Effizienzgewinn im Handwerk führen können, ist das Trockenbau­unternehmen Troka aus Köln. Der Betrieb ist neben dem Schreiner- und Fensterbetrieb Brammertz aus Aachen Partner im Projekt "eBauen", das ebenfalls vom Bundeswirtschaftsministerium gefördert wird. Der Ansatz ist, dass sich mit E-Business-Lösungen Bauprozesse intelligenter organisieren lassen.

Das Handwerksunternehmen Troka hat sich Gedanken gemacht, inwiefern die eigene Prozesslandschaft effizienter gestaltet werden kann. "Dabei ist uns aufgefallen, dass wir einen Wust an Papieren und Zetteln haben, der uns die Organisation im Büro nicht leichter macht", sagt Geschäftsführer Klaus Arbeiter.

Die Firma hat sich deshalb entschieden, die Baupläne zu digitalisieren. Fast alle Betriebe im Handwerk arbeiten mit der Dokumentensoftware Microsoft Office, das OneNote – eine Art digitales Notizbuch – enthält. Das hat sich Troka mit Hilfe von Experten zunutze gemacht, um aus OneNote heraus eine Software zu entwickeln, mit der die Mitarbeiter immer auf die verschiedenen Prozesse zugreifen können und jeder auf dem gleichen Stand ist. Herausgekommen ist eine digitale Bauakte, die nun auch auf der Baustelle oder bei Kundenterminen jederzeit per Smartphone und Tablet-PC einsehbar ist und sich bearbeiten lässt.

"eMasterCraft"
Laufzeit: Das Projekt ist im August 2012 gestartet und läuft bis zum 31. Juli 2015.
Ziel: Zeit und Aufwand von Aufträgen im Bau- und Ausbauhandwerk auf der Baustelle und im Büro sollen verringert werden. Gleichzeitig sollen die Betriebe produktiver werden und die Selbstorganisation und Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter sich erhöhen. Dafür werden bei den teilnehmenden Betrieben elektronische Geschäftsprozesse eingeführt und Daten und Dokumente schrittweise digitalisiert.
Informationen: Alle Details finden Sie unter e-mastercraft.de .

"eBauen"
Laufzeit: Das Projekt ist im November 2011 gestartet und läuft bis zum 31. Mai 2015.
Ziel: Betriebe aus dem Bauhandwerk sollen ihre Abläufe und Prozesse durch den Einsatz von E-Business-Anwendungen verbessern. Fehler sollen reduziert und die Prozessgeschwindigkeit soll erhöht werden. Ein Schwerpunkt ist energieeffizientes Bauen. Ein besonderer Fokus liegt auf den Bereichen „Marketing und Vertrieb“, „Partner und Einkauf“ sowie „Kundenintegration“.
Informationen: Alle Details zum Projekt finden Sie unter ebauen.de .