Pandemie stoppt Aufschwung im Handwerk So wirkt sich die Corona-Krise auf die einzelnen Gewerke aus

Nicht nur auf dem deutschen Arbeitsmarkt hinterlässt die Corona-Pandemie deutliche Spuren, auch mit den guten Botschaften aus dem Handwerk ist es erstmal vorbei: Viele Unternehmen fürchten laut einer Umfrage des Zentralverbands des Deutschen Handwerks um ihre Existenz. Welche Handwerksbetriebe am meisten unter der Krise leiden und welche weniger betroffen sind.

Trotz Corona wird laut Zentralverband des Deutschen Handwerks auf vielen Baustellen weiterhin gearbeitet. - © H_Ko - stock.adobe.com

In der Spitze der Corona-Krise werde laut führenden Wirtschaftsforschungsinstituten die Arbeitslosenquote in Deutschland auf 5,9 Prozent und die Zahl der Kurzarbeiter auf 2,4 Millionen hochschnellen. Das zeigt das Frühjahrsgutachten der Institute. Im Durchschnitt werden demnach die Arbeitslosenzahlen im Vergleich zum Vorjahr um knapp eine Viertel Million auf 2,5 Millionen steigen. Auswirkungen habe die Rezession auch auf die verfügbaren Einkommen der privaten Haushalte, die im laufenden Jahr erstmals seit der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09 sinken werden.

70 Prozent der Handwerksunternehmen melden Umsatzeinbußen

Auch im Handwerk hat die Corona-Krise die gute Konjunktur jäh beendet. In einer Umfrage des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) von Ende März meldeten 70 Prozent der befragten Unternehmen Umsatzeinbußen. "Dabei sanken die Umsätze der betroffenen Betriebe im Mittel um mehr als 50 Prozent", schreibt der ZDH. "Die Umsatzrückgänge führen dazu, dass viele an sich gesunde Betriebe aktuell um ihre Existenz fürchten." Von den Rückgängen seien alle Gewerke betroffen – allerdings nicht im selben Ausmaß.

Völlig zum Erliegen kamen demnach vor allem die Geschäfte der Dienstleistungsbetriebe wie Friseure oder Kosmetikstudios. Auch Caterer, Imbisse und Café-Geschäfte mussten schließen. Doch in vielen Bereichen wird weitergearbeitet – wenngleich in geringerem Umfang. "Bäcker, Konditoren, Metzger und andere Betriebe im Lebensmittelhandwerk halten ihre Geschäfte weitestgehend geöffnet", teilte der ZDH mit. Aber: Unter dem Verzicht "auf das umsatzrelevante wichtige Frühlingsgeschäft leiden fast alle Gewerke im Lebensmittelhandwerk".

Arbeit auf Baustellen wird weitestgehend fortgesetzt

Auf vielen Baustellen werde derzeit ebenfalls weitergearbeitet. Bodenleger, Maler und Lackierer sowie Maurer oder Gerüstbauer dürften also weiterhin gut zu tun haben. Auch das "Sanitär-, Heizungs- und Klimahandwerk sowie Elektriker oder die Kfz-Werkstätten erbringen weiterhin ihre Leistungen", hieß es.

Die Elektrohandwerke in Deutschland kommen vergleichsweise glimpflich durch die Corona-Krise. Gemessen an anderen Handwerksbereichen sei die Branche weniger betroffen und habe noch ein Auftragspolster in den Büchern, heißt es in einer Umfrage, die der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH) unter rund 2.000 Betrieben durchgeführt hat und vergangene Woche veröffentlichte.

Kfz-Handwerk: Eingeschränkte Versorgung wegen unterbrochener Lieferketten

Trotzdem haben auch diese Unternehmen Einbußen. Manche Baustellen mussten schließen, etwa, weil Beschäftigte sich mit Sars-CoV-2 infiziert hätten oder bestimmte Materialien nicht geliefert werden könnten, heißt es vom ZDH. Die internationalen Lieferketten seien aus dem Takt geraten.

Das trifft demnach auch die autonahe Zulieferindustrie. "Aktuell gibt es erste Einschränkungen bei der Versorgung mit Ersatzteilen in allen Fahrzeugbereichen." Kfz-Werkstätten, Karosseriebauer und Landmaschinenmechaniker litten zudem darunter, dass Autohäuser geschlossen haben und derzeit Zulassungsschwierigkeiten bei Nutzfahrzeugen und Landmaschinen bestünden.

Kontaktbeschränkungen führen zu Problemen im Kundenumgang

Für die Verbraucher bedeutet all das in der Theorie, dass sie derzeit kürzer auf einen Handwerker warten müssen. Wenn Großaufträge wegbrechen, bleibt den arbeitenden Betrieben mehr Zeit für Privatkunden. Während des jahrelangen Aufschwungs mussten diese oft wochenlang warten, bis jemand zu ihnen kam. "Handwerksbetriebe stehen derzeit aber eher vor der Problematik, dass Privatkunden Handwerker aufgrund der beschlossenen Kontaktbeschränkungen nicht oder nur ungern in die eigene Wohnung lassen", teilte der ZDH mit. dpa