Debatte um Rentenversicherungspflicht So sorgen Selbstständige fürs Alter vor

Die meisten Selbstständigen in Deutschland sorgen fürs Alter vor. Ob Rentenversicherung, Immobilie oder Wertpapiere – die Formen sind vielfältig. Dennoch sind viele der Meinung, dass diese Absicherung nicht ausreicht, um im Alter den Lebensstandard zu halten. Was bedeutet das in der Debatte um die Rentenversicherungspflicht?

Altersvorsorge Selbstständige
Nur drei Prozent der Selbstständigen geben einer aktuellen Umfrage zufolge an, derzeit keinerlei Altersvorsorge zu betreiben. Dennoch reicht das oftmals nicht aus. - © Take Production - stock.adobe.com

Künftig sollen alle Selbstständigen eine Form der Altersabsicherung vorweisen müssen. Die Bundesregierung plant eine Rentenversicherungspflicht für alle neuen Selbstständigen. Wer nichts unternimmt, um im Alter eine finanzielle Absicherung zu haben, soll in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen. Schaut man sich aktuelle Zahlen an, so sind derzeit aber nur drei Prozent der Soloselbstständigen und Kleinstunternehmen nicht abgesichert.

Eine Umfrage des ifo Instituts im Auftrag des Internetdienstleisters Jimdo unter rund 900 Selbstständigen – konkret waren es Betriebe mit weniger als neun Mitarbeitern – zeigt, dass der absolute Großteil dieser Betriebe sich mit dem Thema Altersvorsorge beschäftigt. Es zeigte sich, dass rund zwei Drittel der Befragten kapitalbasierte Modelle dafür nutzt wie Investmentfonds, Wertpapiere oder Immobilien. Mehr als die Hälfte setzt dagegen auf versicherungsbasierte Lösungen, etwa private Rentenversicherungen oder Rürup-Verträge. Der Umfrage zufolge spielen aber auch frühere Pflichtversicherungszeiten in der gesetzlichen Rentenversicherung eine wichtige Rolle: Rund 47 Prozent verfügen über entsprechende Ansprüche. Rund 16 Prozent sind derzeit freiwillig gesetzlich versichert.

Rentenversicherungspflicht: "Nicht die dringendste politische Baustelle für Selbstständige"

Doch diese Vielfalt an Altersvorsorge geht nicht einher mit der Sicherheit, im Alter den Lebensstandard von heute halten zu können. So zeigen die Wirtschaftsforscher mit der Studie auch, dass die Selbstständigen dennoch eine Unsicherheit spüren, wenn es um die finanzielle Sicherheit im Alter geht. Nur 46 Prozent von ihnen halten demnach ihre Vorsorge für ausreichend. 22 Prozent sind sich unsicher und 32 Prozent gehen davon aus, dass sie den eigenen Lebensstandard im Ruhestand nicht halten können.

In der Debatte um die geplante Rentenversicherungspflicht für Selbstständige ist es daher fraglich, ob das Vorweisen einer Absicherung alleine entscheidend ist für eine wirkliche Absicherung. Aus Sicht von Matthias Henze, dem CEO und Mitgründer von Jimdo, brauchen Selbstständige eher schon früher im Berufsleben mehr Unterstützung und verlässliche Rahmenbedingungen, um dann die Möglichkeit zu haben, besser vorzusorgen. Er kommentiert die Ergebnisse der Befragung mit den Worten: "Altersvorsorge ist fraglos wichtig, aber eine staatliche Rentenversicherungspflicht ist aus meiner Sicht nicht die dringendste politische Baustelle für Selbstständige." Stattdessen wären weniger Bürokratie und ein modernes, praxisnahes Statusfeststellungsverfahren Themen, die angegangen werden sollten.

Die aktuellen Einschätzungen der Selbstständigen in Sachen Altersabsicherung unterscheiden sich dabei kaum von denen in der Gesamtbevölkerung. Laut ARD-DeutschlandTREND fühlen sich bundesweit 51 Prozent der Wahlberechtigten nicht ausreichend abgesichert und damit auch viele Angestellte nicht. jtw