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IFH So zufrieden sind Handwerker mit ihrer Berufswahl

Eine wissenschaftliche Studie zeichnet ein positives Selbstbild des Handwerks. Was Handwerker besonders an ihrem Beruf schätzen – und was die Freude am Job oft etwas schmälert.

Rund 85 Prozent der Handwerkerinnen und Handwerker sind stolz auf die eigene Arbeit und identifizieren sich stark mit ihrer handwerklichen Tätigkeit. Das geht aus einer Studie des Volkswirtschaftlichen Instituts für Mittelstand und Handwerk (IFH) an der Universität Göttingen hervor.

Für den Präsidenten des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), Hans Peter Wollseifer, ist das keine Überraschung: "Gerade in den letzten Monaten hat man noch einmal besonders erlebt, wie bedeutend das Handwerk in Deutschland ist. In der Corona-Pandemie haben Handwerker maßgeblich dazu beigetragen, das Land am Laufen zu halten. Da kann man nicht umhin, stolz auf seinen Handwerksberuf zu sein." Die Studie untersuchte das berufliche Selbstbild sowie die Arbeits- und Lebenszufriedenheit im deutschen Handwerk anhand einer deutschlandweiten Umfrage. Befragt wurden rund 2.000 Teilnehmer.

Demnach ist für vier von fünf Handwerkern ihr Beruf ein bedeutender Teil der eigenen Persönlichkeit. Rund zwei Drittel der Befragten geben an, dass die Beschäftigung im Handwerk Leidenschaft und eine Berufung ist. Als besonders positiv wird angesehen, dass Handwerker die Ergebnisse ihrer Arbeit sehen können und die Möglichkeit haben, das gesamte Werkstück und nicht nur einen Teil davon eigenhändig herstellen zu können. "Dadurch nehmen sie ihre Arbeit als nützlich und sinnstiftend wahr", schreiben die Autoren der Studie, Ann-Kathrin Blankenberg und Martin Binder.

Bürokratie schmälert Freude

Besonders ausgeprägt ist die Zufriedenheit bei Handwerkern, die sich hauptsächlich auf ihre handwerkliche Tätigkeit konzentrieren können. Wer dagegen viel mit bürokratischen Aufgaben zu tun hat oder sich vornehmlich um die Gewinnung von Kunden kümmern muss, ist weniger zufrieden mit seiner Arbeit. Besonders erfüllt von ihrer Arbeit sind zudem Handwerker, die ein Unternehmen leiten. "Sowohl die Arbeitszufriedenheit als auch das berufliche Selbstbild nehmen in der beruflichen Entwicklung von Auszubildenden hin zum Meister zu", schreiben die Verfasser.

Untersucht wurde auch die Frage, warum genau Handwerker glücklich mit ihrer Arbeit sind. Besonders zufrieden äußerten sich die Befragten, dass sie viele Möglichkeiten zur Eigeninitiative hätten. Sie schätzen, Entscheidungen eigenständig treffen oder über die Herangehensweise selbst befinden zu können. 73 Prozent zeigten sich "zufrieden" bis "ganz und gar zufrieden". Auch das Verhältnis zu Vorgesetzten (66 Prozent) und Kollegen (68 Prozent) wurde positiv hervorgehoben. Kritischer äußerten sich die Umfrageteilnehmer zu Entwicklungsmöglichkeiten, Arbeitsstunden und zu ihrer Bezahlung. Mit der Bezahlung etwa zeigten sich nur 25 Prozent zufrieden bis ganz und gar zufrieden.

Die Autoren der Studie wollten nicht nur wissen, wie es um die berufliche Zufriedenheit der Handwerker bestellt ist. Sie warfen auch die Frage auf, wie glücklich die Befragten des deutschen Handwerks mit ihrem Leben allgemein sind. Danach ist knapp die Hälfte der Befragten (46 Prozent) zufrieden bis ganz und gar zufrieden. Frauen äußern sich positiver als Männer. Besonders zufrieden sind Handwerker im Alter über 45 Jahren. Auch in dieser Kategorie zeigt sich ein Unterschied nach Position und Hierarchiestufe. Knapp die Hälfte der Personen mit Meisterprüfung (49 Prozent) ist zufrieden mit dem eigenen Leben. Bei den Gesellen sind es 37 Prozent.

Familie gibt Rückhalt

Die Studie lief unter dem Titel "Handwerksstolz" und ging daher auch der Frage nach, inwiefern Handwerker für ihre Arbeit mit Anerkennung bedacht werden. Außerordentlich viele Handwerker gaben in der Befragung an, dass die Familie ihren Beruf respektiere. Kritischer fiel die Antwort aus, ob auch die Gesellschaft der handwerklichen Tätigkeit ausreichend Respekt entgegenbringe.

Unterm Stich bescheinigen die Autoren den Beschäftigten im deutschen Handwerk ein "stark ausgeprägtes berufliches Selbstbild". "Am höchsten ist die Zufriedenheit bei jenen Handwerkern, die sich hauptsächlich auf ihre handwerkliche Tätigkeit konzentrieren können." Wer mit seinen Händen (oder mit Werkzeugen) arbeitet und am Ende des Tages sieht, was er geschafft hat, empfindet seine Tätigkeit als sinnvoll.

Die Studie der Göttinger Forscher deckt sich mit ähnlichen Untersuchungen aus jüngerer Zeit. So untersuchte das Karlsruher Institut für Betriebsführung im Handwerk (ITB) in der Handwerkskammer Freiburg die Lage soloselbstständiger Handwerker. Auch für diese Gruppe lautete das Ergebnis: Soloselbstständige arbeiten gerne. Sie schätzen ihre Freiheit, obwohl ihnen die schwankende Auftragslage zu schaffen macht.

Den Stolz auf die eigene Arbeit stellt das Handwerk derzeit in seiner Imagekampagne in den Mittelpunkt. Seit Anfang September erzählen fünf Botschafter stellvertretend für mehr als 5,5 Millionen Handwerkerinnen und Handwerker in Deutschland auf Plakaten und in Videos, wie das Handwerk sie zu dem gemacht hat, was sie sind.

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