Ausbildungsserie So stärken Sie das Selbstvertrauen pessimistischer Lehrlinge

Manche Auszubildende rechnen ständig mit dem Misserfolg. Dahinter steckt oft eine Schutzstrategie. Was Ausbilder tun können, um die negative Grundhaltung zu durchbrechen, weiß Ausbildungsberater Peter Braune.

Mit Empathie und konkreten Erfolgserlebnissen können Ausbildende pessimistischen Lehrlingen helfen, neues Selbstvertrauen zu entwickeln. - © TA design - stock.adobe.com

Der Begriff "Pessimist" leitet sich vom lateinischen pessimus (der Schlechteste) ab. Er beschreibt eine Sichtweise, die oft durch mangelndes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und die ständige Erwartung negativer Entwicklungen gekennzeichnet ist. Psychologen und Pädagogen gehen davon aus: Pessimismus ist meist nicht angeboren, sondern erworben – oft durch negative Erfahrungen in der Kindheit oder ein entsprechendes Vorbild im Elternhaus.

Die Abwärtsspirale im Blick

Ein pessimistischer Lehrling begegnet der eigenen Ausbildung mit einer negativen Grundeinstellung. Er oder sie erwartet schlechte Ergebnisse in Betrieb und Berufsschule und glaubt oft, an der eigenen Lage ohnehin nichts ändern zu können. Dieser Mangel an Selbstvertrauen führt dazu, dass sich Betroffene häufig in der Opferrolle sehen. Das Problem dabei: Diese Einstellung kann ansteckend wirken. Sie kann Unmut im gesamten Team schüren und die Motivation anderer Lehrlinge oder Fachkräfte dämpfen.

Besonders deutlich wird dies nach Unterweisungen: Anstatt sich auf die neue Aufgabe einzulassen, rechnet der Lehrling bereits mit dem Misserfolg. Mit fortschreitender Lehrzeit verfestigt sich das Gefühl, den Ansprüchen nicht gerecht zu werden. Die Überzeugung wächst, schlicht "nicht gut genug" zu sein.

Strategien für Ausbildende

Für Sie als Ausbilderin oder Ausbilder ist es wichtig zu verstehen: Pessimismus ist oft eine Schutzstrategie, um Enttäuschungen vorzubeugen. Wer nichts erwartet, kann nicht enttäuscht werden. Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt:

  • Empathie zeigen: Versetzen Sie sich in die Sichtweise des Lehrlings. Was sind die eigentlichen Sorgen? Welche Erfahrungen stecken dahinter?
  • Das direkte Gespräch suchen: Sprechen Sie Ursachen in einer ruhigen Umgebung offen an. Nutzen Sie offene Fragen, um den Lehrling zu ermutigen, die eigene Sicht zu schildern.
  • Klarheit schaffen: Unterscheiden Sie zwischen berechtigten Bedenken und pauschalen Behauptungen. Trennen Sie dabei stets die Person vom sachlichen Inhalt.
  • Grenzen setzen: Ein klärendes Gespräch braucht hilfreiches Feedback, aber auch klare Kanten. Destruktives Verhalten darf nicht stillschweigend hingenommen werden. Schlechtes Benehmen ist kein Schicksal und sollte nicht durch übermäßige Nachsicht belohnt werden.

Gemeinsam nach vorne blicken

Erarbeiten Sie gemeinsam mit dem Lehrling konkrete Lösungen. Motivieren Sie für positive Ziele, anstatt nur die Ursachen des Pessimismus zu bekämpfen. So lenken Sie die Energie in eine konstruktive Richtung.

Kleine Erfolgserlebnisse können dabei Wunder wirken: Übertragen Sie dem Lehrling Aufgaben, die zu bewältigen sind, und würdigen Sie die Ergebnisse. Schritt für Schritt lässt sich so das Selbstvertrauen aufbauen – und aus dem Pessimisten kann ein realistischer Optimist werden.

Ihr Ausbildungsberater Peter Braune

Zum Autor: Peter Braune hat Farbenlithographie gelernt, war Ausbilder und bestand in dieser Zeit die Ausbildungsmeisterprüfung. Er wechselte als Ausbildungsberater zur Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main. Dort baute er dann den gewerblich-technischen Bereich im Bildungszentrum auf und leitete die Referate gewerblich-technischen Prüfungen sowie Ausbildungsberatung, zu der auch die Geschäftsführung vom Schlichtungsausschuss gehörte. Danach war er Referent für Sonderprojekte.