Aktive Warnsysteme für die Baustelle So wird der tote Winkel sichtbar

Kameras und Monitore an Fahrzeugen verbessern die Sicherheit auf der Baustelle. Aber auch andere Warnsysteme helfen Unfälle zu vermeiden. Vor- und Nachteile von Ultraschall-, Radar-, Funk- und Kamera-Monitor-Systemen im Überblick.

Aktive Warnsysteme helfen Unfälle auf der Baustelle zu reduzieren. - © Foto: Fotolia RAW

Fahrer von Baumaschinen und Nutzfahrzeugen müssen stets wachsam sein. Schwere und tödliche Unfälle ereignen sich immer wieder, weil Fahrer Personen oder Objekte im toten Winkel übersehen. Helfen können aktive Warnsysteme.

DieInitiative "Neue Qualität der Arbeit" hat eine Broschüre mit den Vor- und Nachteilen der Ultraschall-, Radar- und Funksysteme zusammengestellt. Außerdem erklärt sie, wer finanzielle Unterstützung leistet. 

1. Ultraschallsysteme

Ultraschallsysteme sind dafür geeignet, Objekte mit hoher Präzision bei niedrigem Tempo zu erkennen. Bei engen Rangiermanövern geben sie Übersicht und minimieren das Unfallrisiko. Besonders hilfreich sind diese Systeme bei Abfallsammelfahrzeugen, Fahrzeugen in Gegenden mit hohem Baumbestand, bei Baustellen-Lieferfahrzeugen und bei LKW, die im innerstädtischen Verkehr an Ampeln und Kreuzungen Fahrradfahrer oder Fußgänger beachten müssen.

Nicht geeignet ist dieses Warnsystem, wenn am Arbeitsort hohe Verschmutzungsgefahr herrscht, die Sicht durch Staub, Nebel, Rauch oder Schnee verdeckt ist oder das Fahrzeug in unwegsamen Gelände unterwegs ist. Dann piept oder blinkt es unnötig.

Durch besondere Technik kann ein mehrstufiges auditives Abstandswarnsystem und ein spezieller Erkennungsbereich eingestellt werden. Außerdem können Ultraschallsysteme beim Rückwärtsfahren in Rangiergeschwindigkeit aktiviert werden.

2. Radarsysteme

Radarsysteme bieten zuverlässige Warnung, auch bei schlechter Sicht. Sie sind dafür geeignet, Objekte im Umfeld von 20 Metern bei hoher Geschwindigkeit zu erkennen. Warnsysteme mit Radarsensoren erkennen Objekte bereits in 50 Millisekunden und helfen damit Abbiegeunfälle zu vermeiden. Nicht nur bei Nutzfahrzeugen, sondern auch bei Baumaschinen sowie land- und forstwirtschaftlichen Fahrzeugen erleichtern sie dem Fahrer das Rangieren und Rückwärtsfahren.

In Kombination mit einem Kamera-Monitor-System sind Radarsysteme besonders effizient. Radarsensoren geben zusätzliche Sicherheit bei der Sichtfeldüberwachung von schweren Maschinen.

Achtgeben sollte man beim Einsatzort und beim Aufgabengebiet des Fahrzeugs. In unwegsamem Gelände entstehen häufig unnötige Warnmeldungen .

Auch bei diesem System gibt es ein mehrstufiges Abstandswarnsystem und einen einstellbaren Erkennungsbereich. Optional ist zum Beispiel auch eine Rundumüberwachung durch zusätzliche Sensoren möglich.

3. Funksysteme

Funksysteme warnen Fahrer und Personen im Gefahrenbereich. In einem Umkreis von bis zu 25 Meter und bei einer Geschwindigkeit von bis zu 25 km/h, können sie auch Personen in verdeckten Bereichen erkennen. Andere Hindernisse werden bei diesem System nicht erkannt. Nützlich ist das Funksystem vor allem in eingezäunten Steinbrüchen, Recyclinghöfen und Großbaustellen. Auch bei schlechten Sichtverhältnissen, Nässe und starkem Schmutz funktioniert die Rundumerkennung.

Damit dieses Warnsystem genutzt werden kann, muss jede Baumaschine mit einem Sender ausgestattet werden und jede Person einen Empfänger tragen. Beide Seiten werden durch optische und akustische Signale alarmiert, wenn sie sich zu nahe kommen. Außerdem kann das System nur in einem geschlossenen Bereich mit Zugangskontrolle eingesetzt werden.

Insgesamt ist der Funkbereich bis zu 50 Meter weit. Es gibt ein mehrstufiges Personen-Erkennungssystem und eine konfigurierbare Sicherheitszone. Firmen können diese Technik schnell und unkompliziert Nachrüsten.

Alle drei aktiven Warnsysteme können zusätzlich zu Kamera-Monitor-Systemen angebracht werden. Sie helfen den Nahbereich vor, hinter und um die jeweilige Maschine herum zu überwachen. Allerdings sollten sie nicht dafür verwendet werden, Fahrbewegungen ohne Sicht durchzuführen.

4. Kamera-Monitor-Systeme

3D-Kamera-Monitor-Systeme ermöglichen eine 270 bis 360 Grad Rundumsicht. Mit einer richtig eingestellten Ultraweitwinkel-Kameralinse wird der komplette Nahbereich um das Fahrzeug herum sichtbar. Nur Systeme mit einer guten Ausstattung können Sicherheit bieten. Entscheidend ist die Qualität der Kamera und des Monitors. Insgesamt sollten drei bis vier Ultraweitwinkelkameras installiert werden. DieKameras sollten unterbrechungsfreie Echtzeit-Videobilder liefern, einen anpassbaren Sichtbereich und individuell einstellbare Auslöser für verschiedene Perspektiven haben.

Diemoderne Technik der Kamera-Monitor-Systeme ermöglicht eine Rundumsicht aus Vogelperspektive und macht alle Ecken sichtbar, wenn richtig kalibriert wird. Eingeblendete Führungslinien geben zusätzliche Orientierung. DieMonitore können optional einzelne Bereiche vergrößert darstellen, zum Beispiel bei Rückwärtsfahrten.

Berufsgenossenschaften bieten finanzielle Unterstützung

Informationen zu den Voraussetzungen, Prämienhöhen und Anmeldebögen geben die Berufsgenossenschaften. DieBerufsgenossenschaft der Bauwirtschaft unterstützt Betriebe, die Baumaschinen und Baustellen-LKW mit Kamera-Monitor-Systemen nachrüsten wollen.

Die Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie unterstützt den Kauf von Funk-Sensorik-Systemen für Baumaschinen und Baustellen-LKW. Diemeisten Berufsgenossenschaften bieten zudem Schulungen für ihre Mitglieder an. jb