Handwerkliches Speiseeis So viel kostet eine Kugel Eis diese Saison

Ob Schokolade, Erdbeere oder Vanille – an einem warmen Sommertag gönnt man sich gerne eine Kugel Eis. In diesem Jahr müssen die Kunden für gutes, handwerklich hergestelltes Eis allerdings wieder tiefer in die Tasche greifen. Mit "Tiziano" schaffen die Gelatieri dafür ein neues Geschmackserlebnis.

Tiziano ist das Eis des Jahres 2023
"Tiziano" heißt das Eis des Jahres 2023. Die handwerklichen Speiseeishersteller in Deutschland küren seit 2002 jährlich ein Eis des Jahres. 2022 war es Stracciatella mit Rosmarin. - © Uniteis & Cre@tive Menu

Kaum kommt die Sonne raus, sind auch die Eisdielen wieder gut besucht. Welche Sorte es dieses Jahr neu zu entdecken gibt und wie viel das Eis kostet, weiß Annalisa Carnio, Sprecherin von Uniteis, dem Verband der handwerklichen Speiseeishersteller.

"Tiziano" ist Eissorte des Jahres

Auf der Speisekarte vieler Eislokale steht in diesem Jahr das Eis "Tiziano". "Es wurde zu Ehren des Malers Tiziano entworfen und in diesem Jahr zum Eis des Jahres gekürt", sagt Carnio. Die neue Kreation besteht aus Erdbeertrauben und Prosecco. Die roten und violetten Schattierungen der Eissorte sollen an die Kunstwerke des italienischen Malers erinnern, der für sein intensives Rot, das "Tizianrot" bekannt ist. Der Künstler stammt aus Venetien in Norditalien, der Heimat der ersten Eismacher, die nach Deutschland und Europa ausgewandert sind.

"Ich habe es schon probiert und es schmeckt sehr lecker", sagt Carnio. "Der Prosecco ist nicht so stark. Man merkt ihn kaum. Aber diese Mischung aus Erdbeertrauben und Prosecco ist erfrischend und sehr intensiv im Geschmack."

Für Kinder sei das Eis zwar nicht geeignet, merkt Carnio an, aber diese hätten in der Regel auch eher eine Präferenz für Schokolade, Erdbeere oder Vanille. "Auch Mango ist mittlerweile bei den Kindern sehr beliebt", berichtet Carnio.

Insgesamt seien bei Jung und Alt in den immer heißeren Sommern vor allem Fruchteis-Sorten gefragt, von Zitrone über Pflaume bis Himbeere. Auch viele regionale Früchte und Joghurteis würden immer beliebter. "WIr gehen mit dem Eis des Jahres mit dem Trend und bieten etwas frisches und fruchtiges an", sagt Carnio.

Was sind Erdbeertrauben?

Bei der Erdbeertraube handelt es sich um eine Sorte der Wildrebe Vitis Lambrusca, die hauptsächlich in Norditalien vorkommt. Sie wird auch American Grape oder Clinton genannt und wurde Mitte des 19. Jahrhunderts aus Nordamerika eingeführt. Den Namen erhielt sie wegen ihres Dufts, der sehr an die rote Erdbeerfrucht erinnert. Es gibt mehrere Sorten von Erdbeertrauben, zum Beispiel die weiße Erdbeertraube, die Isabella mit großen, dunkel gefärbten Beeren, dann die frühe Erdbeertraube, die schon im August reift und einen intensiven, samtigen Geschmack hat. Derzeit dürfen Erdbeertrauben nur für den Verzehr bei Tisch oder die Verwendung innerhalb der Familie angebaut werden.

(Quelle: Uniteis)

Saison bisher eher mäßig

Mit dem Umsatz sind die Speiseeishersteller in diesem Jahr noch nicht ganz zufrieden. März und April waren sehr nass und eher kalt. Da habe niemand groß Lust auf Eis gehabt, so Carnio. Für die Eisdielen beginne aber die Saison traditionell bereits an Ostern. "Wir hoffen, dass das Wetter jetzt noch lange schön bleibt. Dann geht die Saison auch noch in den Herbst hinein", sagt Carnio. Das beste Wetter zum Eis verkaufen sei einfach ein blauer Himmel und Sonnenschein. "Da ist es egal, ob es 20 oder 30 Grad hat. Hauptsache es regnet nicht und das Gefühl stimmt."

Speiseeis hat viele Kostentreiber

Neben gutem Wetter sind die Speiseeishersteller in diesem Jahr auch wieder auf einen vollen Geldbeutel ihrer Kunden angewiesen: Zwischen 1,30 und 1,80 Euro kostet eine Kugel Eis.

"Nicht ganz günstig", mag manch einer sagen. Doch Carnio weiß, dass es noch teurer sein könnte: "Wir haben in Deutschland ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Hier sind die Preise für handwerklich hergestelltes Speiseeis günstiger als in anderen europäischen Ländern." In Spanien, Italien oder Frankreich liegt der Kugelpreis laut Verband zwischen 3,00 Euro und 4,50 Euro. "Letztes Jahr war ein Kollege in Paris und hat dort vier Euro pro Kugel zahlen müssen. Da ist man in Berlin mit zwei Euro doch ganz gut dabei", meint die Verbandssprecherin.

Carnio versteht, dass der Eispreis für viele Menschen ein emotionales Thema ist. Eis sei mit schönem Wetter, Erholung und Urlaub verbunden. Daher erinnerten sich auch viele daran, wieviel eine Kugel Eis in ihrer Kindheit gekostet hat: zehn Pfennig, 20 Pfennig oder 50 Pfennig.

Das sich nach 40 oder 50 Jahren jedoch der Preis den restlichen Lebenshaltungskosten anpasst, sei unausweichlich. Trotzdem hätten die Gelatieri unterm Strich nicht wesentlich mehr Geld, das am Ende übrig bleibe. So rechnet Carnio vor, dass von einer Kugel Eis auch die gestiegenen Energie- und Lebensmittelpreise, Mieten oder Personalkosten gedeckt werden müssen. Diese Faktoren müssten die Kunden auch berücksichtigen, wenn sie sich über die gestiegenen Preise wundern.   

So setzt sich der Preis einer Kugel Eis zusammen

  • Mehrwertsteuer: sieben Prozent
  • Gewinn vor Steuer: zehn Prozent
  • Wareneinkauf: 23 Prozent
  • Miete, Versicherungen, Werbekosten, Abschreibungen, Instandhaltung: 30 Prozent
  • Personalkosten: 30 Prozent

(Quelle: Uniteis)