Altersvorsorge So wird aus Kindergeld eine steuerfreie Rente

Eltern, die monatliche Kindergeld zur Seite legen und anlegen, können es für einen langfristigen Vermögensaufbau nutzen. Immerhin erhalten Eltern für ihr Kind bis zum 18. Geburtstag mindestens rund 44.000 Euro. Die richtige Anlage ist entscheidend, meint Philip Morgen, Geschäftsführer der 3i - Institut Innovativ Investieren in Oberursel/Ts im Interview.

Famielie aus Papier steht vor Sparschwein
Wer die Möglichkeit hat, das monatliche Kindergeld anzulegen, kann schon früh eine private Rente für den Nachwuchs anlegen. - © Jenny Sturm - stock.adobe.com

Herr Morgen, wie lässt sich mit dem Kindergeld für die Rente vorsorgen?

Philip Morgen: Wer in diesem Jahr Eltern geworden ist, bekommt jeden Monat 204 Euro Kindergeld. Da hier mit einer langen Anlagedauer gerechnet wird, kann das Geld zum Beispiel in breit streuende Aktien-ETFs oder sonstige Publikumsfonds investiert werden. Das Ziel ist, bei überschaubaren Kosten eine langfristige Rendite von durchschnittlich 5,5 Prozent jährlich nach Managementkosten zu erwirtschaften. 

Das Geld wird dazu in Aktienfonds investiert?

Das ist der gängige Weg. Allerdings unterliegen Erträge aus ETF- oder Fonds-Sparplänen nach momentaner Rechtslage der Abgeltungssteuer. Außerdem können sie täglich ge- und verkauft werden. Das ist bei einer langfristigen Geldanlage ein Nachteil. Vor allem wenn die Kurse sinken, verlieren viele Sparer die Nerven und verkaufen.

Was ist die Alternative?

Wenn Eltern das Kindergeld langfristig anlegen wollen und auch noch Steuern sparen können, schließen sie am Besten eine Fondspolice ab. Das ist eine Form der Rentenversicherung, bei der ein Teil der Prämie in Investmentfonds angelegt wird. Das Kind wird Begünstigte und das Kindergeld der nächsten 20 Jahre wird als Prämie eingesetzt. Dadurch wird die Rendite während der Laufzeit der Police ohne Abgeltungsteuer angesammelt.

Der Vertrag kann anfangs auf die Eltern abgeschlossen werden und später unter Ausnutzung der Schenkungsfreibeträge kostenlos auf die Tochter übertragen werden. Hierbei kann sogar eine Sperrklausel von den Eltern eingefügt werden, um zu verhindern, dass das Geld sinnlos ausgegeben wird.

Das Kind kommt also auch vorher ans Geld?

Die Police kann bei Bedarf – zum Beispiel in einer Notlage – täglich ohne zusätzliche Kosten ausgezahlt werden. Wer das angesammelte Geld nach 20 Jahren fürs Studium oder nach 30 Jahren für das eigene Haus benötigt, kann ohne Hürden darüber verfügen.

Gedacht ist es aber als Anlage für die Rente?

Ein gut konzipierter Vertrag kann tatsächlich bis zum Rentenalter der Tochter oder bis zum Tod der Eltern laufen. Das komplette Vermögen – einschließlich der bisher unversteuerten Rendite – wird sogar abgeltungs- und einkommensteuerfrei ausgezahlt, wenn die Eltern im Alter versterben.

Wie sieht das in Zahlen aus?

Nach 60 Jahren erfolgt eine steuerfreie Auszahlung von etwa 585.000 Euro. Wer das Geld in einem Bankdepot in Wertpapiere investiert, kommt auf lediglich 411.000 Euro. Die Steuerlast bremst den Zinseszinseffekt aus und macht einen Unterschied von mehr als 170.000 Euro aus, sogar nach Berücksichtigung der Versicherungskosten.

Beispielrechnung: Auszahlungen aus Bankdepots bzw. Versicherungsvertrag nach Kosten je nach Laufzeit

 BankdepotVersicherungsvertrag
Nach 20 Jahren80.042 Euro83.137 Euro
Nach 30 Jahren121.588 Euro135.422 Euro
Nach 40 Jahren183.378 Euro220.589 Euro
Nach 50 Jahren275.279 Euro359.316 Euro
Nach 60 Jahren411.961 Euro585.288 Euro