ChatGPT, Google Gemini, Grok und Co. blicken zehn Jahre voraus und haben drei interessante Szenarien entwickelt. Stehen düstere oder goldene Zeiten bevor?

Das deutsche Handwerk gilt als Rückgrat der Wirtschaft. Doch wie ist seine Perspektive in Zeiten von Fachkräftemangel, Energiewende und Digitalisierung? Künstliche Intelligenz von ChatGPT, Google Gemini, Grok, DeepSeek und Co. stellt im Auftrag der DHZ-Redaktion interessante Prognosen auf, wie sich die Situation in den nächsten zehn Jahren entwickeln könnte.
Die Spannweite reicht vom goldenen Zeitalter eines High-Tech-Handwerks bis hin zum langsamen Kollaps einer traditionsreichen Stütze des Mittelstands. Für 2035 gibt es laut KI folgende drei Szenarien, die auf die verschiedenen Branchen und ihre Betriebe zukommen könnten:
Das optimistische Szenario: Ein goldenes Zeitalter steht bevor
Im besten Fall erlebt das Handwerk im nächsten Jahrzehnt eine unübertroffene Blütezeit. Hervorzuheben sind laut ChatGPT und Co. folgende Trends:
- Der Fachkräftemangel wird gelöst. Möglich wird dies durch eine Kombination aus attraktiver Bezahlung, modernen Arbeitszeitmodellen, einer rechtlich und gesellschaftlich anerkannten Gleichstellung des Meisterbriefs mit akademischen Abschlüssen sowie gezielter Zuwanderung. Auf diesem Fundament strömen viele junge Menschen ins Handwerk.
- Die Digitalisierung wirkt als Effizienz-Booster. KI übernimmt Routinearbeiten wie Angebote, Abrechnungen und Materialbestellungen. Augmented-Reality-Brillen unterstützen bei komplexen Installationen, 3D-Drucker fertigen Ersatzteile vor Ort. Die Produktivität steigt stark, körperlich schwere Arbeiten werden durch Technik erleichtert.
- Die Energiewende wird zum Wachstumsmotor. Ob Wärmepumpen, Solaranlagen oder umfangreiche Gebäudesanierungen: Handwerker sind die entscheidenden Umsetzer der Klimaziele. Daraus entsteht eine enorme Aufwertung, ein gesellschaftlicher Sinn, der das Handwerk zusätzlich attraktiv macht.
- Das Ansehen von Handwerkern wächst rapide. Sie werden als Klimaretter und intelligente Problemlöser wahrgenommen. Eine Zukunft im Handwerk ist für viele Berufseinsteiger die erste Wahl. Sie steht für sichere und attraktive Jobs mit vielen Chancen für einen persönlichen Aufstieg. Deshalb wird das Handwerk auch von vielen Abiturienten einer akademischen Laufbahn vorgezogen.
Die Wirtschaftskraft: Das Handwerk etabliert sich als High-Tech-Branche mit Vollauslastung. Wartezeiten schrumpfen, die Einkommen steigen, die Zahl der Betriebe wächst. Das Handwerk ist der zentrale Stabilitätsanker der deutschen Wirtschaft.
Das pessimistische Szenario: Ein schleichender Niedergang
In dieser düsteren Prognose der KI verliert das Handwerk bis 2035 erheblich an Bedeutung. Wichtige Weichenstellungen werden versäumt:
- Der Fachkräftemangel eskaliert. Ausbildungszahlen sinken, viele junge Menschen ziehen akademische oder IT-Karrieren vor. Mit der Verrentung der Babyboomer schließen Tausende Betriebe ersatzlos. Ländliche Räume werden entleert. Wartezeiten von über einem Jahr sind die Regel.
- Die Digitalisierung wird verschlafen. Anstatt digitale Technologien selbst zu gestalten, werden deutsche Handwerker zu Subunternehmern internationaler Plattformen. Anbieter wie Amazon oder chinesische Billiganbieter dominieren den Markt mit Preisdumping. Lokale Betriebe verlieren ihre Eigenständigkeit, Margen schrumpfen auf ein Minimum
- Die Energiewende scheitert an fehlenden Kapazitäten. Förderprogramme laufen ins Leere, weil Handwerker fehlen, um Projekte umzusetzen. Politische Klimaziele werden krachend verfehlt, gesellschaftlicher Frust wächst.
- Das Ansehen sinkt drastisch. Handwerk gilt als schwerer, schlecht bezahlter Job mit wenig Aufstiegschancen. Schwarzarbeit und internationale Billigkonkurrenz übernehmen weite Teile des Marktes, Qualität und Zuverlässigkeit nehmen stark ab.
- Es entsteht eine Negativspirale: sinkende Betriebszahlen, steigende Kosten, schrumpfende Attraktivität. Das Handwerk verliert seine Rolle als Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Nur Wohlhabende können sich noch zuverlässig die Dienste von Fachleuten sichern, während viele Bürger auf unqualifizierte Anbieter ausweichen müssen.
Das realistische Szenario: Vereinte Kräfte sichern Stabilität
In einem von der KI als am "wahrscheinlichsten" eingeschätzten Szenario bleibt das Handwerk auch 2035 eine unverzichtbare Säule der Wirtschaft, steht jedoch weiterhin unter starkem Handlungsdruck:
- Der Fachkräftemangel bleibt bestehen, wenn auch abgeschwächt. Zwar mildern Zuwanderung, Quereinsteiger und einzelne Imagekampagnen den Druck. Doch die demografischen Realitäten – viele ältere Meister gehen in Rente – lassen sich nicht wegdiskutieren. Besonders im ländlichen Raum wird es immer schwerer, offene Stellen zu besetzen. Wartezeiten bleiben lang.
- Die Digitalisierung teilt die Branche in Gewinner und Verlierer. Große, kapitalkräftige Betriebe setzen digitale Tools erfolgreich ein, nutzen KI für Verwaltung und Planung und erhöhen so ihre Effizienz. Kleinere Betriebe hingegen scheitern oft an den Investitionskosten oder am fehlenden Know-how. Sie verlieren an Attraktivität für junge Fachkräfte, die digital-affine Arbeitsplätze erwarten.
- Die Energiewende sorgt für Wachstum, aber nur für einzelne Gewerke. Insbesondere Elektro- und Dachdeckerbetriebe sowie Sanitär-Heizung-Klima profitieren massiv von Wärmepumpen, Photovoltaik und Ladeinfrastruktur. Dagegen geraten traditionelle Gewerke wie Bäcker, Metzger oder Schreiner noch stärker unter Kosten- und Konkurrenzdruck.
- Der Strukturwandel beschleunigt sich. Viele kleine Betriebe ohne Nachfolger verschwinden, während regionale Handwerksgruppen und Franchise-Systeme wachsen. Kunden erleben dadurch eine stärkere Standardisierung, aber auch einen Verlust an individueller Nähe und Meisterqualität.
Wichtig ist es, die Prognosen der Künstlichen Intelligenz richtig einzuordnen. ChatGPT und Co. können auf ihrer Datengrundlage lediglich theoretische Annahmen erstellen. Für die Zukunft noch unvorhersehbare Ereignisse und Markteinflüsse werden in den Szenerien nicht abgebildet.