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Hygienisch reine Kleidung So waschen Sie Ihre Textilien in Corona-Zeiten richtig

Trotz der Covid-19-Pandemie gehen die Arbeiten in vielen Bereichen des Handwerks weiter. Dabei ist ein engerer Kontakt mit Kollegen und Kunden nicht immer vermeidbar. Maßnahmen für den eigenen Schutz sind hinreichend bekannt gemacht worden. Wie aber ist mit der im Beruf getragenen Kleidung und Textilien zu verfahren, die mit den Viren in Berührung gekommen sein können?

Dieser Artikel ist Bestandteil des Themenpakets Coronavirus

Für diese Frage ist nach Auskunft des Berliner Bundesinstituts für Risikobewertung die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BauA) in Dortmund zuständig ist. Auf deren Homepage finden sich Hinweise zum Schutz gegen den Corona-Virus SARS-CoV-2 bei der Arbeit. Da das Handwerk zu den beruflichen Tätigkeiten mit Personenkontakt zählt, gelten in den Unternehmen die Bestimmungen und Empfehlungen zu Infektionsschutz und Hygiene des Robert Koch Instituts (RKI): Um Ansteckungen zu vermeiden, sind Händehygiene, Husten- und Niesetikette sowie Verhaltensregeln im Umgang mit Menschen in der Öffentlichkeit zu berücksichtigen.

Doch trotz aller Vorsicht kann immer etwas Unvorhergesehenes passieren: Der Kollege fängt in der Kälte an zu husten oder die Friseurkundin reagiert auf die Dauerwellentinktur mit einem Niesanfall. Sollte die entsprechende Person mit dem Corona-Virus infiziert sein, verteilen sich möglicherweise Sekrete auf der Kleidung der Umstehenden oder landen auf dem Friseurumhang. Oder ein Mitarbeiter hat sich bereits infiziert Was dann? Geht von den Textilien eine Gefährdung für einen selbst oder andere aus? Und wie sollten sie gewaschen werden, damit die Erreger nicht weitergetragen werden?

Geringes Kontaminationsrisiko durch trockene Oberflächen

Auf Nachfrage teilt das BauA mit, dass derzeit (Stand 26.03.2020) keine Fälle nachgewiesen sind, bei denen sich Menschen durch Kontakt zu kontaminierten Gegenständen mit dem neuartigen Coronavirus infiziert haben. Auch für andere Coronaviren seien keine Berichte über Infektionen durch Lebensmittel oder den Kontakt mit trockenen Oberflächen bekannt, führt die Bundesanstalt weiter aus. Übertragungen über Oberflächen, die kurz zuvor mit Viren kontaminiert wurden, wären allerdings durch Schmierinfektionen denkbar. Aufgrund der relativ geringen Stabilität von Coronaviren in der Umwelt sei dies aber nur in einem kurzen Zeitraum nach der Kontamination wahrscheinlich.

Eine Weitergabe der Viren durch eine Berufskleidung scheint also wenig denkbar, weshalb die BauA im Hinblick auf den Tausch und die Pflege von Arbeits- und Berufskleidung aktuell noch keine Vorgaben macht. Wie mit einem Friseurumhang umzugehen ist, lässt sich hingegen nicht eindeutig klären. Immerhin ist es denkbar, dass auf den glatten Textilien kurzzeitig eine Schmierinfektion stattfinden kann. Aus Gründen der Vorsicht scheint es aktuell daher angebracht, nach jedem Kunden den Umhang zu wechseln und zu waschen.

40, 60 oder 90°C?

Viele Handwerker waschen ihre Textilien in der heimischen Waschmaschine. Dabei orientieren sie sich an der auf dem Etikett angegeben Pflegeempfehlung. Je nach Textil sind Waschtemperaturen zwischen 30 und 90°C angegeben. Fraglich ist, ob diese auch zum Abtöten der Viren ausreichen. Dazu findet sich auf der Homepage des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR, Berlin) folgender Hinweis: Nach aktuellem Stand der Wissenschaft liegen dem BfR keine Informationen zur Überlebensdauer des SARS-CoV-2 Virus auf Textilien oder in der Waschmaschine vor. Als behüllte Viren, deren Erbgut von einer Fettschicht (Lipidschicht) umhüllt ist, reagieren Coronaviren generell empfindlich auf fettlösende Substanzen wie Tenside, die als Fettlöser in Waschmitteln enthalten sind. Im normalen Alltag können Personen in Privathaushalten ihre Wäsche wie gewohnt waschen.

Kleidung und Textilien von Erkrankten und Materialien, die mit infektiösen Körperflüssigkeiten in Kontakt gekommen sind, sollten hingegen bei einer Temperatur von mindestens 60°C in der Waschmaschine mit einem Vollwaschmittel gewaschen und gründlich getrocknet werden. Beim Umgang mit Wäsche von Erkrankten sollte der direkte Kontakt von Haut und Kleidung mit kontaminierten Materialien vermieden werden, die Wäsche nicht geschüttelt und im Anschluss die Hände gründlich gewaschen werden.

Mit Kochwäsche auf der sicheren Seite

Dr. Jan Beringer, Senior Scientific Expert am Hohenstein Institut (Bönnigheim), tendiert hingegen zu noch höheren Temperaturen, wenn eine hygienisch sichere Aufbereitung aller benutzen Textilien erfolgen soll. Er empfiehlt derzeit eine Kochwäsche. "Um Viren abzutöten müssen drei Faktoren eingehalten werden: Chemie, Zeit und Temperatur. Ein Vollwaschmittel ist die chemische Komponente. Es enthält bleichende Substanzen und fettlösende Substanzen (Tenside), auf das Coronaviren empfindlich reagieren. Die Temperatur muss bei einer rein thermischen Desinfektion wenigstens 85°C betragen und muss für mindestens 15 Minuten gehalten werden. Eine Haushaltswaschmaschine kann das nur im Kochprogramm (90°C) leisten. Untersuchungen in unserem Institut haben ergeben, dass die Maschine bei Waschprogrammen mit niedrigeren Temperaturen nur einmal kurz auf die voreingestellten Waschtemperaturen aufheizt, diese aber nicht hält. Der gewünschte Hygiene-Effekt bleibt also bei einem herkömmlichen 60°C-Programm aus. Wir empfehlen daher die Kochwäsche. Während dem Hauptwaschgang tötet die 85 bis 90°C heiße Waschlauge die Viren ab." (Anm. der Red.: Ein nachfolgendes Trocknen bei hoher Temperaturstufe verstärkt den Effekt zusätzlich.)

Mit textilem Schwund ist zu rechnen

Die hohe Waschtemperatur wird jedoch nicht bei jedem Kleidungsstück folgenlos bleiben. Jacken und Hosen aus einem klassischen Mischgewebe (65 Prozent Polyester (PET)/35% Baumwolle (COT)) überstehen eine Kochwäsche problemlos, allerdings verlassen sie die Maschine jedoch etwas knittriger als üblich. Das gilt auch für Shirts und Fleece-Jacken aus reinem Polyester. Stretch-Gewebe mit einem Elasthan-Anteil sind hingegen empfindlich: Die elastische Faser versprödet bei den hohen Temperaturen und wird allmählich ausgewaschen. Auch Softshell-Teile sind wenig robust und sollten vorsichtshalber zuhause bleiben, wenn eine Kontamination durch Personenkontakt möglich ist. Baumwoll-Textilien wiederum sind unverwüstlich, können aber einlaufen, wenn sie im Herstellprozess keine Sanfor-Behandlung durchlaufen haben. Auch bei Baumwoll-Frottiertüchern und -Laken, die im kosmetischen Handwerk eingesetzt werden, muss man sich im Lauf der Zeit auf ein Kleinerwerden einstellen. Mikrofleece-Tücher aus Polyester sind hingegen maßstabil. Und auch wenn die Pflegeempfehlung von Friseurumhängen maximal bei 40°C vorsieht, können sie gekocht werden, weiß Dr. Jan Beringer: "Die Textilien halten die hohe Temperatur aus. Sie bekommen jedoch mehr Knitterfalten und die Farbe bleicht geringfügig aus. Im Vergleich zum hygienischen Nutzen sollten diese Nachteile aktuell jedoch nicht weiter ins Gewicht fallen."

Handwerker, die ihre Berufskleidung über einem Mietservice beziehen, sind in der aktuellen Situation fein raus. Die Verantwortung für eine hygienisch aufbereitete und ausgelieferte Berufskleidung und Wäsche liegt beim textilen Dienstleister. Viele von ihnen haben ein zertifiziertes Hygienemanagement, dem sämtliche Prozesse unterworfen sind. In Corona-Zeiten sind diese wichtiger als je zuvor.

*(Anm. d. Red.: Wegen des Kontaktverbots haben Friseursalons in Deutschland seit dem 22. März geschlossen. Aus Gründen der Veranschaulichung des Sachverhalts behalten wir das Friseur-Beispiel in diesem Text jedoch dennoch bei).

Das Wichtigste im Überblick

  • Nach derzeitigem Stand sind keine Infektionen durch Kontakt mit trockenen Corona-kontaminierten Gegenständen bekannt
  • Eine Kontamination durch Berufskleidung und im Körperpflegehandwerk eingesetzten Textilien scheint gering
  • Nach aktuellem Stand der Wissenschaft reicht eine Wäsche bei 60°C mit Vollwaschmittel und Trocknen zum Waschen nicht-kontaminierter Textilien aus
  • Textilien, die mit infektiösen Flüssigkeiten in Berührung gekommen sind, sollten mindestens bei 60°C und Vollwaschmittel, besser aber mit einem Kochwaschprogramm bei 90°C behandelt werden
  • Die in den Waschmitteln enthaltenen Tenside zerstören Corona-Viren, deren Erbgut von einer Fettschicht umhüllt ist
  • Ein zusätzlicher Trockenprozess im Tumbler bei hoher Temperaturstufe ergänzen die Wirkung einer Wäsche
  

Weitere, ständig aktualisierte Informationen in Bezug auf Hygienemaßnahmen bei der Arbeit unter :

baua.de/DE/Themen/Arbeitsgestaltung-im-Betrieb/Biostoffe/Coronavirus.html

sowie bfr.bund.de/de/kann_das_neuartige_coronavirus_ueber_lebensmittel_und_gegenstaende_uebertragen_werden_-244062.html

Gelistete Hygiene-Waschverfahren unter:

edoc.rki.de/bitstream/handle/176904/5723/2017_Article_ListeDerVomRobertKoch-Institut.pdf?sequence=1&isAllowed=y

rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Hygiene.html

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